Ex-Pressesprecher: "In der Piratenpartei laufen Spielchen um Machtpositionen"

Der ehemalige Pressesprecher der Piratenpartei hat schwere Anschuldigungen zu Mobbing und Karrierismus in der Internetpartei erhoben. Der frühere Bundespressesprecher Christopher Lang sagte Spiegel Online(öffnet im neuen Fenster) , er habe zurücktreten müssen, "andernfalls wäre ich weggemobbt worden." Ende vergangener Woche waren Lang und Aleks Lessmann von ihren Posten als Pressesprecher und stellvertretender Pressesprecher zurückgetreten.
In der Piratenpartei gebe es "klassische Spielchen um Machtpositionen, genau wie bei den etablierten Parteien" , sagte Lang. "Es ist so simpel wie lächerlich."
Lang sei "systematisch diskreditiert" worden. Vor allem eine "Klüngelgruppe" aus der Berliner Piratenfraktion betreibe über Twitter Stimmungsmache gegen unliebsame Parteimitglieder. "Das grenzte an Rufmord" , behauptete Lang.
"Schwachpunkte einzelner Personen benennen"
Am 4. Juni 2012 erklärte Gefion Thürmer, Exbeisitzerin im Bundesvorstand der Partei und Koordinatorin der "Servicegruppe Presse", in ihrem Blog(öffnet im neuen Fenster) : "Der Bundesvorstand strukturiert in der Öffentlichkeitsarbeit um. Es wurden Entscheidungen über das Presseteam getroffen, ohne dieses einzubeziehen. Die dort engagierten Piraten, ihre Qualifikation und Erfahrung werden dabei nicht respektiert. Die getroffenen Entscheidungen basieren nicht auf fachlicher Expertise, sondern auf Politik und persönlichen Präferenzen." Sie sei gebeten worden, in der neuen Struktur Verantwortung für die Koordination zu übernehmen, was sie abgelehnt habe: "Ich will nicht für etwas verantwortlich sein, das ich nicht verantworten kann."
Einige Vorstandsmitglieder hätten "aktiv destruktiv" in die Arbeit des Presseteams eingegriffen. "Ich bekam sogar einen Anruf, in dem ich gebeten wurde, die Schwachpunkte einzelner Personen zu benennen, damit man sich ihrer einfacher entledigen könne."
Der fachliche Rat von Leistungsträgern und Profis sei ignoriert, Expertise nicht anerkannt worden.
Die Piratenpartei hat eine Anfrage von Golem.de zu den Vorwürfen bisher nicht beantwortet.



