Ex-GDL-Chef: Weselsky würde die Hälfte der Bahn-Manager entlassen

Der frühere Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, blickt auch ein Jahr nach seinem Eintritt in den Ruhestand unversöhnlich auf die Auseinandersetzungen mit der Deutschen Bahn. "Wenn ich Bahn-Chef wäre, würde ich mehr als die Hälfte der 3.500 Führungskräfte entlassen" , sagte Weselsky im Interview mit der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) . 16 Jahre lang prägte Weselsky die Arbeit der GDL.
Außerdem würde der Lokführer allen Führungskräften die Dienstwagen wegnehmen und sie zwingen, Zug zu fahren. "Ich kenne keine Firma, in der die Manager wie bei der Bahn das eigene Produkt meiden wie der Teufel das Weihwasser."
Zum Streik gehörten immer zwei
Auch zum Streik gehörten immer zwei: "Der Personalvorstand Herr Seiler hat in der Tarifrunde 2024 vom ersten Tag an gesagt: 35 Stunden pro Woche, darüber verhandeln wir nicht. Dann kommt es schnell zum Streik." Mittlerweile herrsche zwischen Seiler und ihm "Funkstille" . Weselsky forderte den Bund dazu auf, stärker darauf zu achten, "dass der Vorstand nicht durch unnötige Streiks das Geld der Steuerzahler verbrennt" .
Kritisch bewertet er nach wie vor den Bahn-Vorstand. "Die Manager saugen das Land aus und stellen keine vernünftigen Zugverbindungen bereit" , kritisierte er. "Der Bahn-Vorstand würde auch einen Eimer Gülle als Gold verkaufen." Konzernchef Richard Lutz erhielt 2024 ein Gesamtgehalt von rund 2,1 Millionen Euro. Das sind 1,42 Millionen Euro Festvergütung plus 716.000 Euro variable Zahlungen. Seine Abfindungssumme nach der Ablösung liegt demnach bei 2,84 Millionen Euro.
In den vergangenen Jahren hatte Weselsky die Bahn-Spitze als "Nieten in Nadelstreifen" bezeichnet, eine Qualifizierung, von der er nicht abrückt. "Zu den 'Nieten in Nadelstreifen' stehe ich. Wir leisten uns seit Jahrzehnten in der DB-Führung Nieten in Nadelstreifen" , sagte er.
Im Jahr 2007 bot ihm die Bahn den Posten des Personalvorstandes an, was er ablehnte. Über seinen Ruhestand sagte der Gewerkschaftler: "Ich bevorzuge mein Leben so, wie es jetzt ist." Dennoch würde er rückblickend wenig ändern. "Ich hätte mein Leben schöner verbringen können. Aber wollte ich das? Nein."