Abo
  • Services:
Anzeige
Der damalige BND-Chef Ernst Uhrlau beim Richtfest der BND-Zentrale im Jahr 2010.
Der damalige BND-Chef Ernst Uhrlau beim Richtfest der BND-Zentrale im Jahr 2010. (Bild: John Macdougall/AFP/Getty Images)

Selektoren bei Satellitenüberwachung kein Problem

Und falls doch, hätte es für ihn wohl kein Problem dargestellt: Denn in Bad Aibling kann seiner Darstellung nach keine komplette Kommunikation abgehört werden. Nur der Downlink könne erfasst werden, also die Kommunikation vom Satelliten zur Erdstation. Dabei ließ Uhrlau aber außen vor, dass Bad Aibling auch Internetkommunikation überwachen und damit E-Mails vollständig erfassen kann. So soll ein Großteil der unzulässigen Selektoren aus E-Mail-Adressen europäischer Politiker und Einrichtungen bestanden haben. Allerdings sei die Kabelkommunikation für den BND inzwischen deutlich relevanter als die Satellitenerfassung. Was auch das Interesse im Internetknoten DE-CIX erklären dürfte, den er seit 2009 überwacht.

Anzeige

Trotz der offenbar unzureichenden Selektorenprüfung in den Jahren 2008 bis 2013 sieht Uhrlau keine eigenen Versäumnisse in dieser Frage. Er sei nicht in alle Informationsstränge des Amtes eingebunden gewesen. Uhrlau habe zudem nicht gewusst, welche Mitarbeiter sich die Selektoren angeschaut hätten und wollte nicht ausschließen, dass sie überhaupt nicht geprüft worden seien. Allerdings hatte der zuständige Unterabteilungsleiter D. B. vor einigen Wochen ausführlich das automatisierte Prüfsystem erläutert. Uhrlaus Amtsnachfolger Gerhard Schindler hatte zuletzt seinen Vorgänger mit dafür verantwortlich gemacht, dass der Fund der brisanten Selektoren im August 2013 nicht der BND-Spitze gemeldet worden war. Denn in den Vorjahren hätte sich niemand für die Hinweise der Mitarbeiter interessiert.

Keine Ahnung von wichtigen Projekten

Ohnehin scheint Uhrlau längst nicht über alle brisanten Kooperationen des BND mit ausländischen Geheimdiensten informiert gewesen zu sein. So habe er in seiner Dienstzeit nie etwas von der Operation Glotaic gehört, für die der BND in Zusammenarbeit mit der CIA den Provider MCI im niederrheinischen Hilden abgehört haben soll. Er könne nicht einmal sagen, ob der BND über sämtliche "abgeschirmten Operationen", von denen nur wenige BND-Mitarbeiter etwas wissen sollen, informiert werden müsse.

Ahnungslos zeigte er sich zudem in der Frage, woher die BND-Mitarbeiter eigentlich wissen sollen, welche Suchbegriffe erlaubt sind. Im Falle der NSA-Kooperation sei das Aufgabe der zuständigen Abteilung gewesen, was das Kanzleramt offenbar nicht geprüft hatte. Aus Sicht des BND sei die Ausspähung europäischer Ziele mit Ausnahme von Waffenverbreitung ein "No-Go" gewesen, sagte Uhrlau. Es sei aber nicht geprüft worden, ob die USA das auch so restriktiv handhabten. Damit widersprach Uhrlau einem BND-Mitarbeiter, der gesagt hatte, dass österreichische und afghanische Bürger aus Sicht des Geheimdienstes gleichermaßen ausgespäht werden könnten.

Gezielte Tötung mit BND-Metadaten möglich

Auch in einer anderen Frage widersprach Uhrlau einem seiner früheren Mitarbeiter. So hatte der Leiter der BND-Außenstelle Schöningen im Februar 2015 eine Verbindung mit den gezielten Tötungen im Drohnenkrieg der USA zurückgewiesen. Er sei "zutiefst überzeugt", dass die in Schöningen gewonnenen Metadaten nie zu einem solchen Einsatz genutzt worden seien, hatte der Dienststellenleiter E. B. gesagt. Auf die Frage der Linke-Abgeordneten Martina Renner, ob die Daten von Geräten des Satellitenanbieters Thuraya für eine Zielerfassung geeignet seien, antwortete Uhrlau hingegen mit "Ich glaube, ja". Das wird noch eine Rolle spielen, wenn sich der NSA-Ausschuss nach der Sommerpause intensiver mit der deutschen Beteiligung am US-Drohnenkrieg befasst.

 Ex-BND-Chef Uhrlau: NSA-Selektoren waren seit 2008 kein Thema mehr

eye home zur Startseite
Clown 15. Jun 2015

Ah, im dem Fall: Eine passende Strafe wäre jetzt eine Rente, die der eines Bauarbeiters...

Mixermachine 14. Jun 2015

Man kann kaum ernsthaft annehmen, dass der Herr in solch großem Umfang mit Unwissenheit...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH, Schwieberdingen
  2. Landis+Gyr GmbH, Nürnberg
  3. Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut, EMI, Efringen-Kirchen
  4. WINGS - Wismar International Graduation Services GmbH, Wismar


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (-10%) 35,99€
  2. 8,49€
  3. 1,29€

Folgen Sie uns
       


  1. Signal Foundation

    Whatsapp-Gründer investiert 50 Millionen US-Dollar in Signal

  2. Astronomie

    Amateur beobachtet erstmals die Geburt einer Supernova

  3. Internet der Dinge

    Bosch will die totale Vernetzung

  4. Bad News

    Browsergame soll Mechanismen von Fake News erklären

  5. Facebook

    Denn sie wissen nicht, worin sie einwilligen

  6. Opensignal

    Deutschland soll auch beim LTE-Ausbau abgehängt sein

  7. IBM Spectrum NAS

    NAS-Software ist klein gehalten und leicht installierbar

  8. Ryzen V1000 und Epyc 3000

    AMD bringt Zen-Architektur für den Embedded-Markt

  9. Dragon Ball FighterZ im Test

    Kame-hame-ha!

  10. Für 4G und 5G

    Ericsson und Swisscom demonstrieren Network Slicing



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Sam's Journey im Test: Ein Kaufgrund für den C64
Sam's Journey im Test
Ein Kaufgrund für den C64
  1. THEC64 Mini C64-Emulator erscheint am 29. März in Deutschland
  2. Sam's Journey Neues Kaufspiel für C64 veröffentlicht

Star Trek Discovery: Die verflixte 13. Folge
Star Trek Discovery
Die verflixte 13. Folge
  1. Star Trek Bridge Crew Sternenflotte verlässt Holodeck

Materialforschung: Stanen - ein neues Wundermaterial?
Materialforschung
Stanen - ein neues Wundermaterial?
  1. Colorfab 3D-gedruckte Objekte erhalten neue Farbgestaltung
  2. Umwelt China baut 100-Meter-Turm für die Luftreinigung
  3. Crayfis Smartphones sollen kosmische Strahlung erfassen

  1. Re: Wie? So natürliche:

    Neuro-Chef | 02:24

  2. Re: ich bin für Klassisches

    Neuro-Chef | 01:53

  3. Good News

    Joker86 | 01:21

  4. Re: Kann ich nur bestätigen

    beaglow | 01:05

  5. Re: Die Praxis wird noch zunehmen

    User_x | 00:59


  1. 21:26

  2. 19:00

  3. 17:48

  4. 16:29

  5. 16:01

  6. 15:30

  7. 15:15

  8. 15:00


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel