Evil West im Test: Zwei Fäuste für ein Halleluja

Gemütlich in Richtung der untergehenden Sonne reiten - in Evil West gibt es das nicht, obwohl das Actionspiel von Flying Hog Wild(öffnet im neuen Fenster) im Wilden Westen angesiedelt ist. Allerdings wird der von blutrünstigen Vampiren und anderen Monstern überrannt und wir sollen als Supercowboy Jesse Rentier der bösen Brut Einhalt gebieten.
Das tun wir mit Pistole und Schießgewehr, viel wichtiger sind aber unsere beiden Fäuste. Die meisten Kämpfe finden auf kurze Distanz statt und wir schlagen die Bestien mit diversen Kombos zurück ins Jenseits.
Das Spiel ist sehr Arcade-mäßig in Szene gesetzt: Wir können die Gegner per Spezialkraft zu uns ziehen, sie per Blitzschlag lähmen oder sie mit einem Extraangriff erst hochschleudern und sie dann in Dynamitfallen schleudern.
Zwar bekommen wir auch Fernwaffen - neben Pistole und Gewehr unter anderem eine Schrotflinte. Aber fast immer sind unsere fliegenden Fäuste effektiver. Dazu kommt, dass die Areale oft nur klein oder mittelgroß sind, so dass wir sowieso meist direkt vor den Feinden stehen.
Munition zum Sammeln gibt es nicht, unsere Vorräte füllen sich nach einer gewissen Zeit wieder selbst auf, ebenso wie unsere Gesundheit. Allerdings bekommen wir zusätzliche Medizin von angeschlagenen oder abgeschossenen Feinden.
Auch sonst ist Evil West extrem unkompliziert: Wir folgen einem strikt vorgegebenen Weg, der nur ab und zu mal Umwege und Abstecher zu Schatzkisten mit einer Handvoll Dollar erlaubt. Die können wir im Rollenspielmenü in verbesserte Ausrüstung und zusätzliche Skills investieren.
Wir sind per Third-Person-Perspektive viel in gruftig-düsteren Höhlen, in Canyons und auf einem nebelverhangenen Bahnhof unterwegs. Reiten tun wir grundsätzlich nur in Zwischensequenzen.









Die Handlung dreht sich um die Invasion der Blutsauger sowie um Hauptfigur Jesse Rentier - der Papa des Helden hat unter anderem die elektrifizierten Faustkampf-Handschuhe erfunden. Besonders spannend finden wir die Story nicht, allerdings sind einige Zwischensequenzen mit düsterer Optik im Diablo-Stil sehenswert.
Das Spiel basiert auf der Unreal Engine. Grafisch macht es eine gute Figur: Animationen und vor allem Splattereffekte sind aufwendig, es gibt viel Abwechslung und schöne Umgebungen. Evil West wirkt ausgereift, Fehler sind uns nicht aufgefallen. Auf den neueren Konsolen gibt es die übliche Wahl zwischen einem Leistungs- und Qualitätsmodus.
Die rund 10 bis 15 Stunden lange Kampagne ist vor allem für Solospieler gedacht. Man darf aber auch zu zweit im Online-Koop antreten - ausprobieren konnten wir das nicht. Nach Angaben der Entwickler wird die Stärke der Gegner automatisch angepasst, Fortschritt macht nur der jeweilige Host.

Evil West erscheint am 22. November 2022 für Playstation 4 und 5, Xbox One und Series X/S (jeweils rund 60 Euro) sowie für Windows-PC (Steam, rund 50 Euro). Es gibt nur eine englische, relativ schwer verständliche Sprachausgabe. Die Untertitel sind gut übersetzt, aber etwas klein. Mikrotransaktionen sind nicht enthalten. Von der USK hat das Programm eine Freigabe ab 18 Jahre.
Fazit
Wer Cowboyfilme mag und auch in Zukunft noch von der großen Freiheit auf dem Rücken eines Pferdes träumen möchte, sollte einen großen Bogen um Evil West reiten. Das Actionspiel wirkt eher, als ob die Horden aus Diablo in den Wilden Westen eingefallen sind - wir finden das klasse!
Vor allem gefallen uns die wuchtigen Prügeleien, die wir uns als Jesse Rentier mit vielen und vor allem großen Monstern liefern. Das Kampfsystem ist schlicht eine Wucht: So spektakulär wie hier haben wir dank Spezialangriffen schon lange keine Riesenbiester mehr aus den Latschen gehauen.
Die Steuerung per Gamepad funktioniert hervorragend, immer wieder gibt es neue fordernde Optionen. Minimal schade finden wir nur den sehr großen Fokus auf den Nahkampf, während Pistolen und Schrotflinte relativ wenig bringen. Das ist aber nicht als Kritik gemeint, sondern einfach Geschmackssache.
Ähnliches gilt für das extrem lineare Umgebungsdesign: Evil West fühlt sich stellenweise fast wie ein Rail-Shooter an, so wenig gibt es links und rechts der Hauptwege zu entdecken. Das muss kein Nachteil sein, wenn man primär zuschlagen möchte. Und genau das macht hier richtig Spaß!



