Eve Online: "Auch der virtuelle Tod ist eine ernste Sache"

In künstlichen Welten wie Eve Online können moralische Systeme entstehen - findet Hilmar Veigar Pétursson, Chef von CCP Games. Golem.de hat mit ihm im Videointerview über Werte in Computerspielen, über Oculus Rift und die Zukunft von Eve Online gesprochen.

Artikel veröffentlicht am ,
Hilmar Veigar Pétursson, Chef von CCP Games
Hilmar Veigar Pétursson, Chef von CCP Games (Bild: Golem.de)

Natürlich war Hilmar Veigar Pétursson nach dem Start von Eve Online im Jahr 2003 selbst exzessiv im Universum des MMORPGs unterwegs. Eines Nachts erlebte er mit dem Account eines Freundes ein Desaster: Während eines Abstechers ins Echtweltbadezimmer wurde dessen virtuelles Raumschiff zerstört. "Ich hatte ein unglaublich schlechtes Gewissen", erzählt Pétursson auf der Quo Vadis 2014 in Berlin.

Als Entwickler hätte er das Schiff in jener Nacht natürlich mit ein paar Cheats schnell wieder herbeizaubern können. Er sei auch schon dabei gewesen, "aber da habe ich mich dann wirklich ganz mies gefühlt", sagt Pétursson. Statt zu tricksen, habe er bis in den frühen Morgen nach Ressourcen für ein neues Schiff gesucht.

Das zerstörte Raumschiff beschäftigt den CCP-Chef noch heute. Er ist der Meinung: Wenn in einem MMORPG jemand mit viel Mühe Sachen herstellt, dann können die noch so virtuell sein, es stecken trotzdem mühsam geschaffene, echte Werte dahinter, die eben auch zerstört und sogar vollständig ausgelöscht werden können. Der "Tod ist eine ernste Sache", auch in Eve Online, sagt Hilmar Pétursson.

Ein echtes Schiff mit Werten

In seinem Vortrag auf der Quo Vadis geht Pétursson sehr ausführlich darauf ein, welche Bedeutung Werte und Moral in einem Spiel wie Eve Online haben können. Wenn man einmal den gedanklichen Schritt gegangen sei, so etwas wie ein Raumschiff im Spiel als einen "realen" Gegenstand anzuerkennen, würde daraus ganz automatisch sehr viel folgen.

Auch ein großer Teil der Maslowschen Bedürfnispyramide lasse sich im virtuellen Universum anwenden, von den ganz grundlegenden physiologischen Bedürfnissen, den Ressourcen über Sicherheit bis zur Spitze, also "Selbstverwirklichung". Das sei etwa dann der Fall, wenn ein Spieler sich entschließt, die Rolle eines Erzbösewichts einzunehmen - was es in Eve Online schon mehrfach gab. Dort wurden die Schurken zum Teil zu Berühmtheiten in der weltweiten Community.

Fünf Planeten gebraucht

Pétursson erzählt, dass er und sein Team diese Moral in Eve Online sehr bewusst förderten. So gibt es für die ganz großen, systemweiten Schlachten inzwischen virtuelle Denkmäler im All; sogar ein echtes soll demnächst beim Firmensitz im isländischen Reykjavik enthüllt werden.

Für Pétursson ist es erkennbar mehr als nur Spielerei, wenn menschliche Emotionen und Werte auch in virtuellen Welten funktionieren. "Wenn jeder Mensch so viel wie die US-Amerikaner konsumieren würde, bräuchten wir die Ressourcen von fünf Planeten", zitiert er eine kürzlich von der Organisation Global Footprint Network veröffentlichte Studie. Pétursson findet, wir könnten zumindest einen Teil davon ins Virtuelle verlagern - "und die echte Welt in Ruhe lassen."

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Cyber1999 12. Apr 2014

Jepp, sowas wird dann gerne mal in einer KM geparkt :-)

kiu112 12. Apr 2014

Gerne. Ich wuerde allerdings noch etwas viel wichtigeres machen. Deinen Character...

caso 12. Apr 2014

Danke

Scorcher24 11. Apr 2014

https://www.youtube.com/watch?v=VXYu5oUc0p4 Erzählt vom CEO und Entwicklern.



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