Eutelsat Quantum: Softwaredefinierter Satellit sucht immer noch nach Kunden

Er ist so flexibel wie ein Starlink-Satellit. Aber ein Jahr nach dem Start ist der neueste Satellit von Eutelsat immer noch nicht ausgebucht.

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Die Sender des Satelliten Eutelsat Quantum sind besonders flexibel.
Die Sender des Satelliten Eutelsat Quantum sind besonders flexibel. (Bild: Eutelsat)

Als das Konzept des Eutelsat Quantum Satelliten im Jahr 2011 erstmals vorgestellt wurde, galt seine Antenne als Traumnutzlast für Geostationäre Satelliten: Die Antennenkonfiguration sollte jederzeit im Orbit per Software verändert werden und mit digitalem Beamforming beliebige Teil der Erdorberfläche mit Signalen versorgt werden können. Außerdem sollen Frequenzen und Senderstärken verändert werden können. 2021 wurde Quantum gestartet. Ein Jahr später gibt es nun Kunden für 6 der 8 Transmitter an Bord.

Die Flexibilität ist keine Selbstverständlichkeit bei großen geostationären Satelliten, deren Hardwarekonfiguration sonst fast komplett bei Start vorgegeben ist. Jede Flexibilität muss von vornherein im Satellit eingebaut sein, was Geld und Gewicht kostet und trotzdem keine beliebige Änderung der Form der vom Signal abgedeckten Fläche möglich macht. Eine ungeplante Positionsverschiebung des Satelliten im Orbit ist damit kaum möglich, um etwa auf den Ausfall eines anderen Satelliten zu reagieren.

Die Transmitter von Eutelsat Quantum können dagegen je nach Konfiguration große Regionen wie den gesamten Mittelmeerraum abdecken oder einen Beam auf eine Fläche von nur wenigen hundert Kilometern konzentrieren und diese Flächen in Sekundenbruchteilen wechseln, um etwa auf dem Ozean mehrere Schiffe und Flugzeuge verfolgen und mit Internet versorgen zu können.

Schleppender Verkauf trotz ungekannter Flexibilität

Trotz aller Flexibilität verläuft der Verkauf der Kapazität schleppend. Erst in den nächsten Monaten wird erwartet, dass Kunden für die restlichen beiden Transmitter gefunden werden. Ein Grund dafür ist der verspätete Start, der ursprünglich 2019 stattfinden sollte. Damals war ein Versorger für das US-Militär wichtigster Kunde für einen Großteil der Kapazität. Aber mit dem Rückzug der Amerikaner aus Afghanistan ging die Nachfrage nach flexibler Bandbreite zurück und die noch viel flexiblere und schnellere Starlink-Konstellation stellt inzwischen eine starke Konkurrenz dar.

Das ist ein ernsthaftes Problem für Eutelsat, deren Geschäft wegen Verzögerungen im Bau und Start neuer Satelliten wie Konnect VHTS und Eutelsat 10B schrumpft. Mitschuld trägt auch die fehlende Flexibilität der übergroßen Ariane 5, die mit zwei Satelliten starten muss, um wirtschaftlich zu sein. Chipkrise und Covid-19 Pandemie machen nicht nur den Bau von Satelliten an sich schwieriger, sondern auch Mitfluggelegenheiten seltener. Die Ariane 6 könnte aushelfen, diese ist inzwischen aber ihrerseits um drei Jahre verspätet.

Starlink war schneller und besser

Durch solche Verzögerungen verlieren technische Innovationen wie Eutelsat Quantum ihre Alleinstellungsmerkmale und damit an Wert. Letztlich realisiert der Satellit im geostationären Orbit nur das, was tausende Starlink Satelliten im niedrigen Erdorbit jederzeit tun müssen, um überhaupt nutzbar zu sein. Sie müssen ständig die Abstrahlcharakteristik ihrer Phased-Array-Antennen ändern, um beim Überflug einen bestimmten Ort am Boden mit Signalen zu versorgen, und dann schnell zum nächsten Ziel umschalten.

Die Vorteile von Satellitenkonstellationen im niedrigen Orbit erkennt auch Eutelsat an und gab deshalb im Juli bekannt, Anfang 2023 mit dem Konstellationsbetreiber Oneweb fusionieren zu wollen. Der Konzern könnte dann zusammen mit der höheren Bandbreite der geostationären Satelliten ebenso schnelle Internetverbindungen mit geringer Latenz anbieten. Flexible Satelliten nach dem Muster von Eutelsat Quantum wären für deren Unterstützung dringend nötig. Ob es reicht, um Eutelsat nach Jahren zurückgehender Geschäftserwartungen wieder zu langfristigem Wachstum zu verhelfen, bleibt abzuwarten.

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