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Europol greift durch: Polizei zerschlägt großen Cybercrime-SIM-Kartendienst

Hunderttausende SIM-Karten haben Cyberkriminellen für verschiedene Arten des Onlinebetrugs in Europa gedient. Doch damit ist jetzt Schluss.
/ Marc Stöckel
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Strafverfolger haben unzählige SIM-Karten beschlagnahmt. (Bild: pixabay.com / PublicDomainPictures)
Strafverfolger haben unzählige SIM-Karten beschlagnahmt. Bild: pixabay.com / PublicDomainPictures

Strafverfolgern aus Österreich, Estland, Finnland und Lettland ist es zusammen mit Europol und Eurojust gelungen, einen großen SIM-Kartendienst für Cyberkriminelle zu zerschlagen. Laut Europols Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster) haben die Einsatzkräfte im Rahmen eines Aktionstages sieben Tatverdächtige verhaftet und deren Ausrüstung beschlagnahmt – darunter Hunderttausende von SIM-Karten.

Der besagte Aktionstag fand laut Europol am 10. Oktober 2025 statt und stand mit einer Operation namens Simcartel in Verbindung. Den Angaben zufolge wurden bei insgesamt 26 Durchsuchungen vier Luxusfahrzeuge, fünf Server und 1.200 SIM-Boxen mit 40.000 aktiven SIM-Karten beschlagnahmt – ebenso wie "Hunderttausende weitere SIM-Karten" .

Darüber hinaus konnten die Strafverfolger zwei mit dem SIM-Kartendienst verbundene Domains (gogetsms.com und apisim.com) übernehmen und Geldreserven im Wert von mehreren Hunderttausend Euro einfrieren – davon 431.000 Euro auf den Bankkonten der Verdächtigen sowie 333.000 US-Dollar (etwa 285.000 Euro) in Form von Kryptowährungen.

Millionen von Onlinekonten für Betrug

Den Angaben zufolge bot der zerschlagene Dienst seine Infrastruktur mit SIM-Karten aus fast 80 Ländern zur Durchführung krimineller Aktivitäten an. Über die registrierten Rufnummern konnten Cyberkriminelle etwa SMS-Phishing betreiben oder gefälschte Onlinekonten anlegen, um ihre Identität sowie ihren realen Standort zu verschleiern. Mehr als 49 Millionen Accounts sollen auf diesem Wege erstellt worden sein.

Den Angreifern wurden dadurch weitreichende Möglichkeiten eröffnet. Die Folge waren etwa Betrugsaktivitäten auf Online-Marktplätzen und Whatsapp . Teilweise sollen Betrüger die gemieteten Rufnummern auch bei den Impressumsangaben von Fake-Shops hinterlegt oder dafür missbraucht haben, ihre Opfer zu betrügerischen Investitionen zu verleiten.

Laut Europol wird das genaue Ausmaß dieser Aktivitäten noch untersucht. Opfern aus ganz Europa sollen durch den Sim-Kartendienst Schäden in Höhe von mehreren Millionen Euro entstanden sein. In Lettland habe man etwa 1.500 Fälle von Cyberbetrug registriert, in Österreich sogar 1.700, heißt es. Die lettische Polizei gewährt in einem Videoclip auf Youtube(öffnet im neuen Fenster) ein paar Einblicke in die durchsuchten Räumlichkeiten mit der beschlagnahmten Infrastruktur.


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