European Chips Act 2.0: Europa bekommt eigene Halbleiter-Designplattform
Die Europäische Kommission hat ihre Pläne für die Chips for Europe Initiative 2.0 bekannt gegeben, kurz als European Chips Act 2.0 bezeichnet. Neben vielem Erwartbaren findet sich im Anhang (PDF)(öffnet im neuen Fenster) eine Überraschung: Aktuell befindet sich bereits eine europäische Cloudplattform für Entwurf, Prototyping und Fertigung von Halbleitern im Aufbau. Gespräche, unter anderem mit Anbietern von EDA-Software (Electronic Design Automation) und IP-Cores (Intellectual Property), laufen bereits seit Mai 2026.
Die Plattform soll insbesondere Start-ups sowie kleinen und mittleren Unternehmen (SME, Small and Medium Enterprises) den Einstieg in die Halbleiterentwicklung vereinfachen. Die EU-Kommission erhofft sich dadurch mehr Fabless-Chipentwickler in der EU.
Die Cloudplattform soll dabei Hürden wie die teure EDA-Software sowie die Herausforderungen beim Zugriff auf die PDKs (Process Design Kits) der Auftragsfertiger aus dem Weg räumen. Die im Aufbau befindliche Plattform soll teils auf Open-Source-EDA setzen.
Bei den PDKs sollen insbesondere jene von im Rahmen des ersten European Chips Act aufgebauten Pilotlinien integriert werden. Aber auch Fertigungsprozesse der wichtigsten in Europa ansässigen kommerziellen Anbieter sollen integriert werden. Letzteres hängt aber von der Zustimmung der jeweiligen Unternehmen ab. Neben klassischen Logikhalbleitern sollen etwa auch IP-Cores für Silicon Photonics und Quantenprozessoren verfügbar gemacht werden.
Betriebsbereit bis Ende 2026
Aktuell laufen noch Verhandlungen mit den großen Anbietern von EDA-Software. Ein Betreiber für die Cloudinfrastruktur und deren Aufbau wurde laut EU-Kommission aber bereits ausgewählt.
Den Plänen zufolge soll der Dienst bis Ende 2026 nutzbar sein. Danach soll die Plattform kontinuierlich weiter ausgebaut werden. So sollen etwa neue IP-Cores und PDKs ergänzt werden. Neben Unternehmen können auch Forscher und Universitäten die Plattform nutzen, etwa für die Lehre.
Zusätzlich zu der Cloudplattform will die EU-Kommission neue Fördermöglichkeiten schaffen. Geld können SMEs und Start-ups bekommen, welche die Plattform nutzen. Auch die Entwicklung von Open-Source-EDA-Tools sowie das Programm Europractice sollen gefördert werden. Über Letzteres können Universitäten EDA-Tools für Ausbildungszwecke vergünstigt erhalten und bekommen einfachen Zugriff auf Fertigungsdienstleistungen.
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