European Business Wallet: EU-Firmen sollen digitale Identität erhalten

Mithilfe einer digitalen Identität will die EU die Kommunikation und die Geschäftsprozesse von Firmen erleichtern. Mit der European Business Wallet (EUBW) sollen Unternehmen "Vorgänge und Interaktionen digitalisieren können, die derzeit in vielen Fällen noch persönlich durchgeführt werden müssen" , teilte die EU-Kommission am 19. November 2025 mit(öffnet im neuen Fenster) . Unternehmen könnten unter anderem "Dokumente digital signieren, mit Zeitstempel versehen und versiegeln" .
Der Entwurf einer neuen Verordnung(öffnet im neuen Fenster) (PDF) sieht dazu die Einrichtung einer europäischen geschäftlichen Brieftasche vor. Diese basiert auf den Plänen zur elektronischen Bürger-ID, wie sie in der eIDAS-Verordnung (eIDAS 2.0) geregelt ist .
Der Mitteilung zufolge sollen Unternehmen die Business Wallet auch für das sichere Erstellen, Speichern und Austauschen verifizierter Dokumente nutzen können. Darüber hinaus sollen die Firmen sicher mit anderen Unternehmen oder öffentlichen Verwaltungen in ihrem eigenen Land und den anderen 26 Mitgliedstaaten kommunizieren können.
Hohe Ausgaben für größere Firmen
"Die Ausweitung eines Unternehmens in anderen Mitgliedstaaten, die Zahlung von Steuern und die Kommunikation mit Behörden werden in der EU einfacher als je zuvor sein" , heißt es weiter. Unter der Annahme, dass die Business Wallet breit akzeptiert werde, seien jährlich Einsparungen von bis zu 150 Milliarden Euro für Unternehmen möglich. Schon im zweiten Jahr seien Einsparungen von bis zu 200 Milliarden Euro möglich, einschließlich des öffentlichen Sektors.
Die Implementierung einer solchen Lösung ist für größere Firmen jedoch deutlich aufwendiger als bei Einzelpersonen und Kleinstunternehmen. "Für Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern erfordert die Implementierung der EUBW eine intensive Zusammenarbeit mit dem ausgewählten Wallet-Anbieter. Dies umfasst die Installation und Konfiguration von Desktop- und mobilen Anwendungen, die Systemanpassung, die mögliche Integration der Wallet in bestehende ERP-, CRM- und andere IT-Systeme und -Tools, Datenmanagement und -governance, die Kontoerstellung und Zugriffsverwaltung sowie Schulungen und das Onboarding der zukünftigen Wallet-Nutzer" , heißt es einer Erläuterung(öffnet im neuen Fenster) (PDF).
Die Kommission geht von einmaligen Kosten in Höhe von 180.000 Euro und jährlichen Kosten in Höhe von 50.000 Euro aus. Dem stünden jährliche Einsparungen in Höhe von 97.000 Euro gegenüber, heißt es. Bei kleineren Firmen lägen die jährlichen Kosten bei 5.000 Euro, die Einsparungen summierten sich jedoch auf 42.250 Euro.
In einer europaweiten Befragung wurden zudem Bedenken bezüglich der Cybersicherheit geäußert. "Insbesondere wurden die Risiken eines zentralisierten Implementierungsmodells anstelle verteilter Netzwerke und Infrastrukturen bemängelt" , erklärte die EU-Kommission. Insgesamt herrsche Einigkeit darüber, "dass eine robuste Sicherheitsarchitektur erforderlich ist, um Missbrauch, Sicherheitslücken oder unbefugten Zugriff auf sensible Zugangsdaten und Daten zu verhindern" .
In einem Anhang zum Vorschlag(öffnet im neuen Fenster) (PDF) listet die Kommission "Anforderungen an Mindestfunktionalitäten und technische Voraussetzungen" für die EUBW auf. Demnach muss das Backend "mindestens eine sichere kryptografische Wallet-Anwendung und ein sicheres kryptografisches Wallet-Gerät zur Verwaltung kritischer Assets verwenden" .
Das Europaparlament und die EU-Mitgliedstaaten müssen dem Vorschlag noch zustimmen. Die Regelungen sollen ein Jahr nach Inkrafttreten der Verordnung zur Anwendung gelangen.



