Europäische Lieferkette: Chemie-Zulieferer folgen den Chipherstellern nach Europa

Lieferanten der Halbleiterindustrie in Taiwan haben laut Financial Times(öffnet im neuen Fenster) Pläne bekanntgegeben, in Europa aktiv zu werden. Nachdem die EU sowie die Regierungen der Mitgliedsstaaten beschlossen hatten, sich unabhängiger von asiatischen Lieferketten zu machen, folgen den großen Chipherstellern nun auch die für die Produktion wichtigen Firmen nach Europa.
"Wir planen Investitionen in Deutschland" , sagte Vincent Liu, Vorstandsvorsitzender und CEO der LCY-Gruppe, einem Lieferanten von Reinigungschemikalien und Lösungsmitteln für TSMC, dem weltweit größten Auftragshersteller (Foundry) für Halbleiterprodukte. Weitere Konzerne aus der Chemieindustrie haben laut Financial Times ebenfalls Interesse an Investitionen in Europa signalisiert.
Laut Liu sind die Lieferketten in Europa nicht auf dem für aktuelle Chipherstellung notwendigen Niveau. In Deutschland aktive Hersteller wie Infineon sollen auf Jahrzehnte alte Chemikalien setzen und sich nicht bewusst sein, wie viel neuere Produkte bei der Ausbeute helfen würden. Die Prozesse der europäischen Hersteller seien ineffizient und die Lieferketten verkümmert, sagte Liu der Zeitung.
Zulieferer aus Europa sind momentan im Rückstand
Die Chiphersteller selbst sind bereits in den Vorbereitungen für den Bau ihrer Fabriken in Europa. Intel will bei Magdeburg zwei Halbleiterfabriken mit einem Investment von 30 Milliarden US-Dollar bauen. TSMC baut im Rahmen des ESMC genannten Joint Ventures mit Bosch, Infineon und NXP eine Fabrik in Dresden. Globalfoundries und ST planen außerdem eine Chipfabrik in Frankreich für 5,7 Milliarden Euro.
Laut TSMCs CEO Mark Liu hat die deutsche Regierung jedoch nicht nur große Subventionen für die Chipfabriken selbst zugesagt, sondern auch Unterstützung beim Aufbau der notwendigen Zulieferer zugesagt. Die Halbleiterhersteller benötigen unter anderem hochreine Schwefelsäure und Isopropylalkohol, die es zurzeit in der benötigten Qualität in Europa nicht in ausreichenden Mengen gibt.
Neben Lieferanten aus Taiwan dürften aber auch deutsche Lieferanten von der steigenden Nachfrage profitieren und die Gelegenheit für Investitionen und neue Angebote nutzen. Der führende europäische Lieferant für Isopropylalkohol, Ineos(öffnet im neuen Fenster) , investiert laut eigenen Angaben fortlaufend in seine beiden Werke in Herne und Moers, um den aktuellen und zukünftigen Bedürfnissen der Industrie gerecht zu werden.



