Finanzierung der KI-Rechenzentren noch offen
Der Kommissionsbeamtin zufolge ist das Interesse am Aufbau solcher Rechenzentren sehr groß. So habe die Kommission bei ihrem ersten Aufruf zur Gigafabrik-Initiative nur mit zwölf Interessenten gerechnet, aber am Ende 76 Interessenbekundungen erhalten(öffnet im neuen Fenster).
Geplant seien vier bis fünf Rechenzentren mit Leistungen im Gigawatt-Bereich, die in verschiedenen EU-Ländern entstehen sollen. "Es muss strategische Zentren geben, die dann für alle zugänglich sind", sagte die Beamtin. Deutschland sei "gut aufgestellt".
Das Problem an den Plänen: Der mehrjährige Finanzrahmen (Multiannual Financial Framework, MFF) der EU läuft im Jahr 2027 aus, so dass die Finanzierung unklar ist. Aus dem laufenden MFF wurden beispielsweise die neuen Supercomputer in Jülich finanziert.
Ebenso wie bei Euro HPC, dem Programm für Supercomputer, handelte es sich auch bei den Giga-Rechenzentren um eine gemeinsame Beschaffung (Joint Procurement) mit den Mitgliedstaaten. Daher müsse es eine Finanzierungssicherheit auf beiden Seiten geben.
Möglich sei daher, dass nur die Startphase aus dem laufenden MFF finanziert werde und der Rest dann aus dem nächsten Haushalt von 2028 bis 2034(öffnet im neuen Fenster) komme. Dabei setzt die Kommission auf den Europäischen Wettbewerbs-Fond(öffnet im neuen Fenster), der im Juli 2025 vorgestellt wurde. Also warnte die Beamtin: "Das kann nicht mal eben so aus der Hüfte geschossen sein. Das muss wirklich durchdekliniert sein."
KI-Anwendungen genauso wichtig
Allerdings sei es "zu kurz gegriffen", wenn die Zukunft Europas von den Gigafabriken abhängig gemacht werde. Genauso erforderlich seien entsprechende datengetriebene KI-Anwendungen, um die Rechenkapazitäten nutzen zu können. Die Beamtin verwies auf die sogenannte Apply-AI-Strategie der Kommission(öffnet im neuen Fenster), die im März 2026 vorgestellt wurde. Nach dem Motto: "In welchen Industriesektoren kann KI den nächsten Sprung für Europas Wettbewerbsfähigkeit bedeuten?"
Der Fokus liege nicht auf der Entwicklung von eigenen großen Sprachmodellen (LLMs). "Ich glaube nicht an ein europäisches ChatGPT, darum geht es auch gar nicht. Aber es geht um spezifische Language-Models auf unseren Daten, die genutzt werden können für die spezifischen Industriesektoren", sagte die Beamtin und verwies auf die Bereiche Energie und Gesundheit, in denen es "tolle Unternehmen" gebe.
KI-Anwendungen sollen Bezug zu Bürgern haben
Allerdings wächst nicht nur in den USA der Widerstand gegen den Bau von immer mehr und immer größeren Rechenzentren, sondern auch in Europa. Bürger stören sich an dem hohen Strombedarf, der den Bau neuer Kraftwerke erfordert und eine teilweise kaum nutzbare Abwärme erzeugt. Zudem generieren die Rechenzentren nur wenig dauerhafte Arbeitsplätze in der direkten Umgebung.
Die EU-Kommission setzt unter anderem darauf, dass die Rechenzentren im Vergleich zu anderen Weltregionen in der EU besonders effizient sein müssten. Zudem sollte den Bürgern klargemacht werden, dass die KI-Anwendungen einen Bezug zur Region haben.
"Wir haben hier eine KI-Fabrik. Dort werden Modelle entwickelt, die dann von der Agrarwirtschaft genutzt werden können. Und da brauchen wir auch Datenzentren. Dann hat es Sinn", sagte die Beamtin.
Es gehe nicht darum, Rechenzentren der Rechenzentren wegen zu bauen: "Es geht alles um die Übersetzung in konkrete Geschichten. Demand-driven. Das muss man zeigen."Dann könne man der Bevölkerung erklären, warum das sinnvoll sei und warum es nicht nur um eine Konzession an die US-Firmen gehe, die das nicht mehr bei sich machen könnten.
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