Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Euipo: Deutschland liegt bei illegalen Filmkopien hinten

Die Nutzung illegaler Kopien nimmt wieder zu. Deutschland liegt in der EU an letzter Stelle. Doch das war nicht immer so.
/ Achim Sawall
113 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Aufschlüsselung nach Inhaltstyp in jedem Land für 2022 (Bild: EUIPO)
Aufschlüsselung nach Inhaltstyp in jedem Land für 2022 Bild: EUIPO

Die Nutzung illegaler Kopien hat im Jahr 2022 leicht um 3,3 Prozent zugenommen. Das geht aus einer Studie hervor, die das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (Euipo) am 19. September 2023 veröffentlicht hat(öffnet im neuen Fenster) .

Zuvor gab es bis 2021 einen jährlichen Rückgang. Deutschland lag im Jahr 2022 hinter Italien und Polen auf dem letzten Platz, die vier Länder mit den höchsten Raten sind Estland, Lettland, Litauen und Zypern. Im Jahr 2017 war die Nutzung illegaler Medienkopien in Deutschland noch weit verbreitet.

"Der kürzliche Anstieg ist in erster Linie auf die Zunahme der Fernsehpiraterie zurückzuführen, die 2022 48 Prozent aller Inhaltsarten zusammen (Fernsehen, Filme, Musik, Software und Veröffentlichungen) ausmachte" , erklärten die Verfasser der Studie. Die Trendänderung sei ab Ende 2021 erfolgt.

Mehr Sportübertragungen über illegale Kanäle

Die Entwicklung der Zugriffe auf illegal bereitgestellte Live-Sportveranstaltungen für die Jahre 2021 und 2022 zeigt einen Aufwärtstrend, der Ende 2022 bei etwa 0,7 Zugriffen pro Internetnutzer pro Monat lag, ein Anstieg von etwa 75 Prozent.

Die Zugriffe über Desktopgeräte überholten seit Mitte 2020 wieder die Nutzung über mobile Geräte. Auf 58 Prozent der illegal vervielfältigten Inhalte wird per Streaming und auf 32 Prozent über Download zugegriffen. Viele dieser Nutzer scheinen laut Studie gewohnheitsmäßig aktiv zu sein, da der Zugriff hauptsächlich direkt über die entsprechenden Webseite erfolgt. Nur ein Viertel der Zugriffe kommt über Suchmaschinen.

Die deutlichste Auswirkung der Coronapandemie zeigte sich bei der Nutzung illegal kopierter Filme, die im zweiten Quartal 2020 deutlich zurückging. Der Rückgang schwächte sich dann bis Ende 2020 wieder ab und die Nutzung stabilisierte sich nach einer gewissen Zunahme im Jahr 2022.

Fernsehinhalte sind in der EU die häufigste Art illegaler Kopien, auf die fast die Hälfte der Internetzugriffe entfällt. Nach dem Anstieg im Jahr 2021 scheint Ende 2022 ein Plateau erreicht worden zu sein. In mehr als 95 Prozent der Fälle erfolgte der Zugriff auf die Fernsehinhalte über Streaming. Die durchschnittliche Anzahl der Zugriffe auf illegal kopierte Fernsehinhalte in der EU-27 beträgt etwa 5 pro Internetnutzer und Monat.

Die Nutzung illegaler Kopien im Bereich Filme nahm 2022 im Vergleich zu 2021 um 17 Prozent zu und scheint sich laut Euipo auf diesem Niveau einzupendeln. Der Durchschnitt für die EU-27 liegt bei etwa 1,1 Zugriffen pro Internetnutzer pro Monat. Streaming ist auch hier die wichtigste Zugriffsmethode.

Der Trend für illegale Kopien im Bereich Musik ist seit 2017 weiter rückläufig. Illegale Veröffentlichungen stellen nach dem Fernsehen die zweithäufigste Art illegal kopierter Inhalte dar: Hier ist mit derzeit 2,7 Zugriffen pro Internetnutzer/Monat ein Anstieg zu beobachten.

Mangas sind das wichtigste Genre, auf das fast 60 Prozent der Zugriffe entfallen. Die zweitwichtigsten sind Audio- und E-Books.

Die Daten für die Studie stammen aus der Messung des Datenverkehrs auf Webseiten der Szene, die von dem britischen Unternehmen Muso stammen. Ergänzende Daten stammen aus offiziellen Datenbanken wie Eurostat und aus den Studien des Euipo.


Relevante Themen