Abo
  • Services:
Anzeige
Der EuGH in Luxemburg
Der EuGH in Luxemburg (Bild: Cédric Puisney, Flickr.com/CC-BY 2.0)

EuGH: Ministerien dürfen IP-Adressen speichern

Der EuGH in Luxemburg
Der EuGH in Luxemburg (Bild: Cédric Puisney, Flickr.com/CC-BY 2.0)

Niederlage für den Piraten-Politiker Patrick Breyer: Laut EuGH können IP-Adressen zwar personenbezogene Daten sein. Website-Betreiber dürfen sie dennoch aufbewahren.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat eine Frage beantwortet, die Juristen seit Jahren umtreibt: Sind dynamische IP-Adressen, also solche, die sich bei jedem neuen Verbindungsaufbau zum Internet ändern, personenbezogene Daten? Ja, sagen die Richter, auch mit wechselnden IP-Adressen lassen sich Nutzer identifizieren, also sind es personenbezogene Daten.

Anzeige

Mit einer wichtigen Einschränkung: Für den Betreiber einer Website stellen Ziffernfolgen wie 194.77.157.241 nur dann ein personenbezogenes Datum dar, "wenn er über rechtliche Mittel verfügt", Informationen über den Anschlussinhaber hinter der IP-Adresse vom Provider einzuholen.

In Deutschland gebe es solche rechtlichen Mittel, heißt es in der (Pressemitteilung des Gerichtshofs), "die es dem Anbieter von Online-Mediendiensten erlauben, sich insbesondere im Fall von Cyberattacken an die zuständige Behörde zu wenden, um die fraglichen Informationen vom Internetzugangsanbieter zu erlangen und anschließend die Strafverfolgung einzuleiten".

Angst vor staatlichen Nutzerprofilen

Nun sind personenbezogene Daten nach Paragraf 15 des deutschen Telemediengesetzes (TMG) besonders geschützt, sie dürfen nur zu Abrechnungszwecken gespeichert werden, und um die konkrete, gerade laufende Nutzung eines Onlinedienstes sicherzustellen.

Die Richter des EuGH erkennen hier eine Kollision mit dem EU-Recht, nämlich mit der EU-Richtlinie 95/46, die noch bis 2018 gültig ist. Demnach kann es im "berechtigten Interesse" eines Betreibers liegen, "die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit" auch über die jeweilige Session des Nutzers hinaus zu gewährleisten, also dauerhaft. Zu diesem Zweck dürfe ein Betreiber personenbezogene Daten erheben und verarbeiten. Dieses berechtigte Interesse hätten insbesondere die Betreiber der Websites des Bundes, also zum Beispiel die von Ministerien, es sei aber abzuwägen gegen das Interesse oder die Grundrechte der Internetnutzer. Diese Abwägung fehle jedoch im TMG.

Das Urteil (hier im deutschen Volltext) bedeutet daher eine Niederlage für den Fraktionsvorsitzenden der schleswig-holsteinischen Piratenpartei, Patrick Breyer. Dessen Klage richtete sich gegen die Bundesrepublik Deutschland, weil mehrere Bundesministerien und -behörden ungefragt und monatelang seine IP-Adresse gespeichert hatten, wenn er ihre Websites aufrief. Breyer betrachtet das als ungerechtfertigten Eingriff in sein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung und als Verstoß gegen das TMG. Er fürchtet, der Staat könne damit Nutzerprofile anlegen, etwa wenn sie sich auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums über illegale Drogen informieren.

Mehr als acht Jahre dauert der Weg des Piraten-Politikers durch die Instanzen schon. "Es muss aufhören, dass Behörden und Konzerne unser Internetnutzungsverhalten verfolgen und aufzeichnen", schreibt er auf seiner Website, "das grenzt an Stalking. Was ich lese, schreibe und wonach ich suche, spiegelt meine privatesten und intimsten Interessen, Überzeugungen, Vorlieben und Schwächen wider und geht niemanden etwas an."

Braucht man IP-Adressen zum Schutz vor Hackerangriffen?

Das Recht, ihre Nutzer zu "verfolgen", hat der EuGH den Betreibern von Websites mit seinem Urteil nicht zugestanden. Die Richter haben zunächst nur das generelle Verbot im TMG gekippt, IP-Adressen längerfristig zu speichern, weil sie der Ansicht sind, die Daten könnten bei der Abwehr von Hackerangriffen helfen.

Ob das stimmt, ist umstritten. Ein Gutachter hatte in der zweiten Instanz geschrieben, die Speicherung von IP-Adressen aus Gründen der IT-Sicherheit sei nicht zwingend erforderlich, es gebe bessere Methoden, Angriffe abzuwehren oder zu verhindern.

Über den konkreten Fall, also ob die deutschen Ministerien ein berechtigtes Interesse an der IP-Adressen-Speicherung haben und ob es die Interessen der Nutzer überwiegt, muss der Bundesgerichtshof entscheiden, der den EuGH angerufen hatte. Er findet im EuGH-Urteil aber eine ziemlich unmissverständliche Empfehlung vor. Bis der BGH sein Urteil fällt, wird die Speicherung weitergehen, und wenn er dem EuGH folgt, auch danach.

Breyer hingegen fordert nun eine TMG-ähnliche Regelung auch im EU-Recht, die dann doch ein Verbot der IP-Adressen-Speicherung beinhaltet.


eye home zur Startseite
phade 21. Okt 2016

Interressant wirds, wenn die ermittelnden Behörden uns als Provider dann mal wieder...

phade 20. Okt 2016

... wenn jetzt ein gehackter Desktoprechner mit einem hässlichen Tool auf meine Server...

deadeye 20. Okt 2016

in /var/log/ wirst du an mehreren Stellen in den Logs IP-Adressen finden. Ich halte mich...

Mavy 20. Okt 2016

Ich muss ganz ehrlich sagen dass ich das Problem und die Verantwortung nicht bei den...

Teebecher 19. Okt 2016

Ich sehe da ja gar kein Problem, sonst hätte ich es ja nicht so. Die static kostet mich...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Zentrum Bayern Familie und Soziales, München, Bayreuth
  2. DEKRA SE, Stuttgart
  3. Dürr Systems AG, Bietigheim-Bissingen
  4. AKDB Anstalt für kommunale Datenverarbeitung in Bayern, München


Anzeige
Top-Angebote
  1. (50% Rabatt!)
  2. 219,00€ (Bestpreis!)
  3. (u. a. Gear VR 66,00€, Gear S3 277,00€)

Folgen Sie uns
       


  1. Komplett-PC

    In Nvidias Battleboxen steckt AMDs Ryzen

  2. Internet

    Cloudflare macht IPv6 parallel zu IPv4 jetzt Pflicht

  3. Square Enix

    Neustart für das Final Fantasy 7 Remake

  4. Agesa 1006

    Ryzen unterstützt DDR4-4000

  5. Telekom Austria

    Nokia erreicht 850 MBit/s im LTE-Netz

  6. Star Trek Bridge Crew im Test

    Festgetackert im Holodeck

  7. Quantenalgorithmen

    "Morgen könnte ein Physiker die Quantenmechanik widerlegen"

  8. Astra

    ZDF bleibt bis zum Jahr 2020 per Satellit in SD verfügbar

  9. Kubic

    Opensuse startet Projekt für Container-Plattform

  10. Frühstart

    Kabelnetzbetreiber findet keine Modems für Docsis 3.1



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Calliope Mini im Test: Neuland lernt programmieren
Calliope Mini im Test
Neuland lernt programmieren
  1. Arduino Cinque RISC-V-Prozessor und ESP32 auf einem Board vereint
  2. MKRFOX1200 Neues Arduino-Board erscheint mit kostenlosem Datentarif
  3. Creoqode 2048 Tragbare Spielekonsole zum Basteln erhältlich

Tado im Langzeittest: Am Ende der Heizperiode
Tado im Langzeittest
Am Ende der Heizperiode
  1. Wemo Belkin erweitert Smart-Home-System um Homekit-Bridge
  2. Speedport Smart Telekom bringt Smart-Home-Funktionen auf den Speedport
  3. Tapdo Das Smart Home mit Fingerabdrücken steuern

Blackberry Keyone im Test: Tolles Tastatur-Smartphone hat zu kurze Akkulaufzeit
Blackberry Keyone im Test
Tolles Tastatur-Smartphone hat zu kurze Akkulaufzeit
  1. Blackberry Keyone kommt Mitte Mai
  2. Keyone Blackberrys neues Tastatur-Smartphone kommt später

  1. Bitch, please

    __destruct() | 21:01

  2. Re: Priv

    interlingueX | 21:00

  3. Re: Turk Telekom als Vergleich

    sneaker | 20:56

  4. Re: Meine Erfahrung als Störungssucher in Luxemburg

    Ovaron | 20:54

  5. Re: Geht einfacher.

    Der Held vom... | 20:49


  1. 18:08

  2. 17:37

  3. 16:55

  4. 16:46

  5. 16:06

  6. 16:00

  7. 14:21

  8. 13:56


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel