Abo
  • IT-Karriere:

EuGH-Gutachten: Facebook drohen Uploadfilter für Beleidigungen

Soziale Netzwerke wie Facebook könnten zu einem aktiven Suchen und Entfernen von rechtswidrigen Inhalten verpflichtet werden. Nach Ansicht eines EuGH-Anwalts könnten solche "elektronischen Tintenkiller" weltweit gelten.

Artikel veröffentlicht am ,
Facebook drohen mehr Pflichten bei der Bekämpfung rechtswidriger Inhalte.
Facebook drohen mehr Pflichten bei der Bekämpfung rechtswidriger Inhalte. (Bild: Stephen Lam/Reuters)

Sozialen Netzwerken drohen stärkere Pflichten zum Auffinden und Entfernen rechtswidriger Inhalte. Anbieter wie Facebook, Youtube oder Twitter könnten sogar dazu gezwungen werden, "sinngleiche" Nutzerbeiträge zu identifizieren, die von einem Gericht für unzulässig erklärt wurden. Diese Ansicht vertritt EuGH-Generalanwalt Maciej Szpunar in seinem Gutachten im Rechtsstreit zwischen der österreichischen Grünen-Politikerin Eva Glawischnig-Piesczek und Facebook. Die Entscheidung könnte auf ein Notice-and-Staydown-Verfahren hinauslaufen, das mit Hilfe von Uploadfiltern realisiert wird.

Stellenmarkt
  1. MGRP - Management Group Dr. Röser & Partner, Crailsheim
  2. GEOMAGIC GmbH, Leipzig

In dem sogenannten Vorabentscheidungsersuchen geht es laut Szpunar darum, "ob ein Host-Provider, der eine Plattform für ein soziales Netzwerk im Internet betreibt, dazu verpflichtet werden kann, mit Hilfe eines elektronischen 'Tintenkillers' bestimmte Inhalte verschwinden zu lassen, die von Nutzern dieser Plattform ins Netz gestellt wurden". Ebenso wie in der Debatte um das Hochladen urheberrechtlich geschützter Inhalte geht es dabei um die Frage, welche Pflichten ein Host-Provider trotz des sogenannten Providerprivilegs zu erfüllen hat.

Überwachung in speziellen Fällen möglich

Nach der E-Commerce-Richtlinie von 2000 sind die Provider zunächst nicht für die Inhalte verantwortlich, die von ihren Nutzern bereitgestellt werden. Sie sind lediglich verpflichtet, Inhalte zu entfernen, wenn sie über deren Rechtswidrigkeit informiert wurden. Dies gilt nicht nur bei Urheberrechtsverletzungen, sondern auch, wie im konkreten Fall, um Beleidigungen und herabwürdigende Kommentare. Zudem kann einem Host-Provider keine allgemeine Verpflichtung auferlegt werden, "die von ihnen übermittelten oder gespeicherten Informationen zu überwachen oder aktiv nach Umständen zu forschen, die auf eine rechtswidrige Tätigkeit hinweisen".

Szpunar ist jedoch der Ansicht, dass Gerichte einem Host-Provider durchaus eine Überwachung in "spezifischen Fällen" auferlegen können. Dazu bedürfe es "keiner hochentwickelten technischen Hilfsmittel, die eine außergewöhnliche Belastung darstellen könnten". Die wortgleichen Inhalte könnten "für ein soziales Netzwerk in der Regel mit EDV-gestützten Hilfsmitteln feststellbar sein, ohne dass der Host-Provider eine aktive, nicht automatisierte Filterung sämtlicher auf seiner Plattform geposteten Informationen vornehmen muss".

Szpunars Argument: "Da Informationen im Bereich des Internets leicht reproduziert werden können, erweisen sich die Entdeckung und die Identifizierung von Informationen, die der als rechtswidrig eingestuften Information wortgleich sind, sodann als notwendig, um einen wirksamen Schutz des Privatlebens und der Persönlichkeitsrechte sicherzustellen." Aus dem Gutachten geht nicht hervor, ob eine automatische Blockade oder Löschung der wortgleichen Inhalte zulässig ist oder ob dies noch manuell geprüft werden muss. Eine automatische Blockade könnte dazu führen, dass entsprechende Aussagen auch nicht mehr in Form von Zitaten, die sich kritisch mit dem Thema befassen, hochgeladen werden können.

Sinngleiche Beiträge finden

Szpunar geht sogar noch weiter, indem er die Ansicht vertritt, dass die Provider auch dazu verpflichtet werden können, "Informationen zu eruieren und zu identifizieren, die der als rechtswidrig eingestuften Information sinngleich sind". Das soll jedoch nur für Beiträge des spezifischen Nutzers gelten, um keine allgemeine Überwachungspflicht einzuführen. Wie der EuGH-Anwalt selbst einräumt, "kann ein Host-Provider sinngleiche Informationen jedoch nicht ohne den Einsatz hochentwickelter Lösungen identifizieren". Das zuständige Gericht müsse daher gewährleisten, "dass die Wirkungen seiner Verfügung klar, konkret und vorhersehbar sind".

Facebook versucht bereits jetzt, dass Hochladen sogenannter Hasskommentare durch künstliche Intelligenz (KI) zu erkennen. Firmenchef Mark Zuckerberg zeigte sich vor gut einem Jahr optimistisch, "dass KI-Werkzeuge in fünf bis zehn Jahren auch Nuancen erkennen, die sprachlichen Nuancen unterschiedlicher Arten von Inhalten". Falls das nicht gelingt, müssten die Beiträge bestimmter Nutzer manuell auf "sinngleiche" Inhalte kontrolliert werden.

Der "elektronische Tintenkiller" kann nach Ansicht Szpunars dabei weltweit zum Einsatz kommen. Die E-Commerce-Richtlinie verbiete es nicht, "von einem Host-Provider die weltweite Entfernung von Informationen zu verlangen, die mittels einer Plattform für ein soziales Netzwerk verbreitet worden sind". Die räumliche Reichweite richte sich auch deshalb nicht nach EU-Recht, weil die Klägerin im vorliegenden Fall ihre Klage nicht auf EU-Recht gestützt hat.

In einem weiteren Punkt vertritt Szpunar die Auffassung, dass Host-Provider auch dazu verpflichtet werden können, sinngleiche rechtswidrige Beiträge nach Hinweisen von Betroffenen oder anderen Quellen zu entfernen.

Die Richter sind in dem Verfahren nicht an das Gutachten des Generalanwalts gebunden. Mit einer Entscheidung ist in der Regel in einigen Monaten zu rechnen.



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 4,99€
  2. 4,99€
  3. (-10%) 17,99€
  4. 4,16€

Gtifighter 05. Jun 2019

Was meine ich damit? Ganz einfach: Beim Erstellen des Accounts und später in den...

AllDayPiano 05. Jun 2019

Ja. Als Mensch kannst Du denken. Ein Filter kann das nicht. Das ist der Punkt. Mein...

divStar 05. Jun 2019

Jup. Das Problem ist: es ist nicht deren Geld. Ergo würde das auch von den Steuern...

divStar 05. Jun 2019

So ist es. Aber als ich das mal früher im Forum hier angebracht hatte, wurde mir der...

AllDayPiano 05. Jun 2019

Kennen wir doch, oder? "Für das Gute" wird die Technik geschaffen, und wenn sie dann mal...


Folgen Sie uns
       


Harry Potter Wizards Unite angespielt

Harry Potter Go? Zum Glück hat der neue AR-Titel auch ein paar eigene Ideen zu bieten.

Harry Potter Wizards Unite angespielt Video aufrufen
IT-Arbeit: Was fürs Auge
IT-Arbeit
Was fürs Auge

Notebook, Display und Smartphone sind für alle, die in der IT arbeiten, wichtige Werkzeuge. Damit man etwas mit ihnen anfangen kann, ist ein anderes Werkzeug mindestens genauso wichtig: die Augen. Wir geben Tipps, wie man auch als Freiberufler augenschonend arbeiten kann.
Von Björn König

  1. IT-Fachkräftemangel Freie sind gefragt
  2. Sysadmin "Man kommt erst ins Spiel, wenn es brennt"
  3. Verdeckte Leiharbeit Wenn die Firma IT-Spezialisten als Fremdpersonal einsetzt

Nachhaltigkeit: Jute im Plastik
Nachhaltigkeit
Jute im Plastik

Baustoff- und Autohersteller nutzen sie zunehmend, doch etabliert sind Verbundwerkstoffe mit Naturfasern noch lange nicht. Dabei gibt es gute Gründe, sie einzusetzen, Umweltschutz ist nur einer von vielen.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Nachhaltigkeit Bauen fürs Klima
  2. Autos Elektro, Brennstoffzelle oder Diesel?
  3. Energie Wo die Wasserstoffqualität getestet wird

Google Game Builder ausprobiert: Spieldesign mit Karten statt Quellcode
Google Game Builder ausprobiert
Spieldesign mit Karten statt Quellcode

Bitte Bild wackeln lassen und dann eine Explosion: Solche Befehle als Reaktion auf Ereignisse lassen sich im Game Builder relativ einfach verketten. Der Spieleeditor des Google-Entwicklerteams Area 120 ist nicht nur für Einsteiger gedacht - sondern auch für Profis, etwa für die Erstellung von Prototypen.
Von Peter Steinlechner

  1. Spielebranche Immer weniger wollen Spiele in Deutschland entwickeln
  2. Aus dem Verlag Neue Herausforderungen für Spieler und Entwickler

    •  /