Abo
  • IT-Karriere:

EU-Vorschlag abgelehnt: Scheuer setzt sich im Streit ums Auto-WLAN durch

Bundesverkehrsminister Scheuer hat sich in der Frage, wie vernetzte Autos kommunizieren sollen, in der Bundesregierung durchgesetzt. Damit stehen die EU-Pläne für einen einheitlichen Einsatz des WLAN-Standards 802.11P vor dem Aus.

Artikel von Daniel Delhaes/Handelsblatt veröffentlicht am
Verkehrsminister Andreas Scheuer (r.) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier
Verkehrsminister Andreas Scheuer (r.) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (Bild: Fabrizio Bensch/Reuters)

Die Kabinettsitzung war gerade beendet, da fanden sich Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Kanzleramtschef Helge Braun und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) gleich zum nächsten Treffen ein. Es galt, eine wichtige Frage zu klären, die nicht nur für Verkehrssicherheit in Europa sorgen soll, sondern vor allem auch Unternehmen einen neuen Markt im Big-Data-Geschäft eröffnen könnte. Stimmt Deutschland dem delegierten Rechtsakt der Europäischen Kommission an diesem Donnerstag im Ausschuss der ständigen Vertreter in Brüssel zu - oder lehnt es ihn ab?

Inhalt:
  1. EU-Vorschlag abgelehnt: Scheuer setzt sich im Streit ums Auto-WLAN durch
  2. LTE-Standard noch nicht ausgereift?

Es geht um ein Regelwerk, mit dem die EU-Kommission festlegen will, wie Fahrzeuge auf kurzen Strecken untereinander kommunizieren. In Zukunft sollen sie Informationen untereinander austauschen können, damit es weniger Unfälle und Tote auf den Straßen gibt. Diskutiert wird noch, in welcher Sprache die Fahrzeuge miteinander reden sollen.

Während verschiedene Autobauer - allen voran Volkswagen -, aber auch etliche Landmaschinenhersteller auf die frei verfügbare und längst erprobte WLAN-Technologie setzen, pochen Premiumhersteller wie BMW und Mobilfunker wie die Deutsche Telekom sowie Funkchiphersteller auf eine Mobilfunklösung. Kein Wunder, dass es in den vergangenen Wochen und Monaten eine heftige Lobbyschlacht gab.

Scheuer unterstützt BMW und Telekom

Der Bayer Scheuer hatte sich frühzeitig auf die Seite von BMW geschlagen und seinen Kollegen Altmaier Mitte Juni aufgefordert, seinen Argumenten zu folgen und den Rechtsakt abzulehnen. Die Kritik: Das Regelwerk sei nicht technologieneutral und verhindere, dass Datenströme über Mobilfunk möglich seien. Altmaier indes hatte Gesprächsbedarf angemeldet und einen Ministervorbehalt eingelegt. An diesem Mittwoch nun legte er sich fest: Er wird Scheuers Meinung folgen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen.

Stellenmarkt
  1. Computacenter AG & Co. oHG, verschiedene Standorte
  2. Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH), Wiesbaden

Der Rechtsakt sieht WLAN als Standard für die Kurzstrecken-Kommunikation von Fahrzeugen vor. Andere Standards lässt er auch zu, sofern sie kompatibel mit WLAN sind. So sollen Neufahrzeuge schnell mit der Kommunikation ausgestattet werden. So plant Volkswagen, ab 2020 seinen neuen Golf und alle E-Fahrzeuge mit der WLAN-Technologie anzubieten. BMW, so hieß es, plant, frühestens 2021/2022 neue Modelle mit der Mobilfunktechnologie LTE-V2X auszustatten.

Expertenmeinungen übergangen

Scheuer wie Altmaier haben nun entgegen der Meinung ihrer Experten im Haus votiert. Während die Digitalexperten im Verkehrsressort den Rechtsakt unterstützt hatten, lehnte der Abteilungsleiter ab, wie es in Regierungskreisen hieß. Scheuer folgte ihm. Im Wirtschaftsministerium befürwortete die Digitalabteilung das Regelwerk, die Industriepolitiker sträubten sich und setzten sich am Ende durch.

Fachleute warnen, dass mit einer Mobilfunklösung eine Abhängigkeit von chinesischen und amerikanischen Chipherstellern entstünde. Obendrein gingen sie auch aggressiv bei Patentstreitigkeiten vor. Unternehmen wie Qualcomm oder Huawei halten eine Vielzahl von Patenten im Bereich des 4G- und 5G-Mobilfunks, während beim WLAN die Patente weitgehend frei zugänglich sind.

LTE-Standard noch nicht ausgereift? 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (-75%) 3,75€
  2. 2,99€
  3. (-56%) 19,99€
  4. 1,12€

pferdinand 08. Jul 2019 / Themenstart

Datenrate ist wichtig aber nicht alles. Ich verweise da gern auf meinen Post zum Thema...

quineloe 08. Jul 2019 / Themenstart

Das Wetter wird's früher richten: https://www.der-postillon.com/2019/05/hitzewelle-cdu.html

cpt.dirk 08. Jul 2019 / Themenstart

Die Vorteile eines Richtdesigns dürften die Nachteile eines Isodesigns doch deutlich...

quark2017 07. Jul 2019 / Themenstart

Das Finanzministerium hat da wohl irgendwas falsch verstanden. Seit wann MUSS ein...

zenker_bln 06. Jul 2019 / Themenstart

seit dem 7.9.1949 hat man mit der CD(S)U ein Konglomerat an Verhinderung von technischen...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


E-Bike-Neuerungen von Bosch angesehen

Neue Motoren und mehr Selbstständigkeit für Boschs E-Bike Systems - wir haben uns angesehen, was für 2020 geplant ist.

E-Bike-Neuerungen von Bosch angesehen Video aufrufen
Ursula von der Leyen: Von Zensursula zur EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen
Von "Zensursula" zur EU-Kommissionspräsidentin

Nach der "Rede ihres Lebens" hat das Europäische Parlament am Dienstagabend Ursula von der Leyen an die Spitze der EU-Kommission gewählt. Die Christdemokratin will sich in ihrem neuen Amt binnen 100 Tagen für einen Ethik-Rahmen für KI und ambitioniertere Klimaziele stark machen. Den Planeten retten, lautet ihr ganz großer Vorsatz.
Ein Bericht von Justus Staufburg

  1. Adsense for Search Neue Milliardenstrafe gegen Google in der EU

Radeon RX 5700 (XT) im Test: AMDs günstige Navi-Karten sind auch super
Radeon RX 5700 (XT) im Test
AMDs günstige Navi-Karten sind auch super

Die Radeon RX 5700 (XT) liefern nach einer Preissenkung vor dem Launch eine gute Leistung ab: Wer auf Hardware-Raytracing verzichten kann, erhält zwei empfehlenswerte Navi-Grafikkarten. Bei der Energie-Effizienz hapert es aber trotz moderner 7-nm-Technik immer noch etwas.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Navi 14 Radeon RX 5600 (XT) könnte 1.536 Shader haben
  2. Radeon RX 5700 (XT) AMD senkt Navi-Preise noch vor Launch
  3. AMD Freier Navi-Treiber in Mesa eingepflegt

Mobilfunktarife fürs IoT: Die Dinge ins Internet bringen
Mobilfunktarife fürs IoT
Die Dinge ins Internet bringen

Kabellos per Mobilfunk bringt man smarte Geräte am leichtesten ins Internet der Dinge. Dafür haben deutsche Netzanbieter Angebote für Unternehmen wie auch für Privatkunden.
Von Jan Raehm

  1. Smart Lock Forscher hacken Türschlösser mit einfachen Mitteln
  2. Brickerbot 2.0 Neue Schadsoftware möchte IoT-Geräte zerstören
  3. Abus-Alarmanlage RFID-Schlüssel lassen sich klonen

    •  /