EU-Parlament: Fluggastdatenspeicherung kommt wohl im Januar
Die umstrittene Speicherung von Fluggastdaten hat eine weitere Hürde genommen. Der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE-Ausschuss) stimmte heute mit 38 zu 19 Stimmen für das Vorhaben. Die Datenspeicherung soll vor allem der Terrorismusbekämpfung dienen.
Wenn der Entwurf, voraussichtlich im Januar, vom Europaparlament angenommen wird, werden die Daten aller Fluggäste für zunächst sechs Monate gespeichert. Danach sollen die Daten anonymisiert für fünf weitere Jahre vorgehalten werden.
Basis der Datenerhebung ist der sogenannte Passenger Name Record der Fluggesellschaften. In ihm werden Daten wie Adresse, Kreditkartennummer, Anschlussflüge, Vielfliegernummer, Essenswünsche und Allergien gespeichert. Außerdem gibt es Freitextfelder, in denen weitere Informationen hinterlegt werden können, etwa, wenn jemand zu einer Beerdigung fliegt und die Fluglinie davon Kenntnis hat.
Der zuständige Berichterstatter Timothy Kirkhope freute sich über die Einigung. Er twitterte(öffnet im neuen Fenster): "Froh, dass mein PNR-Deal die Zustimmung des LIBE-Ausschusses gefunden hat (38-19). Jetzt können wir mehr Sicherheit gewährleisten."
"Die Richtlinie verfehlt das Ziel"
Die Sozialdemokratin Birgit Sippel hingegen kritisiert die Richtlinie. "Die Richtlinie verfehlt das Ziel, Sicherheit und offene Gesellschaften zu schützen", schreibt sie auf ihrer Homepage(öffnet im neuen Fenster). "Das größte Problem in der europäischen Sicherheitspolitik ist die mangelnde Kooperation zwischen den Behörden und Ländern."
Auch der Grünen-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht hält die Regelungen für falsch. Eine Mehrheit aus Konservativen, Sozialdemokraten und Liberalen sei vor den Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten eingeknickt, sagt Albrecht(öffnet im neuen Fenster). Die Regierungen hätten die Mehrheit der Abgeordneten nach den Anschlägen von Paris vor sich hergetrieben. "Viele haben jetzt der Massenüberwachung zugestimmt, die sie noch 2013 mit Verweis auf Verstoß gegen die Grundrechte und Unverhältnismäßigkeit abgelehnt hatten. Was im Jahr 2013 falsch war, ist heute nicht richtig."
In den vergangenen Jahren war immer wieder über eine Einführung der Fluggastdatenspeicherung diskutiert worden. Im Jahr 2013 stimmte das Parlament aber gegen einen entsprechenden Entwurf. Mit den USA werden die Daten europäischer Reisender bereits ausgetauscht.
- Anzeige Hier geht es zu Hacking & Security: Das umfassende Handbuch bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



