EU-Kommission: Apple betreibt unfairen Wettbewerb beim Musik-Streaming

Die EU-Kommission folgt einer Beschwerde von Spotify und sieht klare Verstöße durch Apple.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Die EU-Kommission wirft Apple unfairen Wettbewerb vor.
Die EU-Kommission wirft Apple unfairen Wettbewerb vor. (Bild: Dado Ruvic/Reuters)

Die EU-Kommission wirft Apple unfairen Wettbewerb in seinem App Store vor. Das Unternehmen benachteilige andere Anbieter von Musikstreaming-Apps, erklärte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am 30. April nach einer Beschwerde des Marktführers Spotify. Der Streamingdienst hatte sich Mitte März 2019 bei der EU-Kommission über Apples Geschäftsgebaren beschwert.

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Die Brüsseler Behörde geht unter anderem dagegen vor, dass die Verkäufe von Abos in den Apps über Apples Bezahlplattform abgewickelt werden müssen. Dabei behält das Unternehmen 30 oder 15 Prozent der Einnahmen ein. Setzt sich die EU-Kommission durch, würde dies das Geschäftsmodell von Apple für den App Store auch bei anderen Diensten infrage stellen.

Die Wettbewerbshüter zeigten sich besorgt, dass Nutzer von Apple-Geräten höhere Preise für Musikstreaming-Abos bezahlen müssten oder einige Abonnements nicht in ihren Apps kaufen könnten. Sie kamen in ihren vorläufigen Feststellungen auch zu dem Schluss, dass Apple eine dominierende Marktposition beim Vertrieb von Musikstreaming-Anwendungen im App Store habe. Das Unternehmen sei zugleich "Torwächter" und Konkurrent mit seinem eigenen Dienst Apple Music, betonte Vestager.

Apple ist sauer, Spotify freut sich

Apple konterte: "Die Argumentation der Kommission zugunsten von Spotify ist das Gegenteil von fairem Wettbewerb." Spotify wolle "alle Vorteile des App Stores nutzen und meint, dafür nichts zahlen zu müssen". Spotify begrüßte die Entscheidung der Kommission. Dies sei "ein entscheidender Schritt, um Apple für wettbewerbswidriges Verhalten zur Verantwortung zu ziehen".

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Apple nimmt seit dem Start der Downloadplattform 2008 grundsätzlich eine Abgabe von 30 Prozent auf Einnahmen mit digitalen Artikeln oder Dienstleistungen wie Abos. Läuft das Abo länger als ein Jahr, verringert sich der Anteil auf 15 Prozent - und seit Kurzem auch für Entwickler, die weniger als eine Million US-Dollar pro Jahr einnehmen.

Die Untersuchung der Kommission wurde von einer Beschwerde des Musikstreaming-Marktführers Spotify angestoßen, der mit Apple Music konkurriert. Spotify findet es unfair, dass für Apple beim gleichen Abopreis wegen der App-Store-Abgabe mehr Geld übrigbleibe.

Für die EU-Kommission ist der Fall eindeutig

Die Kommission kam zu dem Schluss, dass die meisten Streaminganbieter die Gebühr an ihre Kunden mit höheren Preisen weiterreichten. Spotify etwa bot eine Zeit lang seine Abos in der iPhone-App für 12,99 statt 9,99 Euro pro Monat an. Schon vor einigen Jahren ging der Dienst aber dazu über, stattdessen iPhone-Kunden das Abonnement über eine Webseite zu verkaufen, um der Gebühr zu entgehen. Auch der Videostreamingdienst Netflix geht diesen Weg.

Bei diesem Modell kommt der zweite Wettbewerbsverstoß aus Sicht der Kommission zum Tragen: Die Anbieter dürften nicht direkt in der App einen Link zu der Webseite einbauen, auf der man die Abos an Apple vorbei kaufen kann. Apple kontert, es würde zum Beispiel auch kein Elektronikmarkt Werbung eines Konkurrenten neben den eigenen Preisschildern zulassen. Das iPhone-Unternehmen verweist auch darauf, dass Spotify seit dem Ausstieg aus In-App-Käufen 2016 mehr als 100 Millionen Abo-Kunden gewonnen habe. Außerdem gebe Spotify die Senkung der Gebühr von 30 auf 15 Prozent nicht an die Kunden weiter.

Spotify liegt vor Apple Music

Spotify ist die klare Nummer eins im Musikstreaminggeschäft vor Apple. Der in Schweden beheimatete Anbieter hatte zum Ende des vergangenen Quartals 356 Millionen Nutzer, von denen 156 Millionen zahlende Abokunden sind. Apple hatte in seinem Dienst Apple Music im Sommer 2019 mehr als 60 Millionen Abokunden - und nannte seitdem keine neuen Zahlen. Apple verzichtet anders als Spotify auf eine regulär nutzbare kostenlose Variante des Musikstreamingdienstes, der mit Werbeschaltungen finanziert wird und weniger Funktionen bietet.

Neben dem Spotify-Fall stehen schon länger Vorwürfe von Banken im Raum, die sich bei kontaktlosem Bezahlen benachteiligt sehen. Sie kritisieren unter anderem, dass sie nicht an Apple vorbei auf den sogenannten NFC-Chip zugreifen könnten. Apple Pay ist der einzige Weg, um auf iPhones Zugriff auf den NFC-Chip zu erlangen, über den man das Smartphone an der Ladenkasse statt einer Bankkarte einsetzen kann. Apple sieht das als technische Lösung, um die Sicherheit der Zahlungen zu gewährleisten, und versichert, dass jeder, der Zugang zu Apple Pay wolle, ihn auch bekomme.

EU-Kartellverfahren gegen Google und Amazon

Die EU-Wettbewerbshüter nehmen schon seit Jahren amerikanische Technologieplattformen unter die Lupe. Gegen Google verhängte Vestager in drei Verfahren Bußgelder von insgesamt 8,25 Milliarden US-Dollar. Dabei ging es unter anderem um das Smartphone-System Android und die Shoppingsuche mit Artikelangeboten. Bei Amazon geht die Kommission der Frage nach, ob das Unternehmen auf unfaire Weise mit anderen Händlern konkurriert, die seine Plattform nutzen. Nach dem vorläufigen Ergebnis von Untersuchungen der EU-Kommission missbraucht das amerikanische Unternehmen seine Marktmacht und verstößt damit gegen Kartellvorschriften.

Wenn Unternehmen gegen die Wettbewerbsvorschriften der EU verstoßen, riskieren sie Geldbußen von bis zu zehn Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes. Das Problem bei solchen Strafen ist jedoch: Sie werden erst nach jahrelanger Untersuchung verhängt und gehen danach oft weitere Jahre durch Gerichtsinstanzen. Mögliche Konkurrenten existieren dann vielleicht nicht mehr.

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Piyo 18. Mai 2021

Das Problem ist, dass Paypal mehr Gebühren verlangt als Apple. Für 115¤ AppStore...

bootstorm 03. Mai 2021

... sie sollen im Schwerpunkt den Verbraucher schützen und den Wettbewerb erzwingen. Die...

Der mit dem Blubb 01. Mai 2021

Spotify: "Kommt, wir bauen unseren eigenen Store mit Bezahlfunktion." Apple: "Hey...

X-Press 01. Mai 2021

Zahlt der Kunde mit dem Gerät. Zahlt der Entwickler mit seiner Jahresgebühr. Könnte man...

violator 01. Mai 2021

Nö, als Nutzer kannst du nix einfordern. Du bist ja nicht am Markt aktiv und willst was...



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