Finnland: Drohnenboot übernimmt erstmals EU-Grenzüberwachung
Finnland will als erstes EU-Land ein autonomes Drohnenboot zur Grenzüberwachung einsetzen. Das Projekt wird von der Europäischen Union finanziert und von der EU-Grenzagentur Frontex unterstützt. Das unbemannte Wasserfahrzeug soll Schiffe der russischen Schattenflotte verfolgen, Offshore-Infrastruktur überwachen und später weitgehend autonom operieren.
Details stellte der finnische Grenzschutz in einer Präsentation (PDF)(öffnet im neuen Fenster) bei einem Frontex-Workshop zum Ausbau der maritimen Drohnenfähigkeiten der EU in Warschau vor. Golem erhielt die Unterlagen über eine Informationsfreiheitsanfrage.
Projekt gegen russische Schattenflotte
Offiziell richtet sich das Projekt unter dem Namen Stärkere Reaktionsfähigkeit der Küstenwache gegen die sogenannte russische Schattenflotte und soll im Finnischen Meerbusen an der Seegrenze zu Russland erprobt werden. Mit Schattenflotte sind Schiffe gemeint, die häufig unter wechselnden Flaggen verkehren und nach westlicher Einschätzung dabei helfen, Sanktionen gegen Russland zu umgehen. Die finnischen Behörden wollen die Bewegungen solcher Schiffe künftig mit unbemannten Systemen beobachten.
Finanziert wird das Vorhaben über das Instrument für Grenzmanagement und Visa, ein EU-Förderprogramm. Die Mittel werden ausdrücklich mit der Stärkung der operativen Fähigkeiten von Frontex begründet.
In den Projektunterlagen wird der Bedarf mit der Sicherheitslage im nördlichen Ostseeraum und im Finnischen Meerbusen begründet. Als weitere Herausforderungen nennen die Behörden Störungen satellitengestützter Navigationssysteme, die ebenfalls Russland angelastet werden und die im Finnischen Meerbusen bereits zu Beinahe-Kollisionen führten. Zudem seien Schiffe wiederholt mit fehlerhaften oder fehlenden AIS-Daten unterwegs gewesen, heißt es.
Überwachung von Offshore-Windparks
Kern des Projekts ist ein unbemanntes Wasserfahrzeug mit einer "robusten Fähigkeit, regionale Überwachungsdaten" zu sammeln. Demnach soll das Drohnenboot zur Verfolgung von Schiffen, zur Erstellung von Lagebildern, für die Kartierung von Einsatzgebieten sowie für Such- und Rettungseinsätze genutzt werden. Auch der Schutz kritischer Infrastruktur auf See, etwa von Offshore-Windparks, zählt der finnische Grenzschutz zu den Aufgaben.
Das Boot soll mehr als 25 Knoten erreichen und je nach Einsatzprofil zwischen 8 und 38 Stunden autonom fahren können. Die Reichweite wird mit rund 200 Seemeilen angegeben. Ausgestattet ist das System mit Radar, optischen und Wärmebildkameras sowie satellitengestützter Navigation. Das Drohnenboot soll von größeren Flugdrohnen begleitet werden, die auch über Land patrouillieren können.
Das Projekt befindet sich noch in der Entwicklungs- und Beschaffungsphase, die angestrebten neuen Fähigkeiten sollen laut der Präsentation bei Frontex "hoffentlich" Ende 2027 zur Verfügung stehen.


