EU-Grenzsystem EES: Technikprobleme, Schlangen, Chaos zu Beginn der Urlaubszeit
Das Entry-Exit-System der EU, kurz EES, sollte die Grenzsicherheit stärken, indem es biometrische Daten von Nicht-EU-Bürgern erfasst, also Fingerabdrücke und Fotos. Seit Oktober läuft der schrittweise Rollout, doch von einem reibungslosen Start kann keine Rede sein, wie die Financial Times berichtet(öffnet im neuen Fenster).
Bestellungen zu spät, Verträge verzögert
Demnach haben mehrere Mitgliedstaaten erst in den vergangenen Tagen Hardware geordert. Malta schloss diese Woche einen Vertrag mit einem italienischen Unternehmen über Gesichtserfassungsgeräte. Tschechien vergab Anfang des Monats einen Auftrag für Fingerabdrucklesegeräte am Prager Flughafen, Spanien schrieb zeitgleich eine Ausschreibung für Hafenausrüstung in Almería aus. Österreich gab im März bekannt, dass ein Vertrag nach mehrfachen Verzögerungen überarbeitet werden musste, weil die EU-Kommission zwischenzeitlich Vorgaben geändert hatte.
Scanner überhitzen, Software fehlt, Daten werden gar nicht erst erfasst
Die Probleme sind nicht nur organisatorischer Natur. An mehreren Flughäfen wurden dem Bericht nach Fingerabdruckscanner abgeschaltet, weil sie durch Schweißrückstände der Reisenden verklebten. An französischen Flughäfen, am Fährhafen Dover sowie in den Eurotunnel- und Eurostar-Terminals blieben Geräte wochenlang ungenutzt, weil es keine Software-Updates gab. Das berichteten Vertreter der Reisebranche.
Olivier Jankovec, der Chef des Flughafenverbands ACI Europe, brachte es im Gespräch mit der FT auf den Punkt: "Das System funktioniert grundlegend nicht." Eine Umfrage seines Verbands unter 45 Flughäfen in 20 Ländern ergab Wartezeiten bis zu dreieinhalb Stunden.
Ursprünglich war die Abfertigung pro Passagier in weniger als einer Minute geplant. Wenn die Automaten ausfallen, müssen Beamte manuell kontrollieren, das betrifft auch die Abnahme von Fingerabdrücken. Einige Flughäfen stellten die biometrische Erfassung inzwischen vollständig ein.
Warteschlangen auf dem Rollfeld, Gepäckbereiche als Warteräume
Um Staus zu entschärfen, setzten die Schweiz, Portugal, Belgien und Griechenland dem Bericht nach die biometrischen Kontrollen zeitweise aus. Die Schweiz bekam einen frühen Vorgeschmack auf den Sommer, als sich am Genfer Flughafen während der Wintersaison Warteschlangen bis zu zweieinhalb Stunden bildeten. Der Flughafen reagierte mit doppeltem Personal in der Ankunftshalle und zusätzlichem Einsatz im Gepäckbereich.
Kleinere Flughäfen trifft es besonders. Auf den griechischen Inseln Korfu und Zakynthos warteten Passagiere auf dem Rollfeld. Der Düsseldorfer Flughafen nutzt Gepäckflächen als zusätzliche Wartezonen.
Marco Troncone, Chef der römischen Flughäfen, sagte der Financial Times, er mache sich "große Sorgen um den Sommer" und forderte eine Aussetzung des EES, um das zu verhindern, was er als mögliche Katastrophe beschrieb. Ryanair schloss sich der Forderung für Spanien an und kritisierte den "halbgaren Rollout", nachdem Passagiere an einem Maifeiertag stundenlang angestanden hatten.
Kommission sieht kein Problem, Staaten schieben Verantwortung weiter
Die EU-Kommission hält das System laut FT für funktionsfähig und verweist darauf, dass Mitgliedstaaten die biometrischen Kontrollen bis September flexibel aussetzen dürfen. Die Umsetzung liege in nationaler Verantwortung, also ausreichend Personal sowie der Einsatz von Selbstbedienungskiosken und E-Gates.
Spanien wies Berichte über Probleme zurück, obwohl ein Luftfahrtbeamter der FT sagte, dass das Innenministerium die Personalstärke bei der Passkontrolle nicht ausreichend angepasst habe.
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