Abo
  • IT-Karriere:

EU: Europa-Parlament schränkt Geoblocking im Online-Handel ein

Nach einem Verordnungsentwurf, den die Abgeordneten beschlossen haben, müssen Händler den Verbrauchern überall in der EU zu gleichen Konditionen Zugang zu Waren und Dienstleistungen gewähren, unabhängig davon, von wo aus die Käufer die Internetseite aufrufen.

Artikel veröffentlicht am , Justus Staufburg
Geoblocking im Onlinehandel wird in der EU eingeschränkt.
Geoblocking im Onlinehandel wird in der EU eingeschränkt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Wer in einem anderen EU-Staat online etwa eine Kaffeemaschine oder ein Ticket für ein Konzert oder einen Freizeitpark kaufen will, wird häufig auf eine Website in seinem Herkunftsland mit teureren Offerten umgeleitet. Mit diesem Geoblocking beim E-Commerce soll nun Schluss sein. Das Europäische Parlament hat am Dienstag einen Entwurf für eine Verordnung verabschiedet, wonach Verbraucher nicht mehr ohne deren Placet automatisch auf ein landesspezifisches Online-Angebot aufgrund einer ausländischen IP-Adresse gelenkt werden dürfen - und damit einen Kompromiss von Ende 2017 abgesegnet.

Stellenmarkt
  1. Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Esslingen am Neckar
  2. Porsche Consulting GmbH, Stuttgart, Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, München

Für das Dossier stimmten 557 Volksvertreter, 89 waren dagegen, 33 enthielten sich. Mit der Initiative sollen auch weitere Hürden beim grenzüberschreitenden Einkaufen im Internet der Vergangenheit angehören. Verbraucher dürfen etwa nicht mehr gezwungen werden, mit einer Kredit- oder Debitkarte zu bezahlen, die im Land des Verkäufers ausgestellt wurde. Für das Hosting einer Website oder andere elektronisch verfügbare Dienste wie Cloud Computing dürfen Anbieter keinen Aufschlag mehr für Kunden in anderen EU-Ländern verlangen.

Online-Händler können den Verkauf von Produkten an ausländische Kunden ferner nicht mehr verweigern, wenn sie die erstandenen Waren nicht in einen anderen Mitgliedsstaat liefern lassen können. Wenn also etwa ein Kunde aus Aachen von einem Online-Händler im niederländischen Maastricht, der keinen grenzüberschreitenden Versand anbietet, ein günstiges Produkt beziehen will, muss es ihm gestattet werden, die Ware vor Ort abzuholen oder auf eigene Faust eine Zustellung zu arrangieren.

Die EU-Kommission hatte weitreichendere Pläne

Mit dem Beschluss segneten die europäischen Abgeordneten einen Kompromiss ab, auf den sie sich im November mit Vertretern der EU-Kommission und der Regierungen im Ministerrat verständigt hatten. Den Aufschlag für die Verordnung hatte die Kommission im Mai 2016 gemacht und dabei noch ehrgeizigere Ziele formuliert. Im Gegensatz zum ursprünglichen Entwurf aus Brüssel schiebt das abgestimmte Papier einer Preisdiskriminierung nicht generell einen Riegel vor. In begründeten Fällen dürfen Händler also Käufern aus anderen europäischen Ländern einen Mehrpreis in Rechnung stellen. Es fehlt auch die zunächst vorgesehene Pflicht für E-Commerce-Anbieter, Waren aus ihrem Sortiment in jedem Fall an einen Interessenten zu veräußern.

Die polnische Berichterstatterin Roza Gräfin von Thun und Hohenstein von der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) begrüßte den Schritt trotzdem: "Wir haben es geschafft, Online-Shopping dem Einkaufen in der realen Welt soweit anzugleichen, dass niemand mehr im Internet diskriminiert werden kann." Eine Studie der Kommission hatte zuvor Tausende von Websites in der gesamten EU analysiert und festgestellt, dass in nur 37 Prozent der Fälle es Nutzern aus einem anderen Mitgliedstaat möglich war, den Kauf abzuschließen und die gewünschten Waren zu erwerben. In den übrigen Fällen wurden die Nutzer in irgendeiner Form eingeschränkt.

Kritik vom Einzelhandel und von den Grünen

Die Netzexpertin der Grünen im Europa-Parlament, Julia Reda, erkannte in dem Vorhaben einen "kleinen Schritt nach vorne hin zu einem europäischen Binnenmarkt ohne Diskriminierung nach Wohnsitz". Für sie bedeutet der Kompromiss aber "nicht das erhoffte Ende von Geoblocking", da digitale Medien wie E-Books, Filme und Computerspiele weiterhin an Ländergrenzen haltmachten.

Scharf kritisiert hatte die Initiative vorab Stephan Tromp vom Handelsverband Deutschland (HDE) "Es fehlt nach wie vor eine rechtssichere Lösung der Frage, welches Recht bei grenzüberschreitenden Verkäufen Anwendung finden soll", sagte er Golem.de. Das vorgesehene Aus von Geoblocking führe zu einer Überforderung insbesondere kleinerer Online-Händler und stelle einen schweren Eingriff in die Vertragsfreiheit dar. Außerdem sei die vorgesehene Übergangsfrist zu kurz. Die neuen Regeln sollen Ende 2018 in Kraft treten. Die Zustimmung des EU-Rats steht noch aus, was aber als Formsache gilt. Die Kommission muss innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten der Verordnung prüfen, ob der Anwendungsbereichs erweitert werden sollte oder angemessen ist.



Anzeige
Top-Angebote
  1. 699,00€ (Bestpreis!)
  2. (u. a. Aorus Pro für 219,90€, Aorus Pro WiFi für 229,90€, Aorus Elite für 189,90€)
  3. (u. a. Sandisk SSD Plus 1 TB für 88,00€, WD Elements 1,5-TB-HDD für 55,00€, Seagate Expansion...
  4. (u. a. Kingston A400 2-TB-SSD für 159,90€, AMD Upgrade-Bundle mit Radeon RX 590 + Ryzen 7...

teenriot* 08. Feb 2018

Der vollkommene Markt ist ein Ideal das angestrebt wird. Das dieser nicht erreichbar...

Dedl 07. Feb 2018

Na, in einem Thread, der mit digitalen Gütern in der Überschrift tituliert ist, sollte...

Dwalinn 07. Feb 2018

Das mit den einfachen Regeln hat sich auf die PLEVs und Deutschland bezogen.

basil 07. Feb 2018

Na so mutiert halt einst eine Handelsunion zum regulatorischen Unsinn, was...

mfeldt 07. Feb 2018

Eintrittskarten für's Disneyland Paris z.B. Sind in aller Regel aus Frankreich bestellt...


Folgen Sie uns
       


Golem.de hackt Wi-Fi-Kameras per Deauth

WLAN-Überwachungskameras lassen sich ganz einfach ausknipsen - Golem.de zeigt, wie.

Golem.de hackt Wi-Fi-Kameras per Deauth Video aufrufen
Atari Portfolio im Retrotest: Endlich können wir unterwegs arbeiten!
Atari Portfolio im Retrotest
Endlich können wir unterwegs arbeiten!

Ende der 1980er Jahre waren tragbare PCs nicht gerade handlich, der Portfolio von Atari war eine willkommene Ausnahme: Der erste Palmtop-Computer der Welt war klein, leicht und weitestgehend DOS-kompatibel - ideal für Geschäftsreisende aus dem Jahr 1989 und Nerds aus dem Jahr 2019.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Retrokonsole Hauptverantwortlicher des Atari VCS schmeißt hin

Pixel 4 im Hands on: Neue Pixel mit Dualkamera und Radar-Gesten ab 750 Euro
Pixel 4 im Hands on
Neue Pixel mit Dualkamera und Radar-Gesten ab 750 Euro

Nach zahlreichen Leaks hat Google das Pixel 4 und das Pixel 4 XL offiziell vorgestellt: Die Smartphones haben erstmals eine Dualkamera - ein Radar-Chip soll zudem die Bedienung verändern. Im Kurztest hinterlassen beide einen guten ersten Eindruck.
Ein Hands on von Tobias Költzsch

  1. Google Pixel 4 entsperrt auch bei geschlossenen Augen
  2. Live Captions Pixel 4 blendet auf dem Gerät erzeugte Untertitel ein
  3. Google Fotos Pixel 4 kommt ohne unbegrenzten unkomprimierten Fotospeicher

Funkstandards: Womit funkt das smarte Heim?
Funkstandards
Womit funkt das smarte Heim?

Ob Wohnung oder Haus: Smart soll es bitte sein. Und wenn das nicht von Anfang an klappt, soll die Nachrüstung zum Smart Home so wenig aufwendig wie möglich sein. Dafür kommen vor allem Funklösungen infrage, wir stellen die gebräuchlichsten vor.
Von Jan Rähm

  1. Local Home SDK Google bietet SDK für Smarthomesteuerung im lokalen Netzwerk
  2. GE Smarte Lampe mit 11- bis 13-stufigem Resetverfahren
  3. IoT Smart Homes ohne Internet, geht das? Ja!

    •  /