Abo
  • IT-Karriere:

EU-Datenbanken: Neue Macht für die obskurste Behörde der EU

Die EU weitet das Mandat der Behörde EU-Lisa stark aus, die über die IT-Systeme von Polizei und Migrationsbehörden wacht. Eine Suchmaschine soll die verschiedenen Datenbanken verbinden, die eigentlich getrennt voneinander entworfen wurden.

Artikel von Jannis Brühl/Süddeutsche.de veröffentlicht am
Die Zentrale von EU-Lisa in Tallinn
Die Zentrale von EU-Lisa in Tallinn (Bild: Raigo Pajula/EC-Audiovisual Service)

Besonders stolz ist Luca Zampaglione auf die Fensterscheibe, auf die sie geschossen haben. Sie ist sieben Schichten Spezialglas dick, um einen Krater in ihrer Mitte bilden Risse ein Netz. Die Kugel schlug ein, aber nicht durch - das Glas hielt. Die Scheibe steht als Demonstration der Unverwundbarkeit im Hof des wichtigsten Datenzentrums der Europäischen Union, gleich hinter einem Acker an der vorletzten Station der Straßburger Buslinie 40. "Sie wurde mit einer mächtigen Schusswaffe getestet. Erfolgreich", sagt Zampaglione sichtlich zufrieden, er ist der Sicherheitschef der Anlage.

Inhalt:
  1. EU-Datenbanken: Neue Macht für die obskurste Behörde der EU
  2. Das Back-up liegt in einem Tunnel bei Salzburg

Zampaglione zeigt auf das kastenförmige Gebäude hinter sich. "Die Mauern sind sehr dick, die Fenster kugelsicher, sogar gegen Maschinengewehre." In dem Bunker lagern Namen und Fotos von Verbrechern, Fingerabdrücke von Asylbewerbern. Über diese Daten wacht die IT-Behörde EU-Lisa. Sie ist das wohl obskurste Amt der Europäischen Union. Aber das ändert sich gerade.

Digitale Privatsphäre Kriminalität und Migration

EU-Lisa ist die englische Abkürzung für "Europäische Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen im Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts". Ihre Aufgaben sind Betrieb und Sicherung von Datenbanken für Polizei und Einwanderungsbehörden. In diesem Monat hat die EU die Aufgaben von EU-Lisa und ihren 130 Mitarbeitern massiv erweitert. Die Behörde, die bisher nur Datenbank-Nerds interessierte, wird zum zentralen Element der Überwachung von Einwanderern, Einreisenden und allen, die die Polizei im Schengen-Raum sucht.

Hier laufen die Fäden eines "smarten" Netzes zusammen, das Europas Grenzen überwachen soll. Ohne Schlagbäume, dafür mit Serverfarmen und einer Suchmaschine. Sie soll durch die immer weiter anschwellenden Datenschätze pflügen, die am Stadtrand in Straßburg unter der Erde liegen. Mit dem gestärkten Mandat und der Vernetzung ihrer Datenpools wird EU-Lisa vom IT-Dienstleister des europäischen Sicherheitsapparates zu einem seiner unverzichtbaren Player.

Gefahndet wird nach Waffen, Personen, Autos

Stellenmarkt
  1. AKDB, Regensburg
  2. LOTTO Hessen GmbH, Wiesbaden

Die Datenbanken helfen, die Fragen zu beantworten, die Europa spalten: Wer kommt rein? Wer muss raus? Wer wird gesucht? Die Antworten liegen im Keller des Bunkers in einer mit Zugangscode gesicherten, hell erleuchteten Halle. Die Stimme von Stephan Brandes, dem deutschen Referatsleiter des Zentrums, kämpft gegen den Lärm der Klimaanlage. Die hält die Temperatur des Raumes immer zwischen 20 und 24 Grad, damit die Server nicht überhitzen. Sie sind das Herz von EU-Lisa und surren in den mannshohen Schränken vor sich hin, die hier im Rechenzentrum aufgereiht sind: "Wir haben da drüben das SIS. Eurodac ist da vorne rechts, in den weißen Schränken. Dahinter dann VIS und dahinter wiederum BMS. Und dahinten die Netzwerkverbindungen zur Außenwelt." Die Abkürzungen stehen für die verschiedenen Datenbanken; BMS ist die Technik, die Fingerabdrücke abgleicht.

SIS ist das Schengener Informationssystem, in das Polizisten über gesicherte Leitungen einspeisen, nach welcher Person, Waffe oder welchen Autos sie fahnden. Ihre Kollegen in anderen Schengen-Staaten - 22 aus der EU, dazu Norwegen, Island, die Schweiz und Liechtenstein - können die Meldungen im System sehen. 76 Millionen Alarmmeldungen sind in den blinkenden Plastik-Boxen im Inneren der Schränke gespeichert.

Das Back-up liegt in einem Tunnel bei Salzburg 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals bei Alternate.de
  2. (u. a. Grafikkarten, Monitore, Mainboards)
  3. 83,90€

TrollNo1 22. Nov 2018

Und ich rede von der willkürlichen Festlegung, was mit diesen neuen tollen Methoden der...

SanderK 22. Nov 2018

Gibt es doch eh schon :P Davon ab, war ich zu falschen Zeit am falschen Ort und wurde...

mimimi123 22. Nov 2018

In welchem Stock ist dieser Raum? Im Penthouse? Klingt gruselig die Behörde....


Folgen Sie uns
       


Festo Bionic Softhand und Softarm angesehen

Die Bionic Softhand ist ein robotischer Greifer, der der menschlichen Hand nachgebildet ist. Das Unternehmen Festo präsentiert sie auf der Hannover Messe 2019.

Festo Bionic Softhand und Softarm angesehen Video aufrufen
Chromium: Der neue Edge-Browser könnte auch Chrome besser machen
Chromium
Der neue Edge-Browser könnte auch Chrome besser machen

Build 2019 Wie sieht die Zukunft des Edge-Browsers aus und was will Microsoft zum Chromium-Projekt beitragen? Im Gespräch mit Golem.de gibt das Unternehmen die vage Aussicht auf einen Release für Linux und Verbesserungen in Google Chrome. Bis dahin steht viel Arbeit an.
Von Oliver Nickel

  1. Insiderprogramm Microsoft bietet Vorversionen von Edge für den Mac an
  2. Browser Edge auf Chromium-Basis wird Netflix in 4K unterstützen
  3. Browser Microsoft lässt nur Facebook auf Flash-Whitelist in Edge

Bethesda: Ich habe TES Blades für 5,50 Euro durchgespielt
Bethesda
Ich habe TES Blades für 5,50 Euro durchgespielt

Rund sechs Wochen lang hatte ich täglich viele spaßige und auch einige frustrierende Erlebnisse in Tamriel: Mittlerweile habe ich den Hexenkönig in TES Blades besiegt - ohne dafür teuer bezahlen zu müssen.
Ein Bericht von Marc Sauter

  1. Bethesda TES Blades erhält mehr Story-Inhalte und besseres Balancing
  2. Bethesda TES Blades ist für alle verfügbar
  3. TES Blades im Test Tolles Tamriel trollt

Motorola One Vision im Hands on: Smartphone mit 48-Megapixel-Kamera für 300 Euro
Motorola One Vision im Hands on
Smartphone mit 48-Megapixel-Kamera für 300 Euro

Motorola bringt ein weiteres Android-One-Smartphone auf den Markt. Die Neuvorstellung verwendet viel Samsung-Technik und hat ein sehr schmales Display. Die technischen Daten sind für diese Preisklasse vielversprechend.
Ein Hands on von Ingo Pakalski

  1. Moto G7 Power Lenovos neues Motorola-Smartphone hat einen großen Akku
  2. Smartphones Lenovo leakt neue Moto-G7-Serie

    •  /