Politik soll mitgestalten

Jan-Peter Kleinhans stellte ausdrücklich klar, man wolle nicht das Hohelied des Marktes singen und die Politik heraushalten. Der geplante, kleinteilige und auf sehr viele Daten angewiesen Ansatz sei allerdings zum Scheitern verurteilt. Julia Hess kritisierte die teils sehr tiefgreifenden Maßnahmen wie Exportbeschränkungen, da sie Unternehmen von Investitionen abschrecken könnten.

Stellenmarkt
  1. Consultant for Digital Transformation and Cloud Solution Engineer (m/f/d)*
    Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München, München
  2. System Manager (m/w/d)
    ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH, Albstadt
Detailsuche

Sie sehen die europäische Politik vielmehr in der Verantwortung, einen Überblick über die Produktionskette von Halbleitern zu erarbeiten. Mit diesem ließen sich problematische Situationen wesentlich besser erkennen und das, ohne viele Daten zu sammeln. Die seien nämlich bereits öffentlich zugänglich verfügbar und müssten nur zusammengeführt werden.

Das von der SNV vorgeschlagene Krisenmanagement sei zudem kostengünstig - mit wenigen Millionen Euro, so Kleinhans und Hess, könne so eine nachhaltige und langfristige Politik verfolgt werden. Die würde aus strategischen Partnerschaften und einer gezielten Verteilung von Subventionen bestehen. Investitionen könnten dadurch in potentiell kritische Bereiche der Wertschöpfungskette gelenkt werden. Laut Hess könne die Politik damit den Krisenmodus, der zum European Chips Act führte, verlassen und bei der nächsten Knappheit besonnen reagieren.

Dass die Kritik an der geplanten Regelung berechtigt ist, haben die vergangenen zwei Jahre gezeigt. Anfälligkeiten der Halbleiterfertigung traten regelmäßig zum Vorschein: Ob Neon- oder Gasknappheit durch den Ukrainekrieg, fehlende Wafer oder lange Lieferzeiten bei Ausrüstung für Halbleiter-Fabs. All das erfasst der diskutierte technokratische Ansatz der EU-Kommission nicht - und dieser kann entsprechend erst reagieren, wenn es zu spät ist.

Industrie muss Beschaffung überdenken

Golem Karrierewelt
  1. Advanced Python – Fortgeschrittene Programmierthemen: virtueller Drei-Tage-Workshop
    23.-25.01.2023, Virtuell
  2. Cinema 4D Grundlagen: virtueller Drei-Tage-Workshop
    05.-07.09.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Julia Hess machte darüber hinaus deutlich, dass die Probleme der Automobilindustrie beim Chipmangel auch hausgemacht seien. Hier habe man die Reaktionszeit der Halbleiterfertigung unterschätzt, Just-in-Time gehe bei Halbleitern nur so lange gut, bis stärkere Nachfrageschwankungen aufträten. Hess appelliert daher an die betroffenen Unternehmen, ihre Beschaffungsprozesse zu überdenken. Eine langfristigere Planung mit größerem Inventar helfe, Knappheiten zu überbrücken.

Auch EU-Mitglieder sind unzufrieden

Die dritte Säule des European Chips Act ist Teil eines größeren Plans zur Krisenprävention. Der hat den Titel Single Market Emergency Instrument (SMEI) und ist auch in der EU umstritten. Denn hier sollen dieselben Mechanismen - Marktbeobachtung, Sammelbestellungen und Exportrestriktionen - genutzt werden. Kleinhans sagte, nach Beobachtungen der SNV führe die dritte Säule zu den meisten Diskussionen, eine Verzögerung des Chips Acts hierdurch sieht er allerdings nicht.

Die diskutierten Befugnisse der EU-Kommission im Rahmen des SMEI gehen einigen Mitgliedern zu weit. Anfang Juni 2022 berichtete Bloomberg, dass neun EU-Länder, darunter Schweden, Finnland und die Niederlande, mit dem geplanten Krisenmanagement der EU unzufrieden seien. Sie befürchten, dass die EU zu großen Einfluss auf die Industrie nehmen könnte - auch unabhängig von Krisen.

Laut Kleinhans ist es daher durchaus denkbar - und wünschenswert -, dass das aktuell geplante Krisenmanagement im Trilog, der finalen Aushandlung zwischen Europäischer Kommission, Rat und Parlament, noch abgeändert wird.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 EU Chips Act: Untaugliches Bürokratiemonster gegen Chipmangel
  1.  
  2. 1
  3. 2


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
25 Jahre Dungeon Keeper
Wir sind wieder richtig böse!

Nicht Held, sondern Monster: Darum geht's in Dungeon Keeper von Peter Molyneux. Golem.de hat neu gespielt - und einen bösen Bug gefunden.
Von Andreas Altenheimer

25 Jahre Dungeon Keeper: Wir sind wieder richtig böse!
Artikel
  1. bZ4X: Toyota bietet Rückkauf seiner zurückgerufenen E-Autos an
    bZ4X
    Toyota bietet Rückkauf seiner zurückgerufenen E-Autos an

    Toyota bietet Kunden den Rückkauf seiner Elektro-SUVs an, nachdem diese im Juni wegen loser Radnabenschrauben zurückgerufen wurden.

  2. Laptops: Vom Bastel-Linux zum heimlichen Liebling der Entwickler
    Laptops
    Vom Bastel-Linux zum heimlichen Liebling der Entwickler

    Noch vor einem Jahrzehnt gab es kaum Laptops mit vorinstalliertem Linux. Inzwischen liefern das aber sogar die drei weltgrößten Hersteller - ein überraschender Siegeszug.

  3. Entwicklerstudio: Eidos Montreal möchte Cyberpunk 2077 mit Deus Ex toppen
    Entwicklerstudio
    Eidos Montreal möchte Cyberpunk 2077 mit Deus Ex toppen

    Eidos Montreal würde gerne ein neues Deus Ex machen. Der Plan, damit Cyberpunk 2077 zu übertrumpfen, scheitert aber vorerst an einem Detail.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MindStar (u. a. Samsung 980 1 TB 77€ und ASRock RX 6800 639€ ) • Alternate (u. a. Corsair Vengeance LPX 8 GB DDR4-3200 34,98€ ) • AOC GM200 6,29€ • be quiet! Deals • SSV bei Saturn (u. a. WD_BLACK SN850 1 TB 119€) • Weekend Sale bei Alternate • PDP Victrix Gambit 63,16€ [Werbung]
    •  /