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ETSI: Überwachungsstandards für den 5G-Polizeifunk

Wie alle Mobilfunknetze wird auch das Blaulichtnetz aufgebohrt. Dadurch ist Europa nur einige Mausklicks von Zuständen wie im Iran entfernt.
/ Erich Moechel
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Wozu soll die Überwachbarkeit des Polizeifunks eigentlich gut sein? (Bild: cocoparisienne / Pixabay)
Wozu soll die Überwachbarkeit des Polizeifunks eigentlich gut sein? Bild: cocoparisienne / Pixabay
Inhalt
  1. ETSI: Überwachungsstandards für den 5G-Polizeifunk
  2. Wie der Polizeifunk überwacht wird
  3. Cui bono?
  4. Von Lawful Interception zur Massenüberwachung

Die im European Telecom Standards Institute (ETSI) entwickelten Mobilfunktechnologien haben die Welt erobert. Von China bis Kanada und von Russland bis Südafrika sind mittlerweile 5G-Netze in Betrieb. Dass die ursprünglich starke Konkurrenz durch die US-Mobilfunkstandards CDMA und Wimax vom Markt gefegt wurde, ist allerdings nicht allein auf die technische Überlegenheit der ETSI-Standards zurückzuführen.

Der Siegeszug des 3/4/5G-Mobilfunks beruht auch auf zwei weiteren Faktoren. Seit GSM sind die Abrechnungssysteme integriert, denn es galt immer schon der Grundsatz, dass alle neuen Services verrechenbar sein müssen.

Der zweite entscheidende Faktor ist die Überwachbarkeit der Netze, zumal Schnittstellen zur Überwachung von Anfang an eingebaut waren. In der Regel wird mit der Arbeit an diesen Schnittstellen schon begonnen, während der Kommunikationsstandard selbst noch in der Phase technischer Studien ist. Das jüngste Beispiel dafür sind die künftigen 6G-Mobilfunknetze (g+) , deren Überwachbarkeit bereits in Arbeit ist.

Smartphones als Walkie-Talkies

Paradoxerweise betreffen die Vorgaben, dass alle im ETSI entwickelten Kommunikationsnetze behördlich überwachbar sein müssen, auch die Netze der Behörden selbst. Seit dem Frühjahr steht fest, dass die Blaulichtorganisationen und die Bundeswehr sukzessive in LTE/5G-Netze übersiedeln werden .

Dafür werden bei Vodafone und den anderen Anbietern virtuelle Netzbetreiber eingezogen, deren Datenverkehr priorisiert wird. Hier geht es um Bandbreiten, die es in den digitalen Tetranetzen der Behörden schlicht nicht gibt. Tetra ist nämlich von den GSM-Standards technisch abgeleitet, mit all deren Limitationen.

Die wichtigste Funktion für die Einsatzkräfte ist Gruppenkommunikation nach dem Prinzip Push-to-Talk over Cellular (PTC), vergleichbar mit der Kommunikation von Funkamateuren über eine Relaisstation. Wer zuerst die Sendetaste drückt, kann über die Relaisstation so lange übertragen, bis die Taste losgelassen wird.

Serveremulation ersetzt die analoge PTC-Technik

In den nächsten PTC-Netzen der Blaulichtorganisationen wird diese jahrzehntealte Analogtechnik für Gruppenkommunikation durch den Einsatz von Servern emuliert. Ein PTC-Server sorgt für die Adressierung des jeweiligen Calls an die beteiligten Endgeräte; über einen Floor-Control-Server wird deren Reihenfolge administriert, was etwa der analogen Sprecherlaubnis entspricht.

Die dabei verwendeten Akronyme bedeuten Folgendes:

  • ADMF = Administration Function
  • CC-POI = Call Content Point Of Interception
  • HI-1/2/3 = Interface 1/2/3
  • IRI-POI = Intercept Related Information Point Of Interception
  • LEA = Law Enforcement Agency
  • LEMF = Law Enforcement Monitoring Facility
  • LI = Lawful Interception
  • LICF = Lawful Interception Control Function
  • LIPF = LI Provisioning Function
  • MDF = Mediation and Delivery Function
  • POI = Point Of Interception
  • PTC = Push to Talk over Cellular

Diese Art der Kommunikation ist technisch anders als gewöhnlicher Telefonieverkehr abzuhören und obendrein muss die Verschlüsselung umgangen werden.


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