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Essenbach: Neue KI-Ampel in Bayern sorgt für Wirbel

In der Gemeinde Essenbach erregt seit drei Monaten eine KI-gesteuerte Ampel die Gemüter. Der Betreiber warnt vor zu hohen Erwartungen.
/ Andreas Donath
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KI-Ampel nervt Autofahrer. (Symbolbild) (Bild: pixabay.com / tomgirlby)
KI-Ampel nervt Autofahrer. (Symbolbild) Bild: pixabay.com / tomgirlby

Eine mit künstlicher Intelligenz ausgerüstete Ampelanlage soll in der niederbayerischen Gemeinde Essenbach den Verkehr regeln. Laut einem Bericht von BR24(öffnet im neuen Fenster) sind die Anwohner nicht begeistert.

Die Einweihung der Anlage Anfang April war ein Medienereignis. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) überquerte demonstrativ mit dem Fahrrad die Kreuzung.

Inzwischen legte sich die anfängliche Euphorie. Bürgermeister Dieter Neubauer (CSU) sieht sich zunehmend mit Beschwerden konfrontiert. "Die soll intelligent sein? Wenn die intelligent ist, dann bin ich ein Genie" , zitiert er einen frustrierten Bürger.

Die Unzufriedenheit zeigt sich besonders an den Seitenstraßen. Hier stauen sich dem Bericht nach die Fahrzeuge, selbst wenn die Hauptstraße frei ist.

Lernprozess und Fokus auf Fußgängersicherheit

Stephan Stroh, Leiter des Verkehrsmanagements der zuständigen Landesbaudirektion, erklärt die Situation. Die KI funktioniere, benötige aber Zeit zum Lernen. Er vergleicht das System mit einem Fahranfänger, der theoretisches Wissen in praktische Erfahrung umsetzen muss.

Ein wesentlicher Aspekt, der bei vielen Autofahrern für Unmut sorgt, ist der Fokus der KI auf Fußgängersicherheit. Das System kann zwischen verschiedenen Fußgängertypen unterscheiden und passt die Ampelschaltung entsprechend an.

Die Ampel erkennt Bewegungsmuster und reagiert darauf. Nähert sich ein Fußgänger, wird die Grünphase angepasst. Für Radfahrer gibt es spezielle Anzeigen, die ihnen helfen sollen, die Grünphase zu erreichen. Auch Rettungsfahrzeuge werden berücksichtigt. Bei Blaulicht schaltet die Ampel für alle anderen auf Rot.

Entgegen der Erwartungen vieler Autofahrer liegt das Hauptaugenmerk nicht auf der Optimierung des Verkehrsflusses. Technisch wäre eine KI-Steuerung für den gesamten Kreuzungsbereich möglich, rechtlich sei dies jedoch noch nicht umsetzbar, heißt es in dem Bericht.

Das Pilotprojekt soll nach einem Jahr evaluiert werden.

Andere KI-Ampeln ärgern Autofahrer auch

Auch eine andere KI-Ampel macht Ärger. In der Stadt Hamm wurde ein Exemplar in Betrieb genommen. Die neue Ampel verrichtet ihre Arbeit jedoch bisher offenbar nicht reibungslos. So hat die neue KI-Ampel einem Bericht zufolge einen heftigen Verkehrsstau ausgelöst . Die KI-Ampel stand demnach auf Dauerrot, obwohl kein Fußgänger in der Nähe war. Einige Autofahrer wurden mit der Zeit ungeduldig und passierten die rote Ampel vorsichtig – andere warteten, bis die Polizei eintraf, um den Verkehr zu regeln. Diese musste wohl bereits eine Woche zuvor an der neuen KI-Ampel in den Verkehr eingreifen.


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