Abo
  • Services:

Escape Dynamics: Firma für mikrowellenbetriebene Raumschiffe ist bankrott

Die Firma Escape Dynamics wollte einen mikrowellenbetriebenen Raumgleiter bauen, der kleine Nutzlasten kostengünstig in den Orbit bringen sollte. Nun ist die Firma pleite.

Artikel veröffentlicht am ,
Der wiederverwendbare Raumgleiter mit Hitzeschild wurde nie real gebaut.
Der wiederverwendbare Raumgleiter mit Hitzeschild wurde nie real gebaut. (Bild: Escape Dynamics)

Einen Raumgleiter mit Mikrowellen von der Erde aus antreiben: Im vergangenen Juni erregte die Firma Escape Dynamics einiges Aufsehen, als sie ihr Konzept ankündigte. Sie wollte ein wasserstoffbetriebenes Triebwerk von außen durch Mikrowellen mit Energie versorgen. Rein physikalisch lässt sich damit tatsächlich der gleiche Schub realisieren wie bei einem Wasserstoff-Sauerstoff-Triebwerk - mit dem halben Treibstoffverbrauch.

Stellenmarkt
  1. Bechtle Onsite Services, Neckarsulm, Stuttgart, Ingolstadt
  2. SEG Automotive Germany GmbH, Stuttgart-Weilimdorf

Im Resultat muss ein kleinerer Teil der Startmasse aus Treibstoff bestehen, um dennoch den Orbit zu erreichen. Auf dieser Grundlage hatte die Firma ein Whitepaper verfasst und einen gerenderten Werbefilm produziert, um Investoren anzulocken.

Im August hatte ein Mitarbeiter der Firma ein längeres Interview in der wöchentlichen Raumfahrtshow TMRO gegeben. Dazu kamen diverse Versprechen auf der Webseite, die inzwischen weitgehend geschlossen ist.

Das Scheitern war absehbar

Doch das Scheitern der Firma war schon angesichts der eigenen Zahlen absehbar - dabei hat Escape Dynamics nur eine einzige konkrete Zahl veröffentlicht. Allein für die Batterien, die den Stromspeicher für die Mikrowellenemitter darstellen sollten, wurde ein Preis im Bereich von "einigen 10 Millionen Dollar" angesetzt.

Die Mikrowellen sollten mit einem Feld aus Parabolantennen auf dem Raumschiff konzentriert werden, das einen Durchmesser von etwa einem Kilometer haben sollte. Es sollte aus "mehreren Hundert" Antennen mit 8 bis 12 Metern Durchmesser bestehen. Die Konstruktionskosten dafür wurden nirgendwo erwähnt. Als Richtwert kann aber das Allen Telescope Array gelten. Dort wird ein Preis von 42 Millionen Dollar für 308 noch zu bauende Antennen mit 6 Metern Durchmesser veranschlagt.

Prototypen in Spielzeuggröße und Computergrafiken

Über den tatsächlichen Bau der Hardware oder ihre Kosten wurde nie etwas bekannt. Die einzigen Prototypen, die auch im Rahmen des Interviews mit TMRO gezeigt wurden, waren so groß wie Spielzeuge. Der Raumgleiter bestand bis zuletzt nur aus Computergrafiken. Weder die Triebwerke noch der Mikrowellenabsorber oder die schwierig umzusetzenden Wasserstofftanks aus Kohlefaserkomposit wurden jemals real gebaut. Ganz zu schweigen von einem wiederverwendbaren Raumgleiter mit Hitzeschild.

Wie schwierig und teuer sich die Entwicklung in diesem Bereich gestaltet, zeigt die als Nachfolger des Space Shuttles geplante Raumfähre X-33, in deren Entwicklung Lockheed-Martin über 900 Millionen Dollar steckte. Eines der größten ungelösten Probleme bei dem bereits 2001 aufgegebenen Projekt war der undichte Wasserstofftank aus Kohlefaserkomposit.

Escape Dynamics wollte Nutzlasten von 200 Kilogramm in einen niedrigen Erdorbit bringen und dabei die Preise der Konkurrenz um 90 Prozent unterbieten. Die Konkurrenz heißt Rocketlabs. Das Unternehmen wollte in diesem Jahr eine ebenso große Nutzlast mit einer klassischen Wegwerfrakete mit Kerosinantrieb transportieren. Die Rakete ist bereits fertig gebaut, nur die Startrampe befand sich zuletzt noch im Bau. Sie hat ein am Boden erprobtes Triebwerk und viel leichter zu handhabenden Treibstoff. Jeder Start der Electron von Rocketlabs soll 5 Millionen Dollar kosten.

Wegen der Investitionskosten wäre aber selbst mit Umsätzen von 5 Millionen Dollar pro Flug kein profitabler Einsatz des Raumgleiters von Escape Dynamics denkbar gewesen. Das Ausbleiben von Investoren für diese Firma ist insgesamt ein gutes Zeichen. Offensichtlich ist die Investitionsblase in der Raumfahrt nicht so weit außer Kontrolle geraten, dass völlig unbedacht in jedes Konzept nur aufgrund von Versprechungen investiert wird. Vielleicht ist es auch der Anfang vom Ende der Blase.



Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. 3 Blu-rays für 15€, 2 Neuheiten für 15€)

Bleistiftspitze 08. Feb 2016

Eine Designstudie steht nunmal immer an Anfang eines Projektes. Wenn man nicht bereit ist...

Frank... 06. Feb 2016

Firefly versucht die Vorteile "mal eben mitzunehmen", indem den Spike zwischen 12...


Folgen Sie uns
       


Pocophone F1 - Test

Das Pocophone F1 gehört zu den günstigsten Topsmartphones auf dem Markt - nur 330 Euro müssen Käufer für das Gerät bezahlen. Dafür bekommen sie eine Dualkamera und einen Snapdragon 845. Wer mit ein paar Kompromissen leben kann, macht mit dem Smartphone nichts falsch.

Pocophone F1 - Test Video aufrufen
Agilität: Wenn alle bestimmen, wo es langgeht
Agilität
Wenn alle bestimmen, wo es langgeht

Agiles Arbeiten ist, als ob viele Menschen gemeinsam ein Auto fahren. Aber wie soll das gehen und endet das nicht im Riesenchaos?
Von Marvin Engel

  1. Software-Entwickler CDU will Online-Weiterbildung à la Netflix
  2. Bundesagentur für Arbeit Ausbildungsplätze in der Informatik sind knapp
  3. IT-Jobs "Jedes Unternehmen kann es besser machen"

Coachingbuch: Metapher mit Mängeln
Coachingbuch
Metapher mit Mängeln

Der Persönlichkeitscoach Thomas Hohensee plädiert in seinem neuen Buch dafür, problematische Kindheitsmuster zu behandeln wie schadhafte Programme auf einem Rechner: mit Reset, Updates und Neustart. Ein origineller Ansatz - aber hält er dem Thema stand?
Von Cornelia Birr

  1. Elektronisch Arzneimittelrezept kommt auf Smartphone
  2. Relayr Rückstandsglaube als Startup-Vorteil
  3. Liberty Global Ericsson übernimmt Netzwerkbetrieb bei Unitymedia

Battlefield 5 im Test: Klasse Kämpfe unter Freunden
Battlefield 5 im Test
Klasse Kämpfe unter Freunden

Umgebungen und Szenario erinnern an frühere Serienteile, das Sammeln von Ausrüstung motiviert langfristig, viele Gebiete sind zerstörbar: Battlefield 5 setzt auf Multiplayermatches für erfahrene Squads. Wer lange genug kämpft, findet schon vor der Erweiterung Firestorm ein bisschen Battle Royale.

  1. Dice Raytracing-Systemanforderungen für Battlefield 5 erschienen
  2. Dice Zusatzinhalte für Battlefield 5 vorgestellt
  3. Battle Royale Battlefield 5 schickt 64 Spieler in Feuerring

    •  /