Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Erster Blick auf iOS 7: Neuanfang mit iTunes Radio und knalligen Farben

Golem.de hat mit iOS 7 schon einmal eine kleine Rundreise gewagt, die uns von Berlin nach Caerdydd und Bristol wieder zurück nach Berlin führte. Dabei haben wir iTunes Radio ausprobiert, uns an die neuen Farben und die Bedienung gewöhnt und neue Roaming-Daten gesehen.
/ Andreas Sebayang
170 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Bunte neue Welt, iOS 7 geizt nicht mit den Farben. (Bild: Apple/Screenshot: Golem.de)
Bunte neue Welt, iOS 7 geizt nicht mit den Farben. Bild: Apple/Screenshot: Golem.de

Apples neues Betriebssystem iOS 7 ist zwar noch eine frühe Betaversion, aber durchaus schon benutzbar. Mit der 7 in der Versionsnummer versucht Apple einen Neuanfang für iPhone, iPad und iPod Touch. Dabei wurde das mobile Betriebssystem einem radikalen Designwechsel unterzogen. Apple hat aber auch an einigen Feinheiten gearbeitet und die Bedienung umgestellt. Wer iOS 6 kennt, muss sich erst umgewöhnen.

iOS 7 auf dem iPhone 5 ausprobiert
iOS 7 auf dem iPhone 5 ausprobiert (01:43)

Wir haben für den Anfang iOS 7 auf einem iPhone 5 ausprobiert, und zwar im Praxiseinsatz. Es ist eine erste Vorschau, denn Apple wird an vielen Stellen noch Veränderungen vornehmen und an der Stabilität arbeiten. Möglicherweise wird einiges von dem, was hier besprochen wird, in der finalen Version von iOS nicht mehr vorhanden sein. Apple will sich noch bis zum Herbst 2013 mit der neuen Version Zeit lassen.

Ausprobiert haben wir iOS 7 bei einer kleinen Rundreise, so dass wir uns auch roamingspezifische Funktionen anschauen konnten. Die Reise, die in den Screenshots dokumentiert ist, führte uns von Berlin in die walisische Hauptstadt Caerdydd (englisch Cardiff), in die englische Stadt Bristol und wieder zurück nach Berlin.

Schneller Wechsel auf iOS 7 und ein Farbschock

Die Installation von iOS 7 war auf dem iPhone 5 erstaunlich schnell. Wie schon bei früheren Systemen ist eine komplette Synchronisation der Inhalte nicht mehr notwendig. Apple tauscht nur das Betriebssystem aus, rührt Inhalte wie Fotos, Videos, Apps und Musik auf dem iPhone nicht an und lässt die Daten, wo sie sind. In der Theorie ist damit kein extra Backup notwendig. Wir raten dennoch zu regelmäßigen Backups, insbesondere vor der Installation eines neuen Betriebssystems.

Ein erster Farbschock

Was wir nach erfolgreicher Installation sahen, war ein wenig grell für das an iOS 6 oder Android gewöhnte Auge. Mit Ausnahme des knallbunten Samsung-Androids sind wir so starke Signalfarben in dieser Häufung nicht gewohnt. Insbesondere mit den Apps oder Hintergründen im alten Design beißt sich das neue. Andererseits erfreuen uns die klare Schrift und der Minimalismus, der uns ein wenig an pures Android oder Android auf Sony-Geräten erinnert. Das neue Design teilt offenbar die Nutzer in zwei Lager. Den einen gefällt es, und die anderen machen sich beispielsweise über die Webseite Jony Ive redesigns things(öffnet im neuen Fenster) über das neue Design lustig. Bei der täglichen Benutzung fiel uns das neue Design aber gar nicht mehr so stark auf; wir gewöhnten uns schnell dran.

Beim ersten Ausprobieren irritierte uns auch die Bedienung. Viele Gesten wurden verändert - angefangen bei Löschgesten, über den Aufruf der Suche bis hin zum Multitasking. Gelöscht werden Inhalte nun mit einem Wisch nach links, die Suche wird auf der App-Übersicht mit einem Wisch nach unten aktiviert, allerdings darf nicht oben angesetzt werden. Anwendungen im Multitasking werden beendet, indem sie vertikal nach oben herausgewischt werden. Vor allem die neue Suche ist praktischer, ist der Sprung zur ersten App-Seite doch unnötig geworden.

Ebenfalls komplett neu ist die Steuerung der Musik, die nun Zugriff auf zahlreiche andere Systemelemente ermöglicht. Ein Wisch von unten nach oben führt in ein leicht transparentes Menü, das nicht nur die Musiksteuerung beinhaltet, sondern auch Helligkeitseinstellungen und die von vielen vermisste direkte Ansteuerung des Flugmodus oder das Aktivieren von Bluetooth.

Außerdem lassen sich die Taschenlampe, die Airplay-Einstellungen, der Wecker und die Helligkeit direkt aufrufen, ohne den umständlichen Weg in die Systemeinstellungen gehen zu müssen. Den Komfort kennen Android-Nutzer schon lange.

Inkonsistente Bedienung und Optik werden beseitigt

Apple beseitigt mit dem Update auf iOS 7 zudem die inkonsistente Bedienung von iOS 6 und seinen Vorgängern. Viele Funktionen, die mit jeder iOS- und vorher noch iPhoneOS-Version hinzukamen, zeigten, dass hier nicht überall dem gleichen Bedienungsparadigma gefolgt wurde. Die Nachrichten oder Erinnerungen passten nicht so recht in iOS und wirkten aufgesetzt. Das Gleiche gilt auch für das Gamecenter und so manche Altanwendung, die mit Holz und Stofftexturen nicht so recht in den eher metallenen Look von iOS passte. Noch hat Apple allerdings nicht alle eigenen Anwendungen angepasst, und auch Drittentwickler müssen für iOS 7 etwas umdenken.

Das wird aber nicht so schnell passieren. Noch heute gibt es Anwendungen, die weder an das Retina-Display noch an das Seitenverhältnis des iPhone 5 angepasst wurden. Wir rechnen damit, dass zumindest die erfolgreichen Apps bald angepasst werden. Einige Anpassungen sind trotzdem in Altanwendungen sichtbar. Standarddialoge und Fortschrittsbalken, die das System bereitstellt, sind in diesen Anwendungen teils schon sichtbar und sehen teils etwas eigenartig aus. Zudem gibt es aufgrund des frühen Betastatus von iOS 7 noch ein paar Anzeigeprobleme. Auch Entwickler sollten bei der Anpassung erst einmal vorsichtig sein. Apples neue iOS-Version ist noch nicht fertig.

Viele Animationen, die kaum stören

Das ganze System arbeitet nun mit zahlreichen animierten Übergängen, die nicht aufdringlich wirken. Allerdings fällt schon auf, wenn eine App im alten Stil aktiv wird und dann ein Wechsel geschieht. Die Animationen sind über das gesamte System zu sehen und verdeutlichen stärker, dass der Anwender in eine Anwendung herein- oder aus einer Anwendung herausgeführt wird. Das gilt auch für das Öffnen von App-Ordnern, die nun mehrere Seiten beinhalten können. Auch hier wird hinein- und herausgezoomt.

Apple arbeitet nun auf der Oberfläche auch mit einem 3D-Effekt. Wer das iPhone etwas bewegt, kann so hinter die Icons der Apps auf den Bildschirmhintergrund schauen. Uns ist der Effekt etwas zu stark. Er irritiert. Wer will, kann auch einfach das Standard-Wallpaper aktivieren. Das arbeitet mit Animationen, die weniger aufdringlich sind, und der 3D-Effekt ist nur noch bei den über den Icons schwebenden Zahlen leicht wahrnehmbar.

Verändert wurden auch zahlreiche andere Anwendungen. Die Wetter-Anwendung hat Apple nun ebenfalls mit gelungenen Animationen ergänzt. Dabei sah vor allem das schlechte Wetter, das wir in Wales und England erlebt haben, besonders hübsch aus, während der Sonnenschein in Berlin eher langweilig wirkt. Außerdem werden in der App nun die Zeiten für den Sonnenuntergang und -aufgang angezeigt.

Viel benutzt werden sicher die Kurznachrichten und das E-Mail-Programm, das dem neuen Layout folgt. Auch Safari wurde aktualisiert und erinnert jetzt in der Bedienung stark an Googles Chrome mit den zur Seite wegschiebbaren Tabs. Alle Kleinigkeiten aufzuzählen, die verändert wurden, würde den Rahmen des Artikels sprengen. Wir beschreiben daher zahlreiche Neuerungen als Bildunterschrift in der Screenshot-Galerie und beschränken uns im Folgenden auf den Praxiseinsatz.

iTunes Radio und Roaming

Nach dem derzeitigen Stand blockiert Apple seinen iTunes-Radio-Service in anderen Ländern nicht. Auch wenn der Nutzer in ein Land reist, in dem Apple noch keine lokalen Verträge mit der Musikwirtschaft geschlossen hat, werden die Inhalte also nicht einfach geblockt. Das ist nicht selbstverständlich: Andere Anbieter blocken Inhalte für IPs, die nicht aus dem Zugangsland kommen. Deshalb bevorzugen wir Apples Dienst beispielsweise auch für TV-Serien - auch wenn es nicht einfach ist, US-Guthaben zu bekommen, denn deutsche Kreditkarten funktionieren dafür nicht.

Bei unserem iOS-Praxistest konnten wir Apples Internetradio nutzen, obwohl wir uns in Deutschland befanden. Wir haben einen US-Account verwendet und konnten daher ohne Probleme iTunes Radio sozusagen als Tourist in Deutschland nutzen.

Da die Radiofunktion einigen Datenverkehr erzeugt, fragt die Musik-App vor der Nutzung des Mobilfunknetzes nach, ob der Stream über dieses Netz erlaubt werden soll. Das ist eine sinnvolle Entscheidung. In Deutschland konnten wir nach dem Abnicken der Warnung über den Mobilfunk gut Radio hören. Allerdings gerät der Nutzer ziemlich schnell in die Drosselung, sofern er eine Flatrate hat. Eine halbe Stunde Radio schlägt sich mit um die 40 MByte an Daten in der Statistik nieder.

Bei schlechter Netzverbindung jenseits der -110 dB kommt es zu Abbrüchen des Musikstroms. In der dämpfenden Hosentasche oder im Berliner Umland kommt das häufig vor. Es ist weiter möglich, sich die dB-Werte statt der sinnlosen Balken, die jetzt neuerdings Kreise sind, anzeigen zu lassen, so dass sich Probleme schnell zuordnen lassen. Selbst in der Berliner U-Bahn, wo nur EDGE vorhanden ist, funktioniert der Dienst sonst gut. Nach unserer Beobachtung muss der Nutzer keinen Abbruch mitten in einem Lied befürchten. Lieder wurden immer komplett zwischengespeichert und dementsprechend abgespielt. Beim Beobachten der Statistik kamen wir zu dem Schluss, dass jeweils ein Stück im Cache landet.

Wir haben die werbefinanzierte Version verwendet, die ab und an mit gesprochenen Inhalten die Musik unterbricht ( "You're listening to iTunes Radio" ) und Werbung für Apple und Alben im iTunes Store macht. Im Moment passiert das - sicher auch mangels Werbekunden - nur sehr selten. Anders als beim terrestrischen Radio muss der Anwender bisher nicht damit rechnen, dass Jingles oder Sprecher die Lieder unterbrechen. Ein iOS mit integriertem Radio wird terrestrischen Sendern, die Lieder häufig nicht zu Ende spielen, sicherlich schaden. Unterschiede zum Radio gibt es durch die Personalisierung. Gefällt dem Nutzer der aktuelle Song nicht, überspringt er ihn einfach oder schließt ihn dauerhaft aus. Gefällt ihm ein Stück, kann er das Apple per Klick mitteilen. Das sollte Einfluss auf den virtuellen Sender haben.

Apples Radio ist in den Store integriert. Dort gibt es auch Links zu der Möglichkeit, die gehörten Songs zu kaufen. Wer will, kann sich auch anschauen, welche Songs vorher liefen. Gezielt kann ein Lied nur gehört werden, wenn es gekauft wird. Es kommt aber durchaus vor, dass ein Song ein zweites Mal in der Rotation auftaucht. Beim Anhören des Hip-Hop-/R&B-Senders fiel uns zudem auf, dass alle Songs in der Clean-Version abgespielt werden. S-, F- oder N-Wörter, die bei dem Genre nicht ungewöhnlich sind, gibt es dort nicht.

Mit einem deutschen iTunes-Account funktionierte die Radiooption nicht. Sie wird gar nicht erst in der Musik-App angeboten. Wichtig für die Nutzung der Radiosender ist, dass der Nutzer in den App Stores in den US-Store gewechselt hat. Gegebenenfalls ist bei der Betaversion von iOS 7 ein Neustart notwendig. Momentan sieht es nicht aus, als würde Apple das Verwalten mehrerer Apple-IDs mit iOS 7 vereinfachen. Das bleibt dem Apple TV vorbehalten.

Detaillierte Statistiken zum Datenverkehr

Mit iOS 7 integriert Apple auch sinnvolle Statistiken rund um den Nutzen von Datenvolumen über die Mobilfunkeinheit. Sehr praktisch fanden wir die Trennung zwischen Roaming-Datenverkehr und Datenverkehr im Heimnetz, als wir uns in Caerdydd und Bristol befanden. Das erspart dem Nutzer den Reset der Statistiken vor einer Reise und zeigt deutlicher, ob das gebuchte Volumen ausreicht. Zudem sind nun Statistiken für einzelne Apps verfügbar.

Der Anwender sieht so beispielsweise, dass Karten-Apps, die mit vektorbasierten Karten arbeiten, im Ausland sinnvoller sind, als Apps, die noch grafische Kacheln herunterladen. Mit den neuen Statistiken sieht der Nutzer insgesamt sehr viel schneller, welche App und auch welcher Systemdienst das Volumen seines Vertrages belastet und kann Apps einzeln den Datenverkehr untersagen. Die Funktionsweise ist identisch mit der zahlreicher Privatsphäreneinstellungen. Apple bietet schon länger die Möglichkeit, den Apps nachträglich oder generell den Zugriff auf bestimmte Funktionen zu untersagen.

Vorläufiges Fazit zum neuen iOS 7

Die Beta von iOS 7 ist für Entwickler bereits für wenige Geräte verfügbar. Für den Alltagsbetrieb ist sie aber nicht geeignet. Man merkt dem System noch den frühen Entwicklungsstatus an. Die Leistung ist selbst auf einem iPhone 5 nicht ideal und es gibt - wie zu erwarten - einige Abstürze. Die sind aber teils clever gelöst, denn das iPhone bootet anscheinend nicht alle Einheiten neu. Nach einem Absturz muss beispielsweise die SIM-Karte nicht wieder entsperrt werden. Apples iOS 7 wird voraussichtlich im Herbst 2013 fertiggestellt und unterstützt(öffnet im neuen Fenster) ab dem iPhone 4, dem iPad 2, dem iPad Mini und dem aktuellen iPod Touch alle Geräte aufwärts. Ob ältere Geräte noch iOS-6-Updates bekommen, um beispielsweise Sicherheitslücken zu schließen, ist derzeit unbekannt.

Fazit

Die frühe Beta zeigt schon, wo es hingeht. Apple versucht, das gesamte Design und die Bedienung zu vereinheitlichen und beseitigt damit Fehler vergangener iOS-Versionen. Der Neuanfang ist mutig, denn Apple muss damit rechnen, dass zahlreiche Apps dem neuen Design zunächst nicht folgen werden. Dazu kommen längst aufgegebene Apps, die immer noch nützlich sind, aber weder für das Retina-Display noch für das iPhone-5-Display je eine Anpassung bekommen werden.

Apple verzichtet wieder auf Kompatibilität für den Fortschritt des gesamten Systems. Dieses Mal ist es aber nur die optische Kompatibilität und ein wenig neue Bedienung. An beides kann sich der Anwender recht schnell gewöhnen. Nach ein paar Fehlbedienungen ist das Neue erlernt. Nicht Naheliegendes haben wir durch Zufall entdeckt. Wie die meisten Nutzer haben auch wir uns keine Bedienungsanleitung für iOS 7 angeschaut, und es klappt ohne erstaunlich gut.

Das Design hingegen ist Geschmackssache. Es gibt auch in unserem Umfeld einige, die mit den knalligen, fast schon psychedelischen Farben nicht so recht warm werden wollen, und an einigen Stellen wirkt iOS 7 durch den Minimalismus etwas unübersichtlich. Ein paar auffälligere Symbole oder Grafiken würden nicht schaden. Apple hat aber noch mehrere Monate Zeit, genau an diesen Stellen zu arbeiten. Nach derzeitigem Stand würden wir sagen, dass sich ein Wechsel von iOS 6 auf iOS 7 auf dem iPhone 5 lohnt. Über die anderen Systeme können wir noch keine Aussagen treffen.


Relevante Themen