Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Windkraft: Ausbau der erneuerbaren Energien gerät in Schieflage

Neue Daten zum Ausbautempo von Windkraft, Solarenergie und Biogas zeigen Fortschritte, aber auch große Lücken. Die Schieflage ist gefährlich.
/ Mario Petzold
11 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Windräder liefern über das Jahr verteilt verlässlicher Strom als Solaranlagen. (Bild: Pixabay/dodo71)
Windräder liefern über das Jahr verteilt verlässlicher Strom als Solaranlagen. Bild: Pixabay/dodo71

Die Bundesnetzagentur(öffnet im neuen Fenster) hat aktuelle Zahlen zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland veröffentlicht. In Bezug auf die geplante Ausbaugeschwindigkeit offenbaren die Zahlen einige Unwuchten, die in dieser Form nicht auftreten sollten, wenn die Energiewende möglichst preiswert vollzogen werden soll.

So liegt die Gesamtleistung aus Photovoltaik seit Jahren oberhalb des Zielwerts für das jeweilige Jahr. Bei der Windenergie hingegen droht die Lücke immer größer zu werden. Bereits seit 2018 liegt die zugebaute Leistung deutlich unter den Möglichkeiten und den Erfordernissen, um eine ausgeglichene Stromproduktion zu erreichen.

Nur, wenn die verschiedenen Stromquellen gleichmäßig ausgebaut werden, bleiben der Bedarf an Speichermöglichkeiten und die Notwendigkeit für Abschaltungen auf niedrigem Niveau. Zu viel Solarenergie und zu wenig Windkraft dagegen können den Zubau von unnötig vielen Stromspeichern erfordern oder zu hohe Energieimporte nötig machen.

Wind ist wichtiger als Sonne

Ein wenig anders sieht es bei den Offshore-Windparks aus. Hier könnte die geplante Zubauquote auch in diesem Jahr erreicht werden. Ob der schnelle Anstieg der Gesamtleistung der Offshore-Anlagen in den kommenden Jahren wie geplant zu erwarten ist, wird zum Bedenken einiger beteiligter Unternehmen jedoch unwahrscheinlicher.

Auch wenn die Solarenergie im Soll ist, wird der mangelnde Windkraftausbau Lücken in die Planungen reißen. Wind weht in den Wintermonaten stärker als im Sommer und über das Jahr verteilt relativ regelmäßig. Dadurch ergänzen Windräder nicht nur Photovoltaikanlagen hervorragend.

Sie versorgen das Stromnetz zudem stärker, wenn aufgrund des Wärmebedarfs im Winter der tägliche Stromverbrauch steigt. Bleibt der Windkraftausbau auf dem derzeit schwachen Niveau, wird die Stromproduktion in den Wintermonaten aus erneuerbaren Energiequellen zu niedrig ausfallen.

Lichtblick Biogas

Deutlich über dem Soll, selbst für 2030, ist aktuell Biogas. Im Vergleich zu aktuell 124 Gigawatt (GW) aus Photovoltaik und 70 GW aus Windkraftanlagen an Land hören sich derzeit 9 GW aus Biogasanlagen zwar wenig an, aber die Energiequelle ist regelbar und kann theoretisch durchgehend genutzt werden. Dann könnten die Anlagen eine Strommenge produzieren, für die 90 GW Photovoltaik notwendig wären.

Auch deshalb gibt es zumindest vereinzelt Pläne, die Leistung noch weiter anzuheben – auf 12 GW(öffnet im neuen Fenster), was einem Drittel bis Viertel der deutschen Grundlast entspricht. Dass es so weit kommt, ist allerdings ungewiss. In diesem Jahr (Stand Mai) gingen drei Megawatt Leistung aus Biogasanlagen verloren.


Relevante Themen