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Erneuerbare-Energien-Gesetz: Irrlichternd Richtung Energiewende

Die Bundesregierung sucht den Weg zu billiger Energie. Dabei verliert sie Ausbauziele aus dem Blick und verhindert niedrigere Strompreise.
/ Mario Petzold
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Photovoltaik auf Dächern hat einige entscheidende Vorteile. Hier auf einer Kirche in Cambridge, England. (Bild: Getty Images/Justin Tallis)
Photovoltaik auf Dächern hat einige entscheidende Vorteile. Hier auf einer Kirche in Cambridge, England. Bild: Getty Images/Justin Tallis

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte es mit Amtsantritt angekündigt: Die Energiewende in Deutschland muss pragmatischer, auch kostengünstiger werden. Überzeugen konnten die bisherigen Ansätze nicht.

Mit dem Bau neuer Gaskraftwerke sollten Versorgungslücken bei den erneuerbaren Energien geschlossen werden, dabei wären Stromspeicher deutlich sinnvoller, als teures Gas höchst ineffizient in Strom umzuwandeln.

Netzausbaupläne sollen kleiner ausfallen, wofür auch Prognosen zum zukünftigen Strombedarf nach unten kalkuliert wurden. Wie aber der günstige Windstrom von der Küste oder importierte Überproduktionen aus Nachbarländern dann noch bei den Verbrauchern ankommen sollen, erschließt sich in dem Plan nicht. Ganz zu schweigen von geplanten Elektrolyseuren im ganzen Land, die ebenfalls große Mengen Strom aus dem Netz entziehen und später wieder einspeisen sollten.

Kurzfristig ergibt alles Sinn

Zusammenfassen lassen sich die Ideen wie folgt: Jetzt wird kurzfristig gespart, um später die Rechnung zu zahlen, was dann vermutlich eine andere Regierung tun soll. Dazu passt auch der Entwurf zu Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz für 2027(öffnet im neuen Fenster).

Die Förderung für kleine Solaranlagen, vornehmlich auf Dächern, soll nicht etwa schneller auslaufen, sondern für einen Neubau direkt wegfallen. Gemeint ist konkret die Einspeisevergütung, die für selbst nicht genutzte und somit ins Stromnetz eingespeiste Energie gezahlt wird.

Natürlich bleibt eine Direktvermarktung des Stroms möglich, die aber an Bürokratie und fehlenden Regelungen für einen fairen Wettbewerb scheitern könnte. Nicht wenige dürften den Strom schlussendlich kostenlos ins Netz abgeben.

Gute Gründe für das Ende der Förderung

Die Rechnung ist dann einfach: Mit einer 10-Kilowatt-Anlage auf dem Dach lässt sich ohne Zwischenspeicher kaum ein Drittel selbst verbrauchen. Bei Gestehungskosten von 10 Cent je Kilowattstunden (kWh) und zwei Dritteln nicht genutzter Energie ergeben sich 30 Cent. Das schafft auch der lokale Stromanbieter. Mit fester Einspeisevergütung wären es dagegen nur 15 Cent je kWh, so dass sich die Investition tatsächlich lohnt.

Wobei es Argumente für das Ende der starren Vergütung gibt. Ist die Anlage für maximalen Ertrag nach Süden ausgerichtet, wird sie wie alle anderen optimierten Anlagen in sonnigen Mittagsstunden viel Strom einspeisen. Es droht eine Überlastung des Stromnetzes, die nur mit gezielten Kraftwerksabschaltungen verhindert werden kann.

Das ist aber kaum die Schuld der Solaranlagenbesitzer. Es fehlte und fehlt der parallele Ausbau weiterer wichtiger Strukturen, vor allem von Speichermöglichkeiten in stationären Anlagen, heimischen Akkus oder Elektroautos. Das wurde schlicht versäumt, ignoriert oder verträumt. Regionen wie Kalifornien oder Südostaustralien machen vor, wie die Schaffung solcher Strukturen schon jetzt gelingt. Die Förderung dahin umzulenken, wäre also der wesentlich sinnvollere Weg.

Große Anlagen sind nicht günstiger

Ein zweites Argument, nämlich die sehr niedrigen Stromgestehungskosten von Freiflächensolaranlagen, ist schlicht falsch. Das bringt auch einer der Beteiligten am ersten Erneuerbare-Energien-Gesetz, Hans-Josef Fell, im Interview mit der Frankfurter Rundschau(öffnet im neuen Fenster) zum Ausdruck.

Zwar lässt sich die kWh auf einer Brachfläche für 4 Cent produzieren. Gleichzeitig wird aber nicht nur wertvolles Land blockiert, außer vielleicht in paralleler landwirtschaftlicher Nutzung, sondern der Strom selbst ist erst einmal auf dem Feld, auf dem er erzeugt wurde.

Erst Wechselrichter, Transformatoren und Hochspannungsleitungen, noch ein Transformator und noch mehr Leitungen bringen ihn zum Verbraucher. Macht aus 4 Cent eher 10 oder 12 Cent, genau der Preis der Dachanlage, die den Strom direkt dorthin leitet, wo er verbraucht wird.

Werden die Überschüsse in einem großen Batteriespeicher in der Dimension von ein paar Megawattstunden gepuffert, verteuert sich das Ganze noch einmal um einige Cent, aber das ist bei der Freiflächenanlage nicht anders. Der Preisvorteil wird durch die Übertragungskosten egalisiert.

Gefährliches Geschäftsmodell für eine erfolgreiche Energiewende

Noch etwas fällt im Entwurf zum EEG 2027 auf, das gegen einen zukünftig niedrigeren Strompreis spricht. Neue Anlagen für erneuerbaren Strom sollen ab einer Leistung von 100 Kilowatt, womit jedes Windrad und jede größere Solaranlage erfasst ist, mit zweiseitigen Differenzverträgen ausgestattet werden.

Dieses System hat sich in einigen Ländern bereits etabliert. Lässt sich der produzierte Strom besonders teuer verkaufen, werden diese Gewinne durch den Staat abgeschöpft. Kann der Betreiber dagegen nur wenig Gewinn erzielen, wird dieser drohende Verlust vom Staat ausgeglichen.

Sollte nach dieser Logik in Zukunft zu oft zu viel Strom im Netz sein, drohen neue Kosten auf die Staatskasse zuzukommen. Es wäre somit nicht attraktiv, ein besonders großes Angebot an solchen Anlagen vorzufinden, vor allem dann nicht, wenn geeignete Abnehmer wie Großspeicher oder Elektrolyseure fehlen sollten.

Geschützt werden auf diese Weise lediglich die Investitionen der Stromerzeuger in die Anlagen. Das Risiko trägt der Staat, am Ende also der Steuerzahler.

Ausbaupläne sind dünn

Dem entsprechen auch die Ausbaupläne(öffnet im neuen Fenster) der Bundesregierung zu erneuerbaren Energien. Im Jahr 2030 sollen 80 Prozent des Stroms aus diesen Quellen stammen.

Mit bis dahin zu erreichenden 215 Gigawatt Photovoltaik, 115 Gigawatt Wind an Land und 30 Gigawatt Wind auf See lassen sich allerdings nur 450 Terawattstunden Strom produzieren, was 80 Prozent von 570 Terawattstunden wären.

Steigt parallel der Strombedarf für Wärmepumpen, Elektromobilität, Rechenzentren und die Wasserstoffproduktion, ist das jedoch eine sehr knappe, sehr optimistische Rechnung. Es gibt gute Gründe, weshalb Deutschland in der EU zu den Schlusslichtern bei der Energiewende gehört.

Warten auf die Zukunft

Zudem stockt der weitere Ausbau erneuerbarer Energieanlagen bereits seit zwei Jahren. Jetzt mit einem abrupten Förderstopp und fadenscheinigen Argumenten den Ausbau in privater Initiative zu bremsen, dürfte eher nicht zum Ziel haben, die Energiewende günstiger und pragmatischer zu gestalten.

Auf deutschen Dächern wäre schließlich Platz für 600 Gigawatt Photovoltaik(öffnet im neuen Fenster), die Strom dort produziert, wo er verbraucht wird. Vielleicht sollte man lieber Supermärkte und andere große Hallen in diese Stromproduktion einbeziehen, statt bereits versiegelte Flächen unattraktiver für Solar zu machen.

Es bleibt der Eindruck, dass eine pragmatische Energiewende für die Bundeswirtschaftsministerin vor allem heißt, heute Geld einzusparen, das in zehn Jahren jemand anderes zahlen muss.


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