Gefährliches Geschäftsmodell für eine erfolgreiche Energiewende
Noch etwas fällt im Entwurf zum EEG 2027 auf, das gegen einen zukünftig niedrigeren Strompreis spricht. Neue Anlagen für erneuerbaren Strom sollen ab einer Leistung von 100 Kilowatt, womit jedes Windrad und jede größere Solaranlage erfasst ist, mit zweiseitigen Differenzverträgen ausgestattet werden.
Dieses System hat sich in einigen Ländern bereits etabliert. Lässt sich der produzierte Strom besonders teuer verkaufen, werden diese Gewinne durch den Staat abgeschöpft. Kann der Betreiber dagegen nur wenig Gewinn erzielen, wird dieser drohende Verlust vom Staat ausgeglichen.
Sollte nach dieser Logik in Zukunft zu oft zu viel Strom im Netz sein, drohen neue Kosten auf die Staatskasse zuzukommen. Es wäre somit nicht attraktiv, ein besonders großes Angebot an solchen Anlagen vorzufinden, vor allem dann nicht, wenn geeignete Abnehmer wie Großspeicher oder Elektrolyseure fehlen sollten.
Geschützt werden auf diese Weise lediglich die Investitionen der Stromerzeuger in die Anlagen. Das Risiko trägt der Staat, am Ende also der Steuerzahler.
Ausbaupläne sind dünn
Dem entsprechen auch die Ausbaupläne(öffnet im neuen Fenster) der Bundesregierung zu erneuerbaren Energien. Im Jahr 2030 sollen 80 Prozent des Stroms aus diesen Quellen stammen.
Mit bis dahin zu erreichenden 215 Gigawatt Photovoltaik, 115 Gigawatt Wind an Land und 30 Gigawatt Wind auf See lassen sich allerdings nur 450 Terawattstunden Strom produzieren, was 80 Prozent von 570 Terawattstunden wären.
Steigt parallel der Strombedarf für Wärmepumpen, Elektromobilität, Rechenzentren und die Wasserstoffproduktion, ist das jedoch eine sehr knappe, sehr optimistische Rechnung. Es gibt gute Gründe, weshalb Deutschland in der EU zu den Schlusslichtern bei der Energiewende gehört.
Warten auf die Zukunft
Zudem stockt der weitere Ausbau erneuerbarer Energieanlagen bereits seit zwei Jahren. Jetzt mit einem abrupten Förderstopp und fadenscheinigen Argumenten den Ausbau in privater Initiative zu bremsen, dürfte eher nicht zum Ziel haben, die Energiewende günstiger und pragmatischer zu gestalten.
Auf deutschen Dächern wäre schließlich Platz für 600 Gigawatt Photovoltaik(öffnet im neuen Fenster) , die Strom dort produziert, wo er verbraucht wird. Vielleicht sollte man lieber Supermärkte und andere große Hallen in diese Stromproduktion einbeziehen, statt bereits versiegelte Flächen unattraktiver für Solar zu machen.
Es bleibt der Eindruck, dass eine pragmatische Energiewende für die Bundeswirtschaftsministerin vor allem heißt, heute Geld einzusparen, das in zehn Jahren jemand anderes zahlen muss.
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