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Erneuerbare Energien: China in der Energiewendefalle

China baut so viel Wind- und Solarleistung aus wie die gesamte restliche Welt zusammen. Jetzt treten Probleme auf, die Europa schon länger kennt.
/ Mario Petzold
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Riesige Solarfelder im kaum besiedelten Norden Chinas (Bild: AFP via Getty Images/CN-STR)
Riesige Solarfelder im kaum besiedelten Norden Chinas Bild: AFP via Getty Images/CN-STR

Der Energieanalyst Global Energy Monitor(öffnet im neuen Fenster) hat den chinesischen Weg von einer Stromproduktion auf Basis von Kohle hin zu einem System mit erneuerbarer Energie untersucht. Ausgehend vom aktuellem Fünfjahresplan will China bis 2030 die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Quellen beziehen.

Um das auf dem weltweit größten Strommarkt zu erreichen, baut das Land so viele Solar- und Windkraftanlagen wie alle anderen Länder der Erde zusammen. Im Jahr 2025 befand sich eine kombinierte Leistung der Anlagen von 500 Gigawatt im Aufbau. Das ist mehr als das Doppelte der Gesamtleistung aus Wind- und Solarkraft in Deutschland.

Gleichzeitig findet der Ausbau der Leistung in China größtenteils im wenig besiedelten Nordosten statt. Dort steht viel Fläche zur Verfügung, die als ausgedehntes Trockengebiet kaum andere Nutzungsmöglichkeiten bietet.

Ein Flaschenhals, der nicht geweitet wird

Dadurch wird der Strom dort produziert, wo er nicht benötigt wird. Das führte laut Bericht dazu, dass zwischen 10 und 17 Prozent des produzierten Solarstroms und 4 bis 9 Prozent der Windenergie bereits aktuell nicht genutzt werden können. Zum Vergleich: Laut Bundesnetzagentur liegt die Quote in Deutschland bei insgesamt 4 Prozent. Hinzu kommt, dass Deutschland zumindest bei der Stromerzeugung bereits einen höheren Anteil erneuerbarer Energie hat, als China für das Jahr 2030 anstrebt.

Um das Problem, das durch den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien immer größer werden dürfte, zu beheben, muss China sein Stromnetz ausbauen. Wegen der großen Distanzen und der hohen zu übertragenden Leistung wird eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung benötigt. Die Technik wird auch in Europa bereits eingesetzt, um die Stromnetze der einzelnen Länder miteinander zu verbinden.

Laut Global Energy Monitor liegt die eingeplante Kapazität im Fünfjahresplan jedoch deutlich unter dem Bedarf. Statt annähernd 30 neuen Stromtrassen sollen nur 11 gebaut werden. Genau das dürfte dazu führen, dass der erneuerbare Strom nicht dort ankommt, wo er benötigt wird.

Bekannte Fehler werden wiederholt

Im Grunde hätte ein Blick nach Europa genügt, um zu erkennen, dass Stromnetze und erneuerbare Energie parallel ausgebaut werden müssen, was auch hier bisher nur unzureichend erfolgte. Gleichzeitig könnte eine gleichmäßigere Verteilung auch auf weniger geeignete Regionen den Bedarf an Übertragungsnetzen verringern.

Zu beobachten ist das auch in Deutschland, wo vor allem im Süden zu wenige Windräder stehen, die auch im Winter verlässlich Strom produzieren, und im Norden Photovoltaikanlagen fehlen. Der Grund ist jeweils offensichtlich: Die erzeugbare Jahresmenge an Strom ist in der jeweils anderen Region stets geringer. Allerdings würde eine ausgeglichenere Verteilung den Netzausbau günstiger gestalten, denn immerhin kostet ein Kilometer Hochspannungs-Gleichstrom-Leitung deutlich mehr als 1 Million Euro.

Die chinesischen Großprojekte für Wind- und Solarkraft scheinen jetzt vor den gleichen Problemen zu stehen, allerdings mit einem noch größeren Ungleichgewicht als in Europa.


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