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Erneuerbare Energie: Norwegen speichert Windstrom aus Dänemark

Ein neues Gleichstromhochspannungskabel zwischen Norwegen und Dänemark soll den Austausch von Strom aus erneuerbaren Quellen zwischen beiden Ländern verbessern: Norwegen speichert dänischen Windstrom als Wasserkraft. Deutschland und Großbritannien werden an das System angeschlossen.
/ Werner Pluta
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Verlauf von Skagerak 4: Gutes Geschäftsmodell (Bild: Statnett)
Verlauf von Skagerak 4: Gutes Geschäftsmodell Bild: Statnett

Norwegen wird zum Speicher für Windstrom aus anderen europäischen Ländern. Ein neues Unterseekabel durch den Skagerak von Dänemark nach Norwegen soll für mehr Übertragungskapazität sorgen.

Skagerak 4(öffnet im neuen Fenster) ist ein 700-Megawatt-Kabel, durch das Gleichstrom fließt(öffnet im neuen Fenster) . Zu dem System gehören zudem an beiden Enden Stromrichterstationen, die den Wechsel- in Gleichstrom und wieder zurück wandeln. Das Kabel soll im Dezember in Betrieb genommen werden. Die drei existierenden Gleichstromkabel durch den Skagerak haben zusammen eine Kapazität von 1 Gigawatt.

Wind gegen Wasser

Dänemark versorgt Norwegen mit Windstrom - das Land deckt über 40 Prozent des eigenen Bedarfs mit Windstrom und ist damit das Land mit dem höchsten Windstromanteil. Solange Norwegen mit dänischem Windstrom versorgt wird, stehen die eigenen Wasserkraftwerke still. Energie wird in Form von vollen Stauseen gespeichert. Herrscht über der Nordsee Flaute, öffnen die Norweger die Schleusen an ihren Dämmen und versorgen die Dänen mit Strom aus Wasserkraftwerken.

"Wir speichern ihre Überschüsse in den Stauseen und speisen sie nach saisonalem oder täglichem Bedarf wieder zurück. Das ist ein gutes Geschäftsmodell" , sagt Håkon Borgen, stellvertretender Chef des staatlichen norwegischen Netzbetreibers Statnett, dem US-Wissenschaftsmagazin IEEE Spectrum(öffnet im neuen Fenster) . Statnett plant, künftig auch Deutschland und Großbritannien in dieses System zu integrieren - beide Länder produzieren große Mengen an Windstrom.

Geringere Verluste

Die Infrastruktur ist dafür schon vorbereitet: Zu Skagerak 4 gehören spannungsgeführte Stromrichter (Voltage Source Converter, VSC), die mit einer Spannung von 500 Kilovolt arbeiten. Es sind laut Statnett(öffnet im neuen Fenster) die ersten VSCs mit einer so hohen Spannung - bisherige VSCs arbeiten mit höchstens 320 Kilovolt. Die höhere Spannung verringert die Verluste auf langen Transportwegen: Die geplante Verbindung nach Großbritannien soll 720 km lang werden.

Das Gemeinschaftsprojekt von Statnett(öffnet im neuen Fenster) und dem britischen Netzbetreiber National Grid wird das längste Unterseestromkabel der Welt und soll 2020 in Betrieb genommen werden. Der Bau der Verbindung von Norwegen nach Deutschland ist gerade genehmigt worden. Nordlink(öffnet im neuen Fenster) , eine Kooperation von Statnett und dem deutsch-niederländischen Netzbetreiber Tennet, mit einer Leistung von 1,4 Gigawatt, soll 2018 fertig sein.

Eine aktuelle norwegische Studie hat festgestellt, dass die Speicherkapazität der Stauseen des Landes noch deutlich ausgebaut werden könne, ohne dabei die Umwelt zu belasten. Es müssten elektrische Pumpen installiert werden, die Wasser in höher gelegene Reservoire pumpen. Die Kapazität könne so um das Fünffache des aktuellen Stands gesteigert werden.


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