Erneuerbare als Backup für Mobilfunk: "Komplex und unwirtschaftlich"

In diesem Winter könnte die Energieversorgung eine große Rolle spielen. Zwar sind die Gasspeicher voll, aber wenn bei klirrender Kälte doch nicht genügend Gas zur Verfügung steht und viele Haushalte mit Strom heizen, könnte auch dieser knapp werden oder die Netze könnten überlastet werden.
Stromausfälle würden auch die Mobilfunkbetreiber treffen. An den Sendemasten steht zwar eine Notstromversorgung bereit, aber die reicht nicht lange und ist alles andere als nachhaltig. Fällt die Stromversorgung am Mobilfunkmast aus, kommen entweder Bleibatterien oder Dieselgeneratoren zum Einsatz. Den Mobilfunkbetreibern ist jedoch nicht abzusprechen, dass sie sich um eine Versorgung ihrer Sendestationen mit grünem Strom bemühen.
"Der Fokus von O2 Telefónica im Bereich regenerative Energien liegt darauf, sogenannte PPAs (Power Purchase Agreements) zu schließen" , erklärt Unternehmenssprecherin Tanja Laube auf Anfrage von Golem.de.
Gestiegenes Interesse an grünem Strom
Ericsson, einer der weltweit größten Netzwerkausrüster, erkennt seitens der Mobilfunkbetreiber eine gestiegene Nachfrage für eine umweltfreundlichere Energieversorgung. "Wir können ein größeres Interesse an Lösungen für erneuerbare Energien feststellen als noch vor drei bis vier Jahren" , sagt Unternehmenssprecher Martin Ostermeier. Das liege auch daran, dass in den vergangenen fünf bis sieben Jahren die Kosten zum Beispiel für Solarmodule gesunken seien.
Hohe Zahl an Standorten mit geringer Fläche
Allerdings kann man bei regenerativen Energiequellen zur Versorgung von Mobilfunkstationen noch lange nicht von einem Masseneinsatz sprechen - schon gar nicht als Backup statt Dieselgeneratoren und Bleibatterien. "Die schiere Menge der Mobilfunkstandorte sowie die meist nur kleinen Flächen, auf denen sich diese befinden, machen den großflächigen Einsatz regenerativer Energien als Backup komplex und unwirtschaftlich" , erklärt Telefónica-Sprecherin Laube.
Es würden zum Beispiel weitere Infrastrukturmaßnahmen und -ausgaben etwa für Stahluntergestelle notwendig, die regenerative Anlagen stützten. "Oder die gemieteten Flächen müssten für die Anlagen vergrößert werden" , ergänzt Laube. Bestehende Mietverträge müssten dazu mit Vermietern nachverhandelt werden. "Für uns ist es wichtiger, mit PPAs einen großen Beitrag zum Einsatz regenerativer Energien und zur Klimaschonung zu leisten."
Es wird viel geforscht - zu kommerzieller Durchführbarkeit
Es wird allerdings viel geforscht. Dabei konzentrieren sich die Mobilfunkbetreiber auf Sonnenenergie. "Die Technologie an sich - Solarmodule und MPPT-Wandler - hat sich gut bewährt, die Versuche konzentrieren sich heute auch auf die kommerzielle Durchführbarkeit" , sagt Ericsson-Sprecher Ostermeier. MPPT (Maximum Power Point Tracking) ist eine Technologie zur Maximierung der Leistungsfähigkeit einer Solarzelle.
Zusammen mit der Deutschen Telekom probieren die Schweden neben Sonnenenergie auch Windkraft aus. Der Mobilfunkstandort in der bayerischen Gemeinde Dittenheim, rund 120 Kilometer nördlich von München, wird einerseits durch Sonnenkollektoren, andererseits durch eine Windturbine mit Strom versorgt.
Der Standort kann theoretisch autark ohne Verbindung zum Stromnetz betrieben werden. Das System von Telekom und Ericsson verfügt über Batterien, die als Speicher für den Fall eines Stromausfalls dienen. Und auch Dieselgeneratoren kommen in Dittenheim immer noch zum Einsatz. Die sollen aber durch die Integration weiterer Energiequellen wie etwa Brennstoffzellen ersetzt werden.
Hybride Backup-Lösungen
Auf hybride Backup-Lösungen mit einer Kombination von Brennstoffzellen, Batterien und erneuerbaren Energiequellen setzt auch Vantage Towers. Das Unternehmen betreibt in zehn Ländern rund 83.000 Funkmaststandorte und ist in Deutschland für Vodafone aktiv. "Für den Fall, dass einzelne Mobilfunkstationen für längere Zeit von der Stromversorgung abgeschnitten sind, haben wir einen mit Wasserstoff und Photovoltaikanlage betriebenen Container entwickelt, mit dem mobile Anlagen schnell und autark mit Energie versorgt werden können" , erklärt Unternehmenssprecher Robin Hagenmüller.
Für Vantage Towers ist unter den verfügbaren erneuerbaren Energiequellen die Solarenergie die derzeit ausgereifteste Technologie. "Gleichzeitig arbeiten wir im Rahmen eines Pilotprojekts daran, Strom mithilfe von Mikrowindturbinen direkt an unseren Funkmasten zu erzeugen" , sagt Hagenmüller. Andere alternative Energiequellen wie etwa Solar- bzw. Geothermie oder Wasserkraft schließt er derzeit aus, da sie nur begrenzt an den Standorten von Vantage Towers eingesetzt werden könnten.
O2 Telefónica prüft ebenfalls den Einsatz von Sonnenkollektoren für die Energieversorgung von ausgewählten Netzstandorten. Die Windkraft sieht Unternehmenssprecherin Laube dagegen eher kritisch: "Windenergietechnik ist genehmigungstechnisch schwierig. Auch ist diese oft mit Herausforderungen wie Infraschall, Schwingungen oder Schattenwurf auf naheliegende Gebäude verbunden." Biogas sei aufgrund der Marktlage und der geringen Verfügbarkeit derzeit ebenfalls keine Option für den Mobilfunkbetreiber.
Marc Hankmann(öffnet im neuen Fenster) ist freier Fachjournalist und berichtet über IT- und TK-Themen sowie über digitale Medien.