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Ermittlungen: FBI fordert Daten zu Archive.today an

Eine US-Anordnung verpflichtet den kanadischen Provider Tucows, Daten zu Archive.today offenzulegen. Auf welcher Grundlage, ist unklar.
/ Przemyslaw Szymanski
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Das FBI geht offenbar gegen die Betreiber von Archive.today vor (Bild: PATRICK T. FALLON/AFP via Getty Images)
Das FBI geht offenbar gegen die Betreiber von Archive.today vor Bild: PATRICK T. FALLON/AFP via Getty Images

Der Web-Archivdienst Archive.today ist ins Blickfeld der US-Strafverfolgung geraten. Laut einem von dem Dienst veröffentlichten Dokument verlangt das FBI vom kanadischen Provider Tucows umfangreiche Informationen über die Person oder Organisation hinter dem Angebot. Die Anordnung sieht die Herausgabe von Kontakt- und Zahlungsdaten sowie technischen Verbindungsinformationen des Accounts vor.

Öffentlich wurde der Vorgang, als der offizielle Account von Archive.today auf X(öffnet im neuen Fenster) nach langer Pause wieder aktiv wurde. Bis Ende Oktober hatte er mehr als eineinhalb Jahre nichts gepostet – umso deutlicher stach nun der einzelne Eintrag hervor: "Canary" , also Kanarienvogel, der im Bergbau als Warnsignal für giftige Gase diente, begleitet von einem Link zu dem Dokument(öffnet im neuen Fenster) .

Erst der Blick in die verlinkte Datei zeigt, worauf sich der Hinweis bezieht: Demnach darf Tucows die betroffene Partei nicht informieren, da dies laut Anordnung "die laufenden Ermittlungen gefährden" könne. Wie die Betreiber von Archive.today dennoch an das Dokument gelangt sind, ist unklar. Ebenso offen bleibt, ob die veröffentlichte Verfügung tatsächlich authentisch ist.

Archive.today: Vieles bleibt im Dunkeln

Der Dienst archiviert seit Jahren Webseiten vollständig und stellt sie als statische Kopien bereit. Er tritt nach außen kaum in Erscheinung und nennt weder Betreiber noch einen Standort. Wer hinter dem Projekt steht, ist also vollkommen unklar.

Der finnische Blogger Janni Patokallio(öffnet im neuen Fenster) hatte bereits 2023 in einem ausführlichen Beitrag verschiedene Spuren und Rechercheergebnisse zusammengetragen, die darauf hindeuten, dass der oder die Betreiber in Russland sitzen oder von dort stammen könnten.

In der Medienbranche erregt Archive.today zudem seit langem Ärger, weil der Dienst häufig genutzt wird, um Bezahlschranken zu umgehen – begünstigt auch dadurch, dass er sich weder an gängige Regeln noch an rechtliche Vorgaben hält und keine Möglichkeit bietet, Inhalte aus dem Archiv entfernen zu lassen.

Gleichzeitig bleibt offen, auf welcher Grundlage die Anordnung überhaupt erteilt wurde. Auch, welche konkreten Vorwürfe das FBI verfolgt, bleibt unklar. Aus dem Dokument lassen sich keine belastbaren Rückschlüsse ziehen. Wie Archive.today und Tucows auf die Anordnung reagieren, ist bislang unklar.


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