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Erkenntnisse einer Nicht-KI-Native: Bildnis mit toten Fruchtfliegen und Obstkorb

Für mich als Design-Wildschwein ist KI -Bildgenerierung ein Segen. Auch sonst finde ich sie besser als gedacht, Angst macht sie mir dennoch.
/ Andrea Maurer
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Ein Pferd und tote Fruchtfliegen? Nicht ganz das Ergebnis, das ich haben wollte. (Bild: Andrea Maurer)
Ein Pferd und tote Fruchtfliegen? Nicht ganz das Ergebnis, das ich haben wollte. Bild: Andrea Maurer
Inhalt
  1. Erkenntnisse einer Nicht-KI-Native: Bildnis mit toten Fruchtfliegen und Obstkorb
  2. Technikdaten in einer Tabelle: weniger langweilige Arbeit für mich
  3. Mehr Wurst als Sweatshirt
  4. Bildnis eines Irish Cobs mit Fruchtfliegen und Obstkorb
  5. KI-Helfer für KI
  6. Fazit: Das eigene Hirn sollte man trotzdem weiterbenutzen

Es gibt Dinge, die überfordern mich einfach. Zum Beispiel Tiktok. In meiner Jugend gab es Foren, thematisch übersichtlich, mit fundiertem Austausch statt Fame-Jagd. Das hat mir voll und ganz gereicht. Auch mein Smartphone ist für mich immer noch mehr Telefon und MP3-Player als Alltagsbegleiter für alles.

Mit fast 35 bin ich zwar nicht alt, aber vielleicht zu alt für bestimmte Themen. Womöglich ist es eine gewisse Reife, die mir sagt: "Ich muss nicht mehr alles mitmachen."

Womit wir bei KI wären. Ich bin dafür, neben dem Begriff Digital Native, als die ich mich schon sehe, den Begriff KI-Natives zu prägen: für alle, die jetzt aufwachsen und für die KI ein selbstverständliches Hilfsmittel ist. So wie für mich Suchmaschinen oder Wikipedia.

Tiktok muss ich wahrscheinlich auch weiterhin nicht haben, aber KI zumindest nutzen zu können, sollte für mich als gelernte Fachinformatikerin schon Pflicht sein. Und mit KI nutzen meine ich nicht, nur mal bei Google die KI-Übersicht durchlesen oder Texte übersetzen lassen.

Für meine ersten KI-Gehversuche entschied ich mich für Microsofts Copilot. Ich wechselte vor Kurzem beruflich zu einem Windows-Laptop, auf dem Copilot schon vorinstalliert war. Die Microsoft-365-Integration ist ganz praktisch: Ich kann damit zum Beispiel direkt Excel-, Powerpoint- und Word-Dokumente erstellen.

Eigentlich nutze ich aus Prinzip lieber Libreoffice, im Job komme ich ohne Microsoft 365 aber nicht immer aus. Weil ich Copilot schon von der Arbeit kenne, nutze ich es jetzt auch auf meinem Mac für meinen Nebenjob und privat – allerdings nur in der kostenlosen Version, mit der ich auf die Microsoft-365-Integration verzichten muss.

Wie jemand, dem man alles tausendmal erklärt

Mein erster Versuch: eine Präsentation als Infotext zu einem Mainboard mit allen wichtigen Daten wie Sockel, RAM und Chipsatz erstellen. Es geht dabei um eine kleine Ausstellung alter Mainboards für Studenten und andere Interessierte in meinem Job als Systemadministratorin an einer Hochschule.

Ich habe Copilot also mit dem Herstellertext zum Mainboard als PDF gefüttert. Bekommen habe ich eine Präsentation, die ich optisch ganz schick fand – nicht überfrachtet und ansprechend, eben modern. Ich, das Design-Wildschwein, scheitere regelmäßig an so etwas – am Ende wird alles viel zu bunt und sieht aus, als wäre das unkreativste Kindergartenkind am Werk gewesen.

Auch die Zusammenfassung der Daten ist akkurat, wenn auch noch stark am Werbesprech des Herstellers orientiert. Was ich nicht haben wollte: die zwei Folien am Anfang, auf denen riesengroß der Mainboard-Name stand – einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch.

Ich bat Copilot, die beiden ersten Folien und die Überschrift mit der Mainboard-Bezeichnung im Überschriftteil der dritten Folie herauszunehmen. Was dabei herauskam, war eine rudimentär formatierte PDF-Datei mit den technischen Daten aus dem Hersteller-PDF.

Copilot hatte mich offensichtlich falsch verstanden und meinte, ich beziehe mich auf das Hersteller-PDF – also, dass ich dort die ersten beiden Seiten gelöscht haben möchte. Beim nächsten Mal bezog ich mich also explizit auf die Präsentation, die Copilot erstellt hat.

Das klappte jedoch auch nicht besser: Die KI jubelte mir noch mal den gleichen Foliensatz unter. Mit weiteren erklärenden Prompts wurde das Ergebnis nicht besser. Es fühlte sich an, wie einer Person alles tausendmal erklären zu müssen – und dann bekommt sie es immer noch nicht gebacken! Allerdings hatte ich mit so jemandem noch nie zu tun; eine KI ist eben immer noch nur eine KI und kein Mensch.

Da ich das erste Ergebnis der Präsentation aber insgesamt sehr gut fand, beschloss ich, die beiden Folien und die Überschrift in Powerpoint schnell selbst zu löschen, und den Beschreibungstext zum Mainboard in neutral zu ändern. Alles in allem war Copilot bei meinen Infotexten für die Mainboard-Ausstellung also schon eine Hilfe für mich. Ich habe einen Vorschlag bekommen, der hinsichtlich Inhalt (in Bezug auf Specs, nicht Sprache) und Design sinnvoll war.

Mit Googeln schneller ans Ziel

Ich befrage Copilot nun auch regelmäßig zu typischen Sysadmin-Fragen: Outlook-Fehler dort, Kommandozeilen-Befehl hier. So ganz überzeugt mich Copilot dabei noch nicht, weil ich mit Googeln meistens schneller ans Ziel gelange und genauer in eine bestimmte Richtung weitersuchen kann.

Berufserfahrung lohnt sich also doch. Copilot bringt mich aber auf neue Lösungswege und schlägt mir Tools vor, die ich noch nicht kannte. Das ist spannend.


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