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Erkenntnisse einer Nicht-KI-Native: Bildnis mit toten Fruchtfliegen und Obstkorb

Für mich als Design-Wildschwein ist KI-Bildgenerierung ein Segen. Auch sonst finde ich sie besser als gedacht, Angst macht sie mir dennoch.
/ Andrea Maurer
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Ein Pferd und tote Fruchtfliegen? Nicht ganz das Ergebnis, das ich haben wollte. (Bild: Andrea Maurer)
Ein Pferd und tote Fruchtfliegen? Nicht ganz das Ergebnis, das ich haben wollte. Bild: Andrea Maurer

Es gibt Dinge, die überfordern mich einfach. Zum Beispiel Tiktok. In meiner Jugend gab es Foren, thematisch übersichtlich, mit fundiertem Austausch statt Fame-Jagd. Das hat mir voll und ganz gereicht. Auch mein Smartphone ist für mich immer noch mehr Telefon und MP3-Player als Alltagsbegleiter für alles.

Mit fast 35 bin ich zwar nicht alt, aber vielleicht zu alt für bestimmte Themen. Womöglich ist es eine gewisse Reife, die mir sagt: "Ich muss nicht mehr alles mitmachen."

Womit wir bei KI wären. Ich bin dafür, neben dem Begriff Digital Native, als die ich mich schon sehe, den Begriff KI-Natives zu prägen: für alle, die jetzt aufwachsen und für die KI ein selbstverständliches Hilfsmittel ist. So wie für mich Suchmaschinen oder Wikipedia.

Tiktok muss ich wahrscheinlich auch weiterhin nicht haben, aber KI zumindest nutzen zu können, sollte für mich als gelernte Fachinformatikerin schon Pflicht sein. Und mit KI nutzen meine ich nicht, nur mal bei Google die KI-Übersicht durchlesen oder Texte übersetzen lassen.

Für meine ersten KI-Gehversuche entschied ich mich für Microsofts Copilot. Ich wechselte vor Kurzem beruflich zu einem Windows-Laptop, auf dem Copilot schon vorinstalliert war. Die Microsoft-365-Integration ist ganz praktisch: Ich kann damit zum Beispiel direkt Excel-, Powerpoint- und Word-Dokumente erstellen.

Eigentlich nutze ich aus Prinzip lieber Libreoffice, im Job komme ich ohne Microsoft 365 aber nicht immer aus. Weil ich Copilot schon von der Arbeit kenne, nutze ich es jetzt auch auf meinem Mac für meinen Nebenjob und privat – allerdings nur in der kostenlosen Version, mit der ich auf die Microsoft-365-Integration verzichten muss.

Wie jemand, dem man alles tausendmal erklärt

Mein erster Versuch: eine Präsentation als Infotext zu einem Mainboard mit allen wichtigen Daten wie Sockel, RAM und Chipsatz erstellen. Es geht dabei um eine kleine Ausstellung alter Mainboards für Studenten und andere Interessierte in meinem Job als Systemadministratorin an einer Hochschule.

Ich habe Copilot also mit dem Herstellertext zum Mainboard als PDF gefüttert. Bekommen habe ich eine Präsentation, die ich optisch ganz schick fand – nicht überfrachtet und ansprechend, eben modern. Ich, das Design-Wildschwein, scheitere regelmäßig an so etwas – am Ende wird alles viel zu bunt und sieht aus, als wäre das unkreativste Kindergartenkind am Werk gewesen.

Auch die Zusammenfassung der Daten ist akkurat, wenn auch noch stark am Werbesprech des Herstellers orientiert. Was ich nicht haben wollte: die zwei Folien am Anfang, auf denen riesengroß der Mainboard-Name stand – einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch.

Ich bat Copilot, die beiden ersten Folien und die Überschrift mit der Mainboard-Bezeichnung im Überschriftteil der dritten Folie herauszunehmen. Was dabei herauskam, war eine rudimentär formatierte PDF-Datei mit den technischen Daten aus dem Hersteller-PDF.

Copilot hatte mich offensichtlich falsch verstanden und meinte, ich beziehe mich auf das Hersteller-PDF – also, dass ich dort die ersten beiden Seiten gelöscht haben möchte. Beim nächsten Mal bezog ich mich also explizit auf die Präsentation, die Copilot erstellt hat.

Das klappte jedoch auch nicht besser: Die KI jubelte mir noch mal den gleichen Foliensatz unter. Mit weiteren erklärenden Prompts wurde das Ergebnis nicht besser. Es fühlte sich an, wie einer Person alles tausendmal erklären zu müssen – und dann bekommt sie es immer noch nicht gebacken! Allerdings hatte ich mit so jemandem noch nie zu tun; eine KI ist eben immer noch nur eine KI und kein Mensch.

Da ich das erste Ergebnis der Präsentation aber insgesamt sehr gut fand, beschloss ich, die beiden Folien und die Überschrift in Powerpoint schnell selbst zu löschen, und den Beschreibungstext zum Mainboard in neutral zu ändern. Alles in allem war Copilot bei meinen Infotexten für die Mainboard-Ausstellung also schon eine Hilfe für mich. Ich habe einen Vorschlag bekommen, der hinsichtlich Inhalt (in Bezug auf Specs, nicht Sprache) und Design sinnvoll war.

Mit Googeln schneller ans Ziel

Ich befrage Copilot nun auch regelmäßig zu typischen Sysadmin-Fragen: Outlook-Fehler dort, Kommandozeilen-Befehl hier. So ganz überzeugt mich Copilot dabei noch nicht, weil ich mit Googeln meistens schneller ans Ziel gelange und genauer in eine bestimmte Richtung weitersuchen kann.

Berufserfahrung lohnt sich also doch. Copilot bringt mich aber auf neue Lösungswege und schlägt mir Tools vor, die ich noch nicht kannte. Das ist spannend.

Technikdaten in einer Tabelle: weniger langweilige Arbeit für mich

Als Nächstes setzte ich Copilot für Tabellen ein: Für einen Hardwaretest zu Zykluscomputern brauchte ich eine Tabelle mit den technischen Daten der einzelnen Produkte. Also bat ich Copilot, sinnvolle Produktdaten und technische Spezifikationen für die Zykluscomputer herauszusuchen und in einer Tabelle aufzulisten.

Das Ergebnis war erstaunlich akkurat. Copilot schlug mir meistens sinnvolle Spezifikationen vor, suchte sie und packte sie in die Tabelle. Die meisten Angaben waren sogar korrekt oder zumindest nicht ganz falsch.

Copilot sollte für mich dann noch die Apps der Produkte heraussuchen und ihre Datenschutzbestimmungen nach einem Ampelsystem bewerten. Das Ergebnis fand ich ebenfalls wieder sehr zutreffend. Bei meiner eigenen Prüfung hatte ich die Apps meistens auch so bewertet wie Copilot.

Klar, teilweise übernimmt die KI schon mal unreflektiert Daten und Werbetexte der Hersteller. Zudem muss ich immer noch gegenprüfen, ob die Daten stimmen. Trotzdem hätte es mir einiges an Zeit und Langeweile erspart, wenn ich die Vorarbeit für den Testartikel von der KI hätte machen lassen.

Man kann die KI auch nach Quellen fragen, was es einfacher macht, selbst nachzuprüfen. Die bloße Angabe von Quellen ist aber kein Beweis für die Richtigkeit der KI-Aussage.

Zusammenhänge, wo keine sind

KI kann zum Beispiel Zusammenhänge annehmen, die nicht gegeben sind. So wollte ich etwa wissen, ob ein bestimmter Zyklustracker als Medizinprodukt nach Risikoklasse IIb zertifiziert ist. Copilot hat das bejaht, aber es stimmt nicht. Als Quellen wurden eine Webseite des TÜV Süd und der IHK angegeben. Dort ging es jedoch nur allgemein um die Medizinprodukteklassifizierung – von dem gesuchten Zyklustracker stand auf beiden Seiten nichts.

Mehr Wurst als Sweatshirt

Als Nächstes wollte ich Copilot mit meinem neuen Hobby testen: das Nähen. Mein Projekt war ein einfaches Sweatshirt mit Ausschnitt, und natürlich hätte ich für ein Schnittmuster einfach auf Pinterest schauen können, aber ich dachte mir, ich beauftrage Copilot damit.

Es gab mir ein PNG aus, das schon mal recht gut aussah. Das wollte ich dann als SVG haben, um es problemlos für den Druck hochskalieren zu können.

Anschließend bat ich Copilot, mir den passenden Code für eine SVG zu liefern. Es kam auch Code heraus, der sich sinnvoll las.

Nur habe ich von der SVG-Erstellung keine Ahnung. Als ich den Code schließlich in Inkscape kopierte, folgte die Ernüchterung: Die Hilfslinien waren da, aber nicht der Schnitt für das Sweatshirt. Ich erzählte Copilot von meinem Problem und beauftragte die KI, das zu korrigieren.

Bekommen habe ich dann ein Schnittmuster, das eher einer Wurst als einem Sweatshirt ähnelte. Etliche Korrekturbitten meinerseits änderten wenig am KI-Ergebnis. Das führt mich zu der Erkenntnis und zu der KI-Binsenweisheit: Wenn man so gar keine Ahnung hat von dem, was man machen will, führt auch KI nicht zum gewünschten Ziel.

Dann lieber etwas Einfacheres

Okay, dann vielleicht doch wieder etwas Leichteres: Für mein Studium sollte ich mit Copilot einen wissenschaftlichen Artikel zusammenfassen. Es ging um die ersten Konzepte zur Mensch-Maschine-Kommunikation in den 1960er Jahren von J. C. R. Licklider und Douglas Engelbart (ja, korrekt: der, der auch die erste Maus erfunden hat).

Copilot fasste den Artikel korrekt und passend zusammen, zumindest, soweit ich das beurteilen kann. Ich hatte den Artikel vorher gelesen und hoffentlich richtig verstanden. Als Kernbotschaft schrieb die KI im ersten Absatz: "Der Computer wurde in den 1960er Jahren neu gedacht – nicht mehr als reine Rechenmaschine, sondern als Intelligenzverstärker und kommunikatives Medium, das den Menschen in seinen Denkprozessen unterstützt." Das ist unbeabsichtigt auch für KI passend, wie ich finde.

Hatten die Menschen damals auch Angst, von Rechnern als Arbeitskräfte ersetzt zu werden? "Intelligenzverstärker" und "kommunikatives Medium", beides ist die heutige KI auch – oder soll es sein. Und wer hat überhaupt gesagt, dass mit Technik alles einfacher wird? In einem Cartoon von Uli Stein heißt es passenderweise: "Erwin löst mit dem Computer alle Probleme, die er noch nicht hatte, als er noch gar keinen Computer hatte."

Bildnis eines Irish Cobs mit Fruchtfliegen und Obstkorb

Nachdem meine ersten KI-Versuche schon ganz erfolgreich waren, machte ich mich an die Disziplin der Bilderstellung. Darauf war ich besonders gespannt.

Für einen früheren Artikel testete ich eine sogenannte UV-Falle für Fruchtfliegen, die die Fliegen durch UV-Licht anlockt und dann durch einen elektrischen Schlag tötet. Vorweg und kurz weg vom Thema: Das hat nicht gut funktioniert – zum Glück, denn tierfreundlich (was ich meistens bin) geht anders, Stichwort: Lebendfallen.

Gebraucht habe ich für den Artikel ein Titelbild, wie Fruchtfliegen auf das Gerät zufliegen, einige einen Schlag vom Gerät bekommen und etliche Fruchtfliegen schon tot am Boden liegen. Ich habe das Bild damals manuell erstellt und dafür unter anderem selbst fotografierte Fruchtfliegen freigestellt (klingt aufwendig – war es auch). Am Ende hat man sich in der Redaktion doch für ein optisch ansprechenderes Bild als meine hilflose Gimp-Kreation entschieden.

Was würde wohl die KI aus diesem Thema machen? Das erste Ergebnis begeisterte mich fast schon: Die Fliegen flogen zielstrebig auf den Brutzler zu.

Im nächsten Schritt wollte ich einige Fruchtfliegen sehen, die in Kontakt mit dem Gerät kommen und einen elektrischen Schlag bekommen, illustriert durch einen violetten Blitz. Das funktionierte ebenfalls. Auch die Einbettung in ein Küchensetting mit Steckdose und Obstkorb war kein Problem.

Perfekt war das Bild zwar nicht geworden: Die am Boden liegenden Fruchtfliegen sehen etwas plattgedrückt aus und die in der Luft passen größentechnisch nicht ganz. Aber es ging schneller, als es selbst in einem Bildbearbeitungsprogramm zu erledigen – zumindest für mich, die das nicht häufig macht. Und als Aufmacherbild wäre das Ergebnis wahrscheinlich in Ordnung gewesen.

Recht akkurat, dachte ich – doch was war das?

Schließlich wollte ich noch ein Pferd der Rasse Irish Cob vor einem Hintergrund im Stil von Last of Us grasen lassen. Als der Bildinhalt langsam von oben nach unten generiert wurde, sah ich ein verfallenes, mit Pflanzen überwuchertes, mehrstöckiges Wohnhaus, davor Bäume und das grasende Pferd – einen schwarz-weißen Irish Cob mit typischer Fesselbehaarung und sonstiger üppiger Haarpracht.

Recht akkurat, dachte ich. Doch was war das? Auf dem Bild hatten sich auch die toten und die nichttoten Fruchtfliegen aus meinem vorherigen Bildwunsch eingefunden – und ein überdimensionierter Obstkorb.

Ein typischer KI-Anfängerfehler, wie ich jetzt weiß. Am besten öffnet man zu jedem neuen Thema einen neuen Chat mit Copilot.

Ein weiteres Problem: Die generierten Bilder kommen erst einmal in einer mini Auflösung, wenn man nicht explizit sagt, welche Auflösung man haben will. Wenn ich aber zum Beispiel prompte: "Erstelle mir das Bild in Druckauflösung", bekomme ich problemlos ein höher aufgelöstes Bild. Das gilt auch, wenn ich statt Hoch- lieber ein Querformat möchte. Ich muss es Copilot nur schreiben. Übrigens: Copilot ist auch in Paint integriert und kann beim Bearbeiten von Bildern und der Bilderstellung helfen.

KI-Helfer für KI

Der Inhaltserstellung von Copilot können in der Unternehmenslizenz enge Grenzen gesetzt sein: Das Bild im Stil von Last of Us zu erstellen, hat Copilot unter Verweis auf die Urheberrechte abgelehnt. Ich wollte dann stattdessen das grasende Pferd vor einem verlassenen Bauernhof mit Zombies im Hintergrund (ja, ich weiß, bei Last of Us heißen sie nicht Zombies, sondern Infizierte). Das konnte die KI ebenfalls nicht umsetzen, zu verstörend in Verbindung mit Tieren, befand Copilot.

Copilot schlug mir vor, das Pferd vor einem verlassenen Bauernhof grasen zu lassen. Den Vorschlag habe ich angenommen mit dem Zusatz, dass der Bauernhof von Pflanzen überwuchert sein soll. Endlich wurde ein Bild generiert – ein Glück, dass ich offenbar nicht gegen eine Flora-und-Fauna-Richtlinie verstoßen habe. Mein so generierter Irish Cob – ganz ohne unpassende Inhalte (bis auf die Fruchtfliegen) – hängt jetzt im Schaukasten vor meinem Büro.

Systemadministratoren können per Microsoft-365-Gruppenrichtlinie einstellen, ob der Inhaltsschutz in Copilot standardmäßig aktiv ist und ob User ihn ausschalten können oder nicht(öffnet im neuen Fenster). Das bietet einen gewissen Schutz vor der Erstellung urheberrechtlich geschützter und unangemessener Inhalte. Im Unternehmenskontext sollen die erstellten Inhalte ja auch idealerweise zur Veröffentlichung geeignet sein.

Nach weiterer KI-Verwendung wurde ich zunehmend sicherer, meine Prompts und entsprechend die Ergebnisse wurden besser. Teilweise war schon das erste Ergebnis verwendbar, etwa die folgende Bildkreation zu einem verschmutzten Kamerasensor mit unsachgemäßer Reinigung für eine weitere Artikelidee.

Zugegeben, man findet das KI-Ergebnis wahrscheinlich immer besser, je weniger man von irgendetwas Ahnung hat. Jemand, der der Bildbearbeitung mächtig oder Grafiker ist, wird mein KI-Kamerabild eher so lala finden. Genauso wie ich, die ich zumindest etwas schreiben kann, KI-generierte Texte meistens so lala finde.

Teile meines Kamera-Ausgangsbilds waren außerdem unscharf, Copilot hat diese im Rahmen der Bildrekreation gleich geschärft. Bildverbesserung kann KI also auch. In dem Fall fand ich es sehr praktisch. Unschärfe kann in der Fotografie aber natürlich auch gewünscht sein – wobei KI dann meist in der Lage sein wird, das als Stilmittel und nicht als Fehler zu erkennen.

Ich habe mittlerweile gelernt, dass ich für KI genau formulieren muss, um die Ergebnisse zu bekommen, die ich mir vorstelle. In der Unternehmenslizenz im Job hilft mir Copilot mit seinem Prompt Coach auch bei der besseren Formulierung von Prompts. Das ist quasi die KI für KI. Generell kann KI aber auch ohne einen speziellen Prompt Coach bei der Verbesserung von Prompts helfen. Dazu gibt man in einen normalen Prompt etwa ein: "Zeige mir Verbesserungsvorschläge für den nachfolgenden Prompt" oder "Wie formuliere ich einen Prompt zu [Thema] am sinnvollsten?" Denn die KI kennt die Regeln für sich selbst (meistens jedenfalls) am besten.

Fazit: Das eigene Hirn sollte man trotzdem weiterbenutzen

Insgesamt hat mich überrascht, wie viel ich mit KI innerhalb kürzester Zeit zustande bekommen habe, oder besser gesagt: die KI für mich. Dabei hatte ich zunächst noch keine Ahnung, wie man Prompts möglichst KI-genau schreibt. Jetzt muss ich noch manchmal Anpassungen am KI-Ergebnis machen oder Fehler korrigieren, aber insgesamt leistet KI sinnvolle Vorarbeit oder hilft mir bei Arbeiten wie der Design- oder Bildgenerierung, von denen ich selbst wenig Ahnung (und auf die ich auch wenig Lust) habe.

Noch eine Binsenweisheit, aber eine noch wichtigere: KI-Ergebnisse können fehlerbehaftet sein. Gerade im Fall der Tabelle mit den technischen Daten muss ich selbst überprüfen, ob sie stimmen. Inhalte komplett und ungeprüft von KI erstellen zu lassen, ist keine gute Idee.

Auch Urheberrechte sind zu beachten: Bei KI-Bildern ist bei einer Veröffentlichung sicherzustellen, dass nicht ein ähnliches Bild oder Teile davon existieren, sonst verstößt man gegen das Urheberrecht. Abgesehen vom rechtlichen Aspekt, sollten schaffende Personen natürlich auch Geld für ihre Arbeit erhalten.

Zudem bedeuten gleiche Eingaben in KI auch gleiche oder zumindest sehr ähnliche Ergebnisse. Mein Pferdebild könnte also jeder in der Form bekommen, wenn man entsprechend promptet. Das bedeutet: Urheberrechte und alleinige Nutzungsrechte auf ein KI-generiertes Bild zu bekommen, ist eher nicht drin. Außer man verwendet sehr spezifische Prompts, die eine andere Person nicht so formuliert hätte. Oder man nimmt das KI-generierte Bild nur als Ausgangspunkt und macht nachträglich größere Designänderungen von Hand.

Die Ethik bei der KI-Verwendung ist noch eine weitere Sache: Sollte man alles ausschließlich von KI erstellen lassen, weil es möglich ist und weil irgendein CEO sich Millionen einsparen sieht? Oder hat das Wissen und Können von Personen in sämtlichen Berufen und im Allgemeinen nicht auch noch seine Daseinsberechtigung? Sollte es nicht weiter Wertschätzung geben für Menschen mit ihrem individuellen Können, Sein, ihren Ideen und Meinungen?

Redaktionen, um ein Beispiel zu nennen, haben über die Jahrzehnte aus wirtschaftlichen Gründen bei Jobs wie beispielsweise Grafikern gespart – immer mehr dieser Arbeit landete bei der schreibenden Zunft. Daher bin ich froh, wenn KI mir hilft – das erspart mir viel Zeit, Nerven und hässliche Bildergebnisse.

Wird KI ineffiziente Menschen bald ersetzen?

Auch muss ich mich dank KI weniger mit stumpfer Arbeit wie dem manuellen Befüllen von Tabellen beschäftigen. Ich unterstütze mit dem Handeln aber ein Problem: das Einsparen von Arbeitsplätzen und die Selbstverständlichkeit von 100 Prozent Effizienz immer und überall.

Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich kann nicht acht Stunden des Arbeitstags geistig auf Hochtouren laufen. Ich habe auch mal schlechte Tage, so dass ich froh bin, wenn ich einfach mal stumpf eine Tabelle oder einen SAP-Warenkorb von Hand mit Daten befülle. – Wird KI so ineffiziente und faule Menschen wie mich bald ersetzen? Auf der anderen Seite fehlen durch unsere ungleich verteilte Altersstruktur bald etliche Arbeitskräfte, die mengenmäßig zwangsläufig nicht nur Menschen sein können.

Ist es nicht auch schön, etwas zu können – so ganz ohne KI?

Von den richtig hässlichen Nachteilen der KI haben wir dabei noch gar nicht gesprochen, Deepfakes zum Beispiel: Wenn es Kanzler Merz in einem Video toll findet, dass Frauen auch Motorrad fahren können (ach, nee, das ist ja wirklich passiert). Oder wenn die KI irgendwann die Weltherrschaft übernimmt, weil sie in den ineffizient arbeitenden und emotional handelnden Menschen keinen Mehrwert sieht. Ebenfalls problematisch: die Energie, die KI (momentan noch) verbrät.

Wahrscheinlich kann KI insgesamt gesehen eine Chance sein, wenn man sie sinnvoll und für Aufgaben einsetzt, die man selbst und auch niemand anderes mehr machen will oder kann. Oder KI wird – wie der Computer – als "Intelligenzverstärker" des Menschen gedacht und eingesetzt.

Das eigene Hirn sollte man also trotzdem weiterhin benutzen. Und kann es nicht auch ganz schön sein und das Selbstbewusstsein fördern, wenn man selbst was kann, so ganz ohne KI?

Freie KI-Alternativen ausprobieren

Und für mich persönlich? Ich mag KI mittlerweile besonders, wenn es um Bilderstellung geht. Neben Copilot möchte ich in Zukunft freie KI-Alternativen ausprobieren. Copilot hat seinen Vorteil klar in der Microsoft-365-Integration, das ist für meinen Hauptjob praktisch, aber sonst brauche ich das nicht (oder wenn, dann für Libreoffice).

Nur eine Sorge konnte ich für mich noch nicht ausräumen: dass KI mich wegrationalisieren wird.

Andrea Maurer absolvierte ein Volontariat in einer Onlineredaktion, bevor sie Systemadministratorin wurde. Sie vermisst die Arbeit an Artikeln manchmal, deshalb schreibt sie nebenberuflich. Auch ohne KI verwendet sie in ihren Texten gerne Doppelpunkte und Gedankenstriche.


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