• IT-Karriere:
  • Services:

Erderwärmung: Verfehlt Google die Pariser Klimaziele?

Der Suchkonzern rühmt sich damit, dass seine Rechenzentren klimaneutral arbeiteten und hofft im Zuge der Klimakrise, dass Unternehmen in seine Cloud-Dienste wechseln. Eine Analyse von Golem.de zeigt jedoch, dass Google noch etwas aufzuholen hat.

Eine Analyse von Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlicht am
Energieverbrauch der IT-Industrie: "eklatante Forschungslücke"
Energieverbrauch der IT-Industrie: "eklatante Forschungslücke" (Bild: Storyblocks)

Wie klimaschädlich ist der Besuch einer Internetseite? Der Harvard-Physiker Alex Wissner-Gross bezifferte dies im Jahr 2009 auf 20 Milligramm CO2 pro Sekunde. Schon damals befasste sich Google mit der Frage, wie es seinen Energieverbrauch drosseln könnte. Seither hat es einige technologische Entwicklungen und Projekte an den Start gebracht.

Dass sich die hippen Unternehmen aus dem Silicon Valley mit der physischen Seite des Digitalen befassen, ist längst fällig: Nach Recherchen des französischen Think Tanks The Shift Project hat sich der Anteil digitaler Geräte am Anteil der globalen CO2-Emissionen in den Jahren 2013 bis 2018 von 2,5 auf 3,7 Prozent erhöht. Damit tragen sie zur Klimakatastrophe in etwa so viel bei wie der Flugverkehr. Shift rechnet damit, dass der Energieverbrauch der IT-Industrie jährlich um vier Prozent steigen wird - entgegen dem weltweiten Trend, wonach der Energieverbrauch jährlich um 1,8 Prozent zurückgeht.

Zu den Wachstumstreibern gehören die US-Großkonzerne Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft sowie ihre chinesischen Mitbewerber Baidu, Alibaba und Tencent. Welche digitalen Projekte und Anwendungen wie viele Ressourcen verbrauchen, ist bislang nur ansatzweise bekannt. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen (WBGU) stellt dazu in seinem aktuellen Gutachten Unsere gemeinsame digitale Zukunft eine "eklatante Forschungslücke" fest. Nach Ansicht des Shift Project müssen die Unternehmen jedenfalls verstärkt darauf achten, digitale Projekte zu priorisieren, die eine nachhaltige Entwicklung befördern.

Ist Google auf Kurs des Pariser Klima-Abkommens?

Alphabet und Google sprechen sich für die Einhaltung der Pariser Klimaziele aus - zuletzt in der Kampagne #WeAreStillIn. Aber befindet sich das Unternehmen nicht nur politisch, sondern praktisch auf der Zielgeraden? Die von dem Frankfurter Startup Right.based on science entwickelte Klimakennzahl X-Degree Compatibility (XDC) ist derzeit die einzige Messzahl, die transparent darüber Auskunft gibt. Mit ihr lassen sich nicht nur Börsenindizes und Anlagefonds, sondern auch einzelne Unternehmen und Projekte bewerten. Das Modell ist für Anwender frei verfügbar und wird von Unternehmen Zalando, Fraport, Sanofi und Continental eingesetzt. Auch Beratungsunternehmen wie Deloitte und D-fine und Forschungseinrichtungen wie die Universität Hamburg oder Antwerp Management School arbeiten damit. Zuletzt veröffentlichte das Startup einen Bericht über die im DAX30 versammelten Unternehmen, der auf ein breites Medienecho stieß.

Stellenmarkt
  1. Vorwerk Services GmbH, Wuppertal
  2. Bechtle Onsite Services GmbH, Neckarsulm

Auf Anfrage von Golem.de teilte Right mit, dass Google sich derzeit auf einem 1,8 Grad-Kurs befinde - wie übrigens auch Microsoft. Wenn also alle Unternehmen so wirtschaften würden wie Google oder Microsoft, würde sich die Erde bis 2050 um 1,8 Grad Celsius erwärmen.

Damit befinden sich beide Unternehmen über dem Branchenziel von 1,6 Grad, wie es aus den Emissionsbudgets für einzelne Branchen im 2DS-Szenario der Internationalen Energiebehörde IEA abgeleitet werden kann. Das Szenario bezieht sich überdies noch auf das Ziel von 2 Grad Celsius - bislang gibt es trotz breiter Kritik von der IEA keines für 1,5 Grad.

Die XDC-Zahl geht über den von den Unternehmen angegebenen CO2-Fußabdruck hinaus, insofern sie die Emissionen ins Verhältnis zur Bruttowertschöpfung setzt, um eine ökonomische Emissionsintensität zu erhalten, die als Grundlage in ein wissenschaftlich fundiertes Klimamodell einfließt. Sie berücksichtigt dabei Emissionen, die der Kontrolle des Unternehmens unterliegen, aber auch die Emissionen der vor- und nachgelagerten Lieferkette, die nicht unter der Kontrolle des Unternehmens stehen. Damit wird auch die Wirkung der Produkte beim Kunden berücksichtigt. Die Zahlen für die Emissionswerte bezieht das Startup right von dem britischen Unternehmen Engaged Tracking, das die Emissionsdaten nicht nur aus den Nachhaltigkeitsberichten der Unternehmen bezieht, sondern auch ihre Plausibilität prüft.

Klimarisiken sind für Google Finanzrisiken

Für Google ist der Klimaschutz Teil seiner Geschäftsstrategie. Dabei geht das Unternehmen strategisch vor und führt dafür auch qualitative und quantitative Szenario-Analysen durch. "Klima" wird von Alphabet und Google vor allem als finanzielles Risiko begriffen.

Organisatorisch hat das Unternehmen "den Klimawandel" konsequenterweise bei der Finanzchefin (CFO) von Alphabet und Google angesiedelt. Ein interner Nachhaltigkeitsrat achtet darauf, dass Nachhaltigkeitsaspekte in der Gesamtstrategie des Unternehmens berücksichtigt werden, wobei auch hier das letzte Wort ein Finanzmanager hat. Die Klimakrise wird bei Google also als Finanzfaktor begriffen, mit dem gerechnet werden kann und muss.

Inwieweit die Klimakrise für ein Unternehmen ein Finanzfaktor ist, kann mit den sogenannten Klimarisiken erfasst werden. Angaben zu Klimarisiken sind bei vielen börsennotierten Unternehmen inzwischen üblich. Sie gehören zu den nicht-finanziellen Kernzahlen, die Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 40 Millionen Euro oder mit mehr als 500 Mitarbeitern nach der europäischen Richtlinie zu Corporate Social Responsibility (2014/95/EU) veröffentlichen müssen. Ausgewertet werden diese Angaben nicht nur von Aufsichtsbehörden, sondern auch von Investoren.

Larry Fink, Chef der weltweit einflussreichsten Fondsgesellschaft Blackrock verkündete Mitte Januar in einem CEO Letter, künftig auf Jahresversammlungen Unternehmen die Unterstützung schneller zu entziehen, die bei der Angabe ihrer Klimarisiken schlampen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Musterschüler in Sachen Transparenz? 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. 59,39€ (Digital Deluxe Edition) / 46,19€ (Standard Edition)
  2. (u. a. Asus Prime Z390-A Mainboard + Intel i5-9600K für 319,56€, MSI MPG Z490 Gaming Edge Wifi...
  3. (u. a. Lenovo Q27q 27 Zoll IPS WQHD FreeSync für 223,23€, Lenovo Legion 5 15,6 Zoll FHD IPS...
  4. 629€ (Vergleichspreis: 721€)

hyperlord 06. Feb 2020

Oh je, ausgerechnet ein Tilo Jung Video und dann auch noch mit Rahmstorf als objektive...

plutoniumsulfat 04. Feb 2020

Also wenn man die oberste Ebene der Aufteilung weglässt, ist es Kommunismus? Ist es auch...

Shismar 03. Feb 2020

Der Artikel bemängelt zwar die Intransparenz in vielen Bereichen, aber beurteilt die...

Shismar 03. Feb 2020

De Artikel ist vollkommen in Ordnung und sehr informativ. Vielleicht sollte er nicht auf...

ImBackAlive 31. Jan 2020

Nein, das stimmt einfach nicht. "Value Chain" Der Kunde ist nicht Teil der"Value Chain...


Folgen Sie uns
       


Streamen und Aufnehmen in OBS Studio - Tutorial

Wir erläutern in einem kurzen Video die Grundfunktionen von OBS-Studio.

Streamen und Aufnehmen in OBS Studio - Tutorial Video aufrufen
    •  /