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Google hat noch einiges aufzuholen

Die Behauptung, es wirtschafte carbon neutral, nutzt Google, um bei Unternehmen und Behörden für den Umstieg auf seine Produkte zu werben. Denn mit steigendem CO2-Preis könnten Kunden von ihrer eigenen technischen Infrastruktur auf G Suite Enterprise Solutions und damit auf die Google-Cloud umsteigen, da diese energieeffizient und CO2-neutral arbeite. Dabei werden die Treibhausgasemissionen, die die Nutzung der Produkte verursacht, auf Kundenseite nicht berücksichtigt.

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Doch wie genau müssen Unternehmen ihre Klimarisiken und -ziele überhaupt benennen? Alphabet und Google scheuen sich davor, den CO2-Fußabdruck, den ihre Produkte verursachen, zu beziffern. Allerdings führen sie in dem CDP-Fragebogen einen Vergleich an: "Wenn ein aktiver Nutzer einen Monat lang Google-Dienste in Anspruch nimmt, entsteht ungefähr die gleiche Menge an Treibhausgasemissionen wie beim Fahren eines Autos über eine Meile."

Mit diesem lockeren Vergleich, den Google seinen Investoren damit liefert, können sie das tatsächliche Ausmaß der Treibhausgasemissionen jedoch nicht beziffern, da Fahrzeuge unterschiedliche Emissionswerte verursachen - und man ja nun auch nicht weiß, ob das Auto ein alter Ford, ein Hybridfahrzeug oder gar ein Cybertruck sein sollte.

Noch irritierender wird diese Antwort, wenn man bedenkt, dass Google im Grunde alle Tools zur Hand hat, um möglichst genaue Aussagen auch über das Emissionsverhalten seiner Nutzer treffen zu können. Verstreut im Fragebogen finden sich einzelne Hinweise auf den tatsächlichen Umfang: So verweisen sie an einer Stelle darauf, dass die Produkte Search, Android, Maps, Chrome, Youtube, Google Play und Gmail jeweils über eine Milliarde aktive Nutzer pro Monat haben. An anderer Stelle sagen sie, dass die Emissionen aufgrund des gewachsenen Geschäftsumfangs 2018 im Vergleich zu 2017 um 30 Prozent gestiegen sind.

Google drückt sich um die Antwort

Für die Berechnung des jährlichen Volumens von 1.210.661 CO2-Tonnen verwendet Alphabet das Greenhouse Gas Protocol. Das Treibhausgas-Protokoll definiert drei Bereiche, auch Scopes genannt, die ein Unternehmen abbilden und in den Griff bekommen muss.

Die Entwicklung des Protokolls wurde vom Weltressourceninstitut und dem Weltwirtschaftsrat für Nachhaltige Entwicklung koordiniert, beteiligt waren unter anderem Energieunternehmen wie Shell und Norsk Hydro, aber auch NGOs wie die Naturschutzorganisation WWF.

Der erste Bereich (Scope 1) bezieht sich auf Emissionen, die der Kontrolle des Unternehmens unterliegen. Das ist beispielsweise bei unternehmenseigenen Dienstwagen-Flotten oder Kraftwerken der Fall.

Der zweite Bereich (Scope 2) bezieht sich auf Energiedienstleistungen wie Strom und Wärme, die bezogen werden.

Der dritte Bereich (Scope 3) bezieht sich auf Emissionen, die in der vor- oder nachgelagerten Lieferkette verursacht werden, aber nicht unter der Kontrolle des Unternehmens stehen. Dazu gehören auch Emissionen, die etwa während der Nutzungsphase der Produkte entstehen.

Fallen mehr als 40 Prozent der Gesamtemissionen entlang der Wertschöpfungskette auf Scope 3, verlangt die Science Based Targets Initiative (SBTi), die von CDP, dem Global Compact Netzwerk der Vereinten Nationen und dem Weltressourceninstitut unterhalten wird, dass Unternehmen konkret angeben, wie sie in diesem Bereich Emissionen vermindern wollen.

Google bezieht seine Angaben zu seinen CO2-Emissionen auf Scope 1 und 2. Bei Scope 3 berücksichtigt Google nur die Emissionen, die bei Geschäftsreisen der eigenen Mitarbeiter sowie Bewerber und Fahrten der Mitarbeiter zum Arbeitsplatz anfallen. Die Qualität der dazu erfassten Daten sei, so Google selbstkritisch, "mittel bis niedrig". Microsoft berücksichtigt im Übrigen ebenfalls nicht den gesamten Scope 3.

Gleichzeitig aber besteht Google darauf, mit einer 100-prozentigen Reduktion im selben Jahr die "CO2-Neutralität" zu erreichen. Die Emissionen, die seine Produkte verursachen, klammert es aber aus. Google macht nach dem Maßstab der SBTi damit unzureichende Angaben zu Scope 3. Dem Unternehmen ist dies auch bewusst, mehrfach weist es darauf hin, dass es in den nächsten zwei Jahren die Emissionen nicht nach den Vorgaben der SBTi bewerten wird.

Kann sich ein Unternehmen um die Beantwortung der Frage drücken, welche Emissionen in Scope 3 anfallen? Rein rechtlich: Ja. Doch Investoren legen zunehmend Wert auf vollständige Angaben - und achten darauf, ob Unternehmen sich der SBTi angeschlossen haben. Diese verlangt eine wissenschaftlich basierte Nachhaltigkeitsberichterstattung und erwartet, dass die Unternehmen die Klimaziele im Einklang mit den Pariser Klimazielen formulieren. Dazu bekennen sich inzwischen über 700 Unternehmen. Zu den Firmen, die bereits dabei sind, zählt unter anderem der Software-Konzern SAP.

Im Zeichen der Klimakatastrophe hat Google also noch einiges aufzuholen: Dazu gehört, dass das Unternehmen einen CO2-Preis ansetzt, der den externalisierten Umweltkosten tatsächlich entspricht, und Scope 3 nach den Vorgaben der SBTi angibt. Damit würde sich dann sicherlich auch die XDC-Klimakennzahl in Richtung 1,5 Grad bewegen.

Nachtrag vom 11. Februar 2020, 13:40 Uhr

Wir haben die Messzahlen auf der ersten Artikelseite noch genauer erläutert und die Überschrift etwas abgeschwächt - die Prognose, ob Google auf dem Weg ist, die Pariser Klimaziele zu verfehlen, ist eine Einschätzungsfrage (ursprünglich lautete die Headline: "Google verfehlt die Pariser Klimaziele"). Auch haben wir am Schluss zwei Sätze ergänzt.

Überarbeitet haben wir außerdem die folgenden Passagen:

Alphabet und Google machen keine Angabe dazu, ob sie das Klimaziel des Pariser Abkommens einhalten wollen. -> Alphabet und Google sprechen sich für die Einhaltung der Pariser Klimaziele aus - zuletzt in der Kampagne #WeAreStillIn. Aber befindet sich das Unternehmen nicht nur politisch, sondern praktisch auf der Zielgeraden?

Auf Anfrage von Golem.de teilte Right mit, dass Google sich derzeit auf einem 1,8 Grad-Kurs befinde. Wenn also alle Unternehmen so wirtschaften würden wie Google, würde sich die Erde bis 2050 um 1,8 Grad Celsius erwärmen. Damit befindet sich der Internetkonzern über dem Branchenziel von 1,6 Grad, wie es aus den Emissionsbudgets für einzelne Branchen im 2DS-Szenario der Internationalen Energiebehörde IEA abgeleitet werden kann. -> Auf Anfrage von Golem.de teilte Right mit, dass Google sich derzeit auf einem 1,8 Grad-Kurs befinde - wie übrigens auch Microsoft. Wenn also alle Unternehmen so wirtschaften würden wie Google oder Microsoft, würde sich die Erde bis 2050 um 1,8 Grad Celsius erwärmen. Damit befinden sich beide Unternehmen ...

Über die damit erzielten Gewinne schweigt sich das Unternehmen aus und verweist auf sein Geschäftsgeheimnis -> Über die finanziellen Aspekte äußert sich das Unternehmen nicht, bezeichnet den "Impact" jedoch als "mittel bis hoch".

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hyperlord 06. Feb 2020

Oh je, ausgerechnet ein Tilo Jung Video und dann auch noch mit Rahmstorf als objektive...

plutoniumsulfat 04. Feb 2020

Also wenn man die oberste Ebene der Aufteilung weglässt, ist es Kommunismus? Ist es auch...

Shismar 03. Feb 2020

Der Artikel bemängelt zwar die Intransparenz in vielen Bereichen, aber beurteilt die...

Shismar 03. Feb 2020

De Artikel ist vollkommen in Ordnung und sehr informativ. Vielleicht sollte er nicht auf...

ImBackAlive 31. Jan 2020

Nein, das stimmt einfach nicht. "Value Chain" Der Kunde ist nicht Teil der"Value Chain...


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