Era 300 im Test: Guter und teurer Sonos-Lautsprecher mit Bluetooth

Der Era 300 ist Sonos' erster Nicht-Soundbar-Lautsprecher mit Unterstützung für Dolby Atmos. Als weitere Besonderheit im Sonos-Ökosystem: Er unterstützt Bluetooth, obwohl er keinen Akku eingebaut hat - und das mit einer kompletten Multiroom-Integration. Wie beim neuen Era 100 gibt es im Vergleich zu anderen Sonos-Produkten eine neue Art der True-Play-Einmessung für die Anpassung des Klangs an die Raumgegebenheiten.
Wer bereits Sonos-Lautsprecher besitzt, sollte sich bewusst sein, dass das neue Modell keinen Ethernet-Anschluss mehr hat. Er lässt sich nur mittels kostenpflichtigen Zubehörs nachrüsten. Ebenfalls nur mit kostenpflichtigem Zubehör bietet der Era 300 die Möglichkeit, Musik über einen Klinkenanschluss auf dem Lautsprecher abzuspielen. Ältere smarte Lautsprecher von Sonos erlauben die Nutzung mit Alexa oder Google Assistant - beim Neuling gibt es nur noch Alexa.
Wir haben den Era 300 mit mehreren smarten Lautsprechern verglichen. Ein direkter Konkurrent ist Amazons Echo Studio (g+) , der ebenfalls Dolby Atmos unterstützt und dabei weniger als die Hälfte des Era 300 kostet. Der Echo Studio ist seit einem Monat nicht mehr regulär für 200 Euro zu haben, sondern kostet nun 240 Euro.
Der Klang des Era 300 im Vergleich mit der Konkurrenz
Zudem haben wir den neuen Sonos-Lautsprecher gegen Apples Homepod der ersten Generation (g+) antreten lassen, der aus dem vergleichsweise kleinen Gehäuse zum Preis von 350 Euro besonders viel Tiefbass holt. Außerdem haben wir den Era mit dem neuen Era 100 und dem Sonos One verglichen.
Der One ist klanglich der bisher beste smarte Lautsprecher von Sonos, bei dem es sich nicht um eine Soundbar handelt. Schließlich haben wir den Era 300 der Beam der ersten Generation von Sonos (g+) gegenübergestellt - diese kostete seinerzeit 450 Euro - war also 50 Euro preiswerter als der Era 300 heute.
Im Vergleich mit dem Homepod der ersten Generation haben wir festgestellt, dass der Era 300 die Stimmen weiter in den Raum hineinträgt. Zudem ist der Klang des Sonos-Lautsprechers etwas klarer. Er hat zudem einen sehr kräftigen Mittenbereich sowie einen kräftigen Bass. Der Homepod legt bei der Bassintensität noch etwas drauf, das Klangbild ist damit aber weniger stimmig als beim Era 300, der uns deswegen besser gefällt. Der Homepod ist manchmal zu bassbetont.
Starke Konkurrenz für Era 300
Im Vergleich mit dem Echo Studio bietet der Era 300 eine größere Räumlichkeit und ein stimmigeres Klangbild. Der Gesang wird vom Sonos-Lautsprecher weiter in den Raum getragen und ist klarer als bei der Amazon-Konkurrenz. Beide Modelle sind sehr bassstark, der Bass ist beim Era 300 definierter, das finden wir angenehm. Im direkten Vergleich gefällt uns die Abstimmung des Era 300 etwas besser. Für sich genommen liefert der Echo Studio dennoch einen tollen Klang - vor allem für den Preis von 240 Euro.
Bei den Stereoeffekten schlägt der Era 300 den Echo Studio leicht - sie sind beim Era 300 deutlicher herauszuhören. Allerdings setzt das bei beiden Modellen voraus, dass wir uns möglichst mittig vor dem Lautsprecher aufhalten, was in der Praxis eher selten der Fall sein wird. Ein echtes Lautsprecherpaar lässt sich damit nicht ersetzen.













































Lassen wir den Era 300 gegen das kleinere 100er Modell antreten, erhalten wir beim fast doppelt so teuren Modell eindeutig den besseren Klang. Der Era 300 hat mehr Bass, ist deutlich räumlicher und liefert auch einen klareren Klang. Noch größer ist der Unterschied zwischen dem Era 300 und dem Sonos One; Letzterer schneidet im Vergleich etwas schlechter ab als der Era 100.
Klanglich ziemlich ähnlich ist die Beam der ersten Generation. Die Beam profitiert von dem breiteren Gehäuse, mit dem sie einen besseren Stereoeffekt hinbekommt als der Era 300. Ansonsten liegen beide Lautsprecher klanglich auf einem ähnlichen Niveau, die Beam ist bei der Bassintensität noch etwas kräftiger. Die Sonos-Soundbar nimmt zwar mehr Platz ein, kann dafür auch für den Film- und Serienkonsum genutzt werden, wenn der Lautsprecher ohnehin im Wohnzimmer steht, wo der Fernseher meist zu finden ist.
Era 300 unterstützt Dolby Atmos
Wenn wir mit dem Era 300 oder dem Echo Studio Musik im Dolby-Atmos-Format abspielen, nimmt die Räumlichkeit der Musik noch einmal zu. Allerdings kommt der Lautsprecher nicht an eine vollwertige Surround-Anlage heran. Bisher gibt es nur wenige ausgewählte Musik in Dolby Atmos - in der Praxis werden Käufer des Lautsprechers beim Musikkonsum also nur recht selten davon profitieren.
Damit Musik im Format Dolby Atmos läuft, muss sie über die Sonos-App oder mittels Sprachbefehl abgespielt werden. Derzeit unterstützt Sonos nur Amazon Music Unlimited, ab dem 28. März 2023 kommt Apple Music dazu. Über Airplay 2 oder Bluetooth wird der Raumklang-Standard nicht unterstützt.













































Wer eine Dolby-Atmos-fähige Sonos-Soundbar besitzt, kann zwei Era 300 als Rücklautsprecher aufstellen und für die hinteren Kanäle die Atmos-Fähigkeiten nutzen. In der Praxis wird das wohl nur für Käufer der Arc eine Option sein. Denn wer die Beam der zweiten Generation mit Dolby Atmos für 550 Euro gekauft hat, wird wohl kaum bereit sein, 1.000 Euro nur für die beiden Rücklautsprecher zu zahlen.
Die beiden Era-Lautsprecher sind die ersten Sonos-Produkte ohne Akku, die Musik auch über eine Bluetooth-Verbindung abspielen können. Das Besondere ist dabei die vollständige Integration der Bluetooth-Wiedergabe in das Sonos-Multiroom-System.
Vorbildliche Bluetooth-Integration für einen WLAN-Lautsprecher
Der Era 300 hat die gleiche vorbildliche Bluetooth-Integration erhalten, die erstmals mit dem Sonos Roam (g+) eingeführt wurde: Dabei ist die Bluetooth-Zuspielung für das Sonos-System nur so etwas wie eine Art Streamingdienst. Das heißt, die Musik über eine Bluetooth-Verbindung kann auf allen weiteren Sonos-Lautsprechern in der Wohnung oder im Haus ebenfalls abgespielt werden.
Wer erst mit dem Era 300 in die Sonos-Welt einsteigt, merkt davon erst einmal nichts. Dann ist kein Unterschied zu einem normalen Bluetooth-WLAN-Lautsprecher zu bemerken. Der Vorteil der Sonos-Lösung ist nutzbar, sobald mindestens zwei Sonos-Lautsprecher im Haushalt in Betrieb sind. Wer bereits Sonos-Lautsprecher besitzt und das System um den Era 300 erweitert, bekommt quasi für alle übrigen Sonos-Lautsprecher eine Bluetooth-Zuspielung.
Wie beim Roam gibt es auch bei den neuen Era-Modellen in der Sonos-App keine Übersicht der eingerichteten Bluetooth-Verbindungen. Und es gibt keine Möglichkeit, einzelne Bluetooth-Verbindungen zu löschen. Diese Beschränkungen darf Sonos gerne beseitigen. Die Era-Lautsprecher unterstützen ansonsten Apples Airplay 2, Google Cast gibt es bei Sonos weiterhin nicht.
Tolle Lautstärkeregelung am Sonos-Lautsprecher
Für alle neuen Era-Lautsprecher hat sich Sonos eine neue Steuerung direkt am Gerät einfallen lassen - und die ist toll geworden. Besonders angetan sind wir von der kongenialen Lautstärkeregelung: Wie bei einigen anderen Sonos-Produkten werden Sensorflächen zur Bedienung am Gerät verwendet. Als Neuerung gibt es nun gesonderte Sensorfelder, um von einem Lied zum nächsten zu springen.
Speziell für die Lautstärkeregelung gibt es eine Art Sensorgraben. Das bedeutet, es gibt ein Sensorfeld, das sich durch eine Ausbuchtung leicht erfühlen lässt. Mit einem Wisch darüber wird die Lautstärke verändert. Damit lässt sich die Musik sehr schnell leiser oder lauter stellen, indem beherzt darübergewischt wird. Eine vergleichbar schnelle Änderung der Lautstärke ist sonst nur mit einem Drehknopf möglich. Alternativ kann die Lautstärke auch durch Tippen auf eine Stelle des Lautstärkefelds verändert werden.
Sprachsteuerung mit Google Assistant nicht möglich
Sonos hat den Era 300 mit Mikrofonen versehen, die unter anderem für die Sprachsteuerung verwendet werden können. Dabei kann der neue Lautsprecher nur noch mit Amazons Alexa genutzt werden. Andere Sonos-Produkte mit Mikrofonen beherrschen wahlweise Alexa oder Google Assistant. Sonos erklärte Golem.de auf Nachfrage dazu, dass Google "die technischen Anforderungen für Google Assistant auf den Geräten von Drittanbietern geändert" habe.
Beim Google Assistant verbietet Google Anbietern den gleichzeitigen Betrieb mit einer anderen Sprachsteuerung . Unter anderem in den USA gibt es eine Sonos-eigene Sprachsteuerung , die es noch immer nicht in deutscher Sprache gibt. Wer mag, kann die Sonos-Sprachsteuerung in englischer Sprache in Deutschland nutzen.













































Wie bei anderen Sonos-Produkten mit Sprachsteuerung gibt es am Lautsprecher eine Taste, um die Mikrofone zeitweise zu deaktivieren. Neu ist ein Hardwareschalter auf der Rückseite, mit dem sich die Mikrofone dauerhaft deaktivieren lassen, falls die Sprachsteuerung generell nicht genutzt wird. Wenn die Sprachsteuerung aktiv ist, leuchtet eine weiße LED, die beim Era 300 in Schwarz immer gut zu erkennen ist. Das Sonos-Produkt kann so konfiguriert werden, dass es einen Signalton abspielt, sobald Alexa aktiv ist.
Neue Art der True-Play-Einmessung
Mit den Era-Produkten setzt Sonos nach vielen Jahren endlich die Forderung um, die in den Lautsprechern enthaltenen Mikrofone für die True-Play-Einmessung zu verwenden. True Play bezeichnet eine Technik, die den Klang an die Raumgegebenheiten anpasst. Bisher konnte diese Technik bei den meisten Sonos-Produkten nur benutzt werden, indem mit einem Apple-Geräte die Messung vorgenommen wurde. Nun geht das auch mit einem Android-Gerät.
Die Einmessung über die Mikrofone am Lautsprecher soll dabei laut Sonos nicht ganz so gute Ergebnisse liefern wie die normale Einmessung mittels Apple-Gerät. Bei der Einmessung mit Apple-Gerät muss damit in der Hand durch den Raum gegangen werden. Dabei sollte es möglichst leise sein.













































In Altbauten können es knarzende Dielen unmöglich machen, sich fast lautlos durch den Raum zu bewegen. In solchen Fällen sorgt das neue True-Play-System dafür, dass die Technik überhaupt nutzbar ist. Aber auch wer keinen Zugriff auf ein Apple-Gerät hat, kann damit True Play erstmals verwenden. Etwas ärgerlich: Wenn True Play auf einem Nicht-Apple-Gerät aktiviert wird, gibt es keinen Hinweis darauf, dass es auch noch das andere Einmesssystem gibt.
Solch ein Hinweis wäre durchaus nützlich. Denn Käufern wird nicht unbedingt klar sein, dass die Funktion des Lautsprechers - abhängig vom verwendeten Smartphone - anders sein kann. Da die Apple-Geräte-Einmessung nur einmalig gemacht werden muss, würde es ausreichen, sich so ein Gerät auszuleihen.
Era 300 lässt sich mit Zubehör aufrüsten
Auf Nachfrage erklärte Sonos, dass nicht geplant sei, die neue True-Play-Einmessung auch für ältere Lautsprecher des Herstellers mit eingebauten Mikrofonen anzubieten. Das ist sehr bedauerlich, denn die Funktion würden sich sicherlich manche Besitzer von Sonos-Produkten wünschen.
Alle Era-Modelle haben eine USB-C-Buchse und mithilfe von Zubehör kann bei Bedarf kabelgebunden Musik darüber abgespielt werden. Darüber wird auch der Ethernet-Anschluss realisiert, wenn das gewünscht und das passende Zubehör vorhanden ist. Das neue Modell unterstützt Wi-Fi 6 für eine bessere WLAN-Anbindung.
Die Besonderheiten von Sonos
Die Besonderheiten des Sonos-Systems sind unter anderem das gut abgestimmte Multiroom-System und die Unterstützung von 140 unterschiedlichen Musikstreamingdiensten(öffnet im neuen Fenster) . Wie gehabt werden die Lautsprecher unter anderem über die entsprechende Sonos-App gesteuert. Vor allem im Multiroom-Betrieb ist Sonos der Konkurrenz weit voraus, der Wechsel oder das Hinzufügen von Lautsprechern während der Musikwiedergabe ist dabei besonders einfach und ohne Unterbrechung möglich. Das ist im Markt für vernetzte Lautsprecher keine Selbstverständlichkeit.
Beim Strombedarf im Bereitschaftsmodus gehört der Era 300 zum Spitzenfeld und ist vergleichsweise sparsam. Sonos hat für die neuen Modelle Optimierungen zugesichert und hält das ein. Der Era 300 benötigt im Standby nur noch 1,7 Watt und unterbietet damit den Homepod mit 1,9 Watt. Der alte One der ersten Generation liegt bei 3,4 Watt. Im Vergleich dazu schneidet Amazons Echo Studio mit 4,6 Watt besonders schlecht ab.
Sonos Era 300 im Test: Verfügbarkeit und Fazit
Sonos will den smarten Lautsprecher Era 300(öffnet im neuen Fenster) für 500 Euro am 28. März 2023 auf den Markt bringen. Das neue Modell wird in Weiß und Schwarz angeboten. Der Line-In-Adapter wird für 25 Euro verkauft, für 45 Euro ist der Combo-Adapter geplant, der Ethernet und Line-In bietet. Auch das Zubehör soll es jeweils in Weiß und Schwarz geben.
Fazit
Der neue Era 300 gehört klanglich mit zu den besten smarten Lautsprechern - ist dabei aber auch vergleichsweise kostspielig. Der Era 300 klingt für uns besser als Apples Homepod der ersten Generation, der uns mitunter zu basslastig ist. Auch den Echo Studio von Amazon kann er durch ein besser abgestimmtes Klangbild hinter sich lassen. Allerdings kostet der Echo Studio nur die Hälfte des Era 300 - und klingt dabei nicht doppelt so gut.
Ein Pluspunkt im Vergleich zur Konkurrenz ist die vorbildliche Bluetooth-Einbindung: Wir können die Multiroom-Funktionen optimal nutzen und erhalten eine universelle Zuspielung abseits von Streamingabos und Airplay 2. Gut gelungen sind die verbesserte Steuerung und die überzeugende Lautstärkeregelung am Gerät, die wir gerne auch bei anderen Produkten hätten.
Eine sinnvolle, aber zum Teil auch längst überfällige Neuerung im Sonos-System ist die neue True-Play-Einmessung durch Nutzung der im Lautsprecher enthaltenen Mikrofone. Wir können nicht nachvollziehen, warum das den neuen Modellen vorbehalten bleibt.













































Etwas sonderbar mutet auch die Beschränkung an, dass der Google Assistant auf einem neuen Sonos-Produkt nicht nutzbar ist, auf einem älteren Modell hingegen schon. Wir finden es prinzipiell gut, dass es eine Kabelzuspielung für Musik gibt. Aber es bleibt unverständlich, dass das nötige Zubehör bei einem so teuren Produkt nicht mitgeliefert wird.
Wir können den Schritt von Sonos nicht ganz nachvollziehen, die Ethernet-Buchse einzusparen. Auch hier muss bei einem ohnehin recht teuren Produkt erst noch ein Adapter bezahlt werden, um die Ethernet-Buchse nachzurüsten. Im Vergleich zu bisherigen Sonos-Produkten gibt es also Verbesserungen und Verschlechterungen.
Wer unbedingt rund 500 Euro für einen Sonos-Lautsprecher ausgeben will, ist womöglich mit einer Soundbar des Herstellers besser bedient. Sie braucht mehr Stellfläche, kann dafür aber auch für Filme und Serien genutzt werden. Derzeit müssten Käufer aber auf eine Bluetooth-Zuspielung verzichten. Hier ist also abzuwägen, wie wichtig die Bluetooth-Zuspielung ist. Womöglich bringt Sonos demnächst eine Soundbar mit den Era-Besonderheiten auf den Markt.



