Abo
  • Services:
Anzeige
Die von Kaspersky entdeckten Spionagewerkzeuge können leicht selbst hergestellt werden.
Die von Kaspersky entdeckten Spionagewerkzeuge können leicht selbst hergestellt werden. (Bild: Kaspersky)

Equation Group: Die Waffen der NSA sind nicht einzigartig

Die von Kaspersky entdeckten Spionagewerkzeuge können leicht selbst hergestellt werden.
Die von Kaspersky entdeckten Spionagewerkzeuge können leicht selbst hergestellt werden. (Bild: Kaspersky)

Die mutmaßliche NSA-Spionagesoftware, die Kaspersky-Sicherheitsexperten aufgespürt haben, ist unheimlich und raffiniert. Das Know-how dazu haben aber auch andere.

Anzeige

Spezialisten des russischen Virenschutz-Entwicklers Kaspersky haben kürzlich eine Reihe von Programmen aufgedeckt, mit deren Hilfe Geheimdienste wie die NSA auch besonders gesicherte Computersysteme von Regierungen, Militärs und Unternehmen ausspionieren können. Was Kaspersky Lab präsentierte, klang nach Spionagesoftware der Superlative: Sie nistet sich unlöschbar auf Festplatten ein und umgeht alle Schutzvorkehrungen. Equation Group nennt Kaspersky die Urheber. Vieles deutet darauf hin, dass es sich dabei um die Spezialeinheit Tailored Access Operations (TAO) der NSA handelt.

Die Supersoftware fand sich auf rund 500 Rechnern weltweit. Aber in nur fünf Fällen fanden die Schadsoftware-Spezialisten die raffinierteste Version, um nicht zu sagen: die unheimlichste. Wie sie funktioniert, berichtet das Magazin Wired nun erstmals ausführlich. Doch so mächtig sie erscheinen mag: einzigartig ist sie nicht.

Kernstück ist demnach eine Datei namens nls_933w.dll. Es soll sich dabei um einen Firmware-Flasher handeln, ein Modul, mit dem die Angreifer die Firmware - also die zur Steuerung der Hardware notwendige vorinstallierte Software - von verschiedenen handelsüblichen Festplatten aus der Ferne ersetzen konnten. Die Opfer eines solchen Angriffs sind dann nicht mehr Herr über ihren eigenen Rechner.

Der Grund dafür ist die besondere Lage der Firmware in einem speziellen Speicher oder Chip, von wo aus sie die grundlegende Funktion der Festplatte steuert. Dieser Speicher oder Chip kann von Antivirensoftware und vom Anwender nicht durchsucht werden, und die Firmware wird selbst dann nicht beeinträchtigt, wenn jemand das Betriebssystem seines Computers löscht und neu aufspielt. Mit anderen Worten: die bösartige Firmware der Equation Group ist gekommen, um zu bleiben. Loswerden kann man sie nach derzeitigem Stand nur noch, indem man die Festplatte zerstört und wegschmeißt.

Abgesehen davon bietet die Lage noch weitere Vorteile: So belegt die Firmware meist nicht den kompletten Speicherplatz ihres Chips, ein Rest bleibt ungenutzt und für den Computernutzer unzugänglich. Die Version der Equation Group nutzt diesen Rest als versteckten Speicher.

Das funktioniert im Zusammenspiel mit anderen Schnüffelprogrammen. Kaspersky hat verschiedene solcher Pakete identifiziert und zwei von ihnen GrayFish und EquationDrug getauft. Beide sind in der Lage, einen Zielrechner nach interessanten Dateien zu durchsuchen und diese dann auf dem Chip mit der Firmware abzulegen. Weil Computernutzer nicht einfach nachschauen können, was auf diesem Chip gespeichert ist, ist das ein ziemlich gutes Versteck.

Zudem kann es eine geradezu elegante Methode sein, die Verschlüsselung einer Festplatte auszuhebeln. Weil diese den Firmware-Chip nicht mit absichert, muss der Angreifer später nur noch auf den geheimen Speicherplatz zugreifen können, um an die dorthin kopierten unverschlüsselten Dateien zu gelangen. Alternativ könnte ein Spionagepaket wie GrayFish das Entschlüsselungspasswort abgreifen, wenn der Computernutzer es eingibt.

Ist der Computer aus Sicherheitsgründen nicht mit dem Internet verbunden - Kaspersky weist darauf hin, dass dies bei einem der fünf befallenen Rechner der Fall war, ohne zu erklären, wie er infiziert wurde -, brauchen die Angreifer irgendwann allerdings physischen Zugriff, um die gesicherten Daten auslesen zu können. Eine Grenzkontrolle kann dazu reichen. Die Voraussetzungen für eine solche Spionageaktion und die möglichen Komplikationen zeigen schon: Es handelt sich um Werkzeuge, die nur sehr selten eingesetzt werden.

Forscher haben ähnliche Hacks entwickelt

Brauchen die Angreifer noch mehr Speicherplatz, können sie im normalen Speicher der Festplatte ein weiteres Versteck anlegen. Dass die NSA genau das können wollte und mittlerweile vermutlich kann, geht aus einem Dokument von 2007 hervor, das der Spiegel veröffentlicht hat. Covert Storage Product nennt die NSA die Idee darin: Manipulierte Firmware soll dem Betriebssystem nicht die tatsächlich verfügbare Speicherkapazität melden, sondern einen Teil davon geheim halten. Der soll nur über ein spezielles Kommando zugänglich und anschließend wieder abschließbar sein.

Aber nicht nur Geheimdienste beschäftigen sich mit solchen Angriffsszenarien. Schon 2013 demonstrierte ein Hacker, der sich Sprite_tm nennt, wie man die Firmware einer Festplatte "reverse engineeren" und überschreiben kann. Im vergangenen Jahr haben acht Experten um den Sicherheitsforscher Travis Goodspeed mit ähnlichen Methoden ein potenziell ähnlich mächtiges und kaum zu entdeckendes Schnüffelwerkzeug geschaffen, wie es die Equation Group getan hat. Und die Forscher der Berliner Security Research Labs um Karsten Nohl haben die Firmware von USB-Geräten gehackt und so verschiedene Geräte in perfide Wanzen verwandelt. Nohl sagt, das Reverse Engineering einer Festplatten-Firmware erfordere "etwas Expertise und einige Wochen Zeit".

Alle drei Hacker- und Forschergruppen relativieren damit ein wenig die Aussage von Kaspersky, etwas Komplexeres als die Infektion der Festplatten-Firmware habe man noch nie gesehen. In der Veröffentlichung von Goodspeed und seinen Kollegen heißt es, nicht nur staatliche Organisationen können solche Spionageprogramme entwickeln, sondern auch "finanziell mittelmäßig ausgestattete Kriminelle".


eye home zur Startseite
__destruct() 25. Feb 2015

Hast du seinen Beitrag überhaupt gelesen? Es geht rein um die Funktion, die das Schreiben...

__destruct() 25. Feb 2015

Das ist sowieso immer Voraussetzung. Mit CS-Hardware kann das richtig ins Geld gehen...

Wallbreaker 25. Feb 2015

Wird effektiv gesehen ein reines Windows Problem sein, da diese Plattform derartige...

Sarkastius 25. Feb 2015

Glaubst du wirklich das es mit dem Zugriff ein großes Problem ist? Als Beispiel: Hast du...

arm-zu-schlau 25. Feb 2015

Hier "nicht einzigartig" - Dtl ist nun mal das Land für B-ware und wer dort A-ware hat...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG, Burgkirchen a.d. Alz
  2. FRITZ EGGER GmbH & Co. OG Holzwerkstoffe, St. Johann (Österreich)
  3. W&W Informatik GmbH, Stuttgart
  4. medavis GmbH, Karlsruhe


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 229,99€
  2. 449€

Folgen Sie uns
       


  1. Infrastrukturabgabe

    Kleinere deutsche Kabelnetzbetreiber wollen Geld von Netflix

  2. Pixel 2 und Pixel 2 XL im Test

    Google fehlt der Mut

  3. Baden-Württemberg

    Unitymedia schließt Sendeplatzumstellung ab

  4. Gesetz gegen Hasskommentare

    Die höchsten Bußgelder drohen nur Facebook

  5. GPD Pocket im Test

    Winziger Laptop für Wenigtipper

  6. Neue WLAN-Treiber

    Intel muss WLAN und AMT-Management gegen Krack patchen

  7. Kabel-Radio

    Sachsen will auch schnelle UKW-Abschaltung im Kabel

  8. To Be Honest

    Facebook kauft Wahrheits-App

  9. Lüfter

    Noctua kann auch in Schwarz

  10. Microsoft

    Supreme Court entscheidet über die Zukunft der Cloud



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Passwortmanager im Vergleich: Das letzte Passwort, das du dir jemals merken musst
Passwortmanager im Vergleich
Das letzte Passwort, das du dir jemals merken musst
  1. 30.000 US-Dollar Schaden Admin wegen Sabotage nach Kündigung verurteilt
  2. Cyno Sure Prime Passwortcracker nehmen Troy Hunts Hashes auseinander
  3. Passwortmanager Lastpass ab sofort doppelt so teuer

APFS in High Sierra 10.13 im Test: Apple hat die MacOS-Dateisystem-Werkzeuge vergessen
APFS in High Sierra 10.13 im Test
Apple hat die MacOS-Dateisystem-Werkzeuge vergessen
  1. MacOS 10.13 Apple gibt High Sierra frei
  2. MacOS 10.13 High Sierra Wer eine SSD hat, muss auf APFS umstellen

Cybercrime: Neun Jahre Jagd auf Bayrob
Cybercrime
Neun Jahre Jagd auf Bayrob
  1. Antivirus Symantec will keine Code-Reviews durch Regierungen mehr
  2. Verschlüsselung Google schmeißt Symantec aus Chrome raus
  3. Übernahme Digicert kauft Zertifikatssparte von Symantec

  1. Danke, Golem! Vorbestellung gelöscht.

    atikalz | 15:47

  2. "Es sei nicht einzusehen, dass Netflix an die gro...

    h4z4rd | 15:46

  3. Immer wieder lustig,

    Dwalinn | 15:45

  4. Schon mal von OCAs gehört?

    Luu | 15:44

  5. Re: Zweite Sackgasse :(

    MickeyKay | 15:44


  1. 15:34

  2. 15:00

  3. 14:26

  4. 13:15

  5. 11:59

  6. 11:54

  7. 11:50

  8. 11:41


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel