Eoan Ermine: Ubuntu 19.10 erscheint mit ZFS und i386-Paketen
Im üblichen Halbjahresrhythmus ist die aktuelle Version von Ubuntu, 19.10 alias Eoan Ermine, erschienen(öffnet im neuen Fenster). Diese bringt viele Änderungen und Neuerungen, über die das Team schon länger diskutiert. Dazu gehört vor allem die Nutzung des Dateisystems ZFS für die Root-Partition, was das Ubuntu-Team nun erstmals experimentell seinen Nutzern zur Verfügung stellt.
Um dies einfach zu testen, haben die Entwickler den Installer angepasst. Darüber hinaus arbeitet das Team an einem speziell entwickelten System-Daemon, der die Verwendung des Dateisystems vereinfachen soll. Dieser kann etwa mit dem Systemstart umgehen und erkennt die sogenannten Datasets auf einzelnen Maschinen. Ein Großteil der Arbeiten zur Umsetzung von ZFS auf der Root-Partition von Ubuntu konzentriert sich auf die Erstellung dieses Daemon.
Ubuntu-Sponsor Canonical forciert bereits seit einigen Jahren die Arbeiten an der Nutzung von ZFS. So werden etwa seit Ubuntu 16.04 kompilierte Treiber für das Dateisystem verteilt. In der Linux-Community herrscht jedoch Uneinigkeit darüber, ob dies überhaupt legal ist. Laut Meinung einiger Entwickler und Juristen ist die von ZFS genutzte CDDL nämlich nicht zur GPL des Linux-Kernels kompatibel, so dass der Treiber nicht mit dem Kernel als Binärcode vertrieben werden dürfte. Canonical ist natürlich anderer Meinung und erklärt, man handele "in Übereinstimmung mit den Bedingungen beider Lizenzen".
32-Bit x86 weiter dabei
Für große Diskussionen während der Entwicklungsphase von Eoan Ermine sorgte die Ankündigung, mit dieser Version auf den Support für die Build-Architektur mit dem historischen Namen i386 in Ubuntu verzichten zu wollen. Die Architektur bezeichnet dabei die 32-Bit-Version der x86-Architektur.
Das sorgte für große Kritik aus dem Wine-Projekt, von Hersteller Valve mit seiner Spieleplattform Steam oder auch den Entwicklern von Ubuntu Studio. Schon nach kurzer Zeit hat das Team von dem Plan jedoch wieder Abstand genommen und verteilt also weiter 32-Bit-Pakete für x86.
Aktueller Kernel als Basis
Grundlage von Eoan Ermine ist der aktuelle Linux-Kernel 5.3, der Unterstützung für AMDs Navi-GPUs, neue ARM-SoCs und Intels Speed Select auf Xeon-Servern mitbringt. Die Ubuntu-Ankündigung weist zudem auf den Pidfd-Support hin, was eine reibungslose Wiederverwendung von PIDs ermöglichen soll, sowie auf das neue Mount-API und die IO_uring-Schnittstelle für asynchronen Datenverkehr.
Letztere ist seit Linux 5.1 dabei, löst das vorherige asynchrone Interface aio ab und kommt auch mit gepufferten Ein- und Ausgaben zurecht. Die Entwickler haben zudem die Sicherheit gestärkt: Mit wenigen Ausnahmen hat GCC die Ubuntu-Anwendungen mit zusätzlichen Schutzmechanismen, namentlich Stack Clash Protection und Control-Flow-Integrität, kompiliert.
Neuerungen für Cloud, Server und Desktop
Für den Desktop setzt Ubuntu 19.10 auf Gnome 3.34. Das verbessert die WLAN-Konfiguration, soll höhere Frameraten bieten und mit den meisten Grafiktreibern weniger Latenz in X.org-Sitzungen erzeugen. X-Wayland-Apps laufen künftig auch mit Rootrechten, zudem unterstützt Ubuntu 19.10 den neuen WLAN-Standard WPA3.
DLNA-Sharing ist per Default aktiviert, so dass die Anwender Filme auf ihrer Festplatte einfach für ihren Smart-TV freigeben können. Nicht zuletzt gibt es den Chromium-Browser nur noch als Snap. Der Grund: Die Software erhält permanent Updates, die sich so einfacher einspielen lassen sollen.
Der Nvidia-Treiber ist nicht nur auf dem ISO vorhanden, sondern lässt sich zuverlässiger in den Bootprozess einbinden. Zugleich rendert dieser den Bildschirm flüssiger und mit einer besseren Framerate.
Besser in der Cloud
Ubuntu kommt aber nicht nur auf Desktops, sondern auch häufig auf Servern, in VMs oder Containern zum Einsatz. Auch in diesem Bereich gibt es viele Änderungen. Dank Virglrenderer können Nutzer in Qemu eine virtuelle 3D-GPU in einer virtuelle Maschinen anlegen. Das ist laut Ankündigung zwar nicht so effektiv wie GPU-Passthrough, soll aber helfen, wenn die darunterliegende Plattform kein PCI Passthrough unterstützt. Libvirt 5.6 macht indes die Migrationen von VMs durch parallele Verbindungen schneller.
Teil von Ubuntu 19.10 ist außerdem PHP 7.3. Ebenfalls enthalten sind neue Versionen für DPDK, Open vSwitch und Openstack. Letzteres läuft als Train-Version von Charmed Openstack, das Live-Migrationen und die Nautilus-Version von Ceph unterstützt.
Eine ganze Reihe neuer Funktion bringt cloud-init mit, unter anderem ein neues Modul, um unter Ubuntu mit Treibern von Drittanbietern zu interagieren. Das Kommando cloud-id zeigt, welche Cloud auf welcher Instanz läuft, auch lässt sich erkennen, ob cloud-init auf einer Openstack-Instanz läuft.
Microk8s liefert eine lokale Installation von Kubernetes – wesentlich für Tests und den Edge-Einsatz. Neu mit dabei ist ein Addon für Kubeflow, das Microk8s um Machine- und Deep-Learning-Möglichkeiten erweitert, indem es die Container-Cluster unter anderem mit Tensorflow verknüpft.
Wie immer bieten die Release Notes von Ubuntu 19.10(öffnet im neuen Fenster) gleich ganz unterschiedliche Ausgaben an. Neben dem Standard-Desktop Gnome gibt es Varianten mit KDE Plasma, LXDE, Mate, Xfce, Kylin und Budgie. Hinzu kommen zudem Cloud- und Server-Images. Unterstützung erhält die aktuelle Version 19.10 bis zum Juli 2020. Die kommende Ubuntu-Version 20.04 mit Langzeitunterstützung erscheint im April kommenden Jahres.
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