Enzyklika: Papst erklärt Silicon Valley zum moralischen Problemfall
Leo XIV. hat mit Magnifica humanitas(öffnet im neuen Fenster) seine Antrittsenzyklika vorgelegt. Darin mischt sich der Papst ungewöhnlich konkret in aktuelle Debatten ein. Es handelt sich nicht um ein theologisches Grundsatzdokument, sondern um eine direkte Auseinandersetzung(öffnet im neuen Fenster) mit Machtkonzentration, Desinformation, Arbeitsplatzverlust und algorithmischer Kontrolle. Leo XIV. nennt Algorithmen, Patente und digitale Plattformen beim Namen und fordert, diese als Gemeingüter zu behandeln, nicht als Privateigentum weniger Konzerne.
Lob und politische Ansage in einem
Die Magnifica humanitas ist nicht technikfeindlich. KI sei "per se weder eine Lösung noch ein Übel", aber auch nicht neutral: KI nehme "die Züge derer an, die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen". Wer KI baue, trage Verantwortung. Wer Verantwortung trägt, muss kontrollierbar sein.
Bemerkenswert ist auch, was die Enzyklika über KI-Systeme selbst beschreibt: Diese machten keine Erfahrungen, besäßen keinen Leib und hätten kein moralisches Gewissen.
Eine Kirche positioniert sich neu
Die eigentliche Nachricht ist nicht, was die Enzyklika sagt, sondern wie. Leo XIV. spricht von Machtkonzentration bei "sehr kleinen, sehr einflussreichen Gruppen", von digitalem Kolonialismus, von Arbeitern, deren Körper "verletzt, verstümmelt und verbraucht werden, damit der Rechenfluss nicht zum Stillstand kommt".
Er bittet um Vergebung für historische Sklaverei und zieht eine direkte Linie zu heutigen Ausbeutungsstrukturen in der globalen Digitalwirtschaft. Und er sagt ausdrücklich: "Wer zu Verlangsamung und Kontrolle aufruft, ist kein Fortschrittsfeind."
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