Entwicklerkonferenz: Devternity-Gründer soll weibliche Speaker erfunden haben
Der Gründer der Entwicklerkonferenz Devternity sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt: Eduards Sizovs soll über Jahre hinweg weibliche Speaker erfunden haben, die auf der Konferenz Vorträge halten sollten. Die vermeintlichen Teilnehmerinnen mussten ihre Talks aber immer kurz vorher absagen.
Der Entwickler Gergely Orosz hat bei einigen der vermeintlichen Teilnehmerinnen nachgeforscht und festgestellt(öffnet im neuen Fenster) , dass es die besagten Personen nicht zu geben scheint. Im Raum steht der Vorwurf, Sizovs habe die Diversität mit erfundenen weiblichen Speakern verbessert, um andere Redner anzulocken. Manche männliche Konferenz-Speaker nehmen mittlerweile nur noch an Konferenzen teil, auf denen auch Rednerinnen vertreten sind, wie in der Diskussion unter Sizovs Beitrag zu erkennen ist.
Sizovs hat zu den Vorwürfen Stellung genommen(öffnet im neuen Fenster) . Die Auflistung der erfundenen Teilnehmerin Anna Boyko sei ein Fehler, keine Absicht gewesen; es handelte sich lediglich um eine Platzhalterin. Zwei weitere Teilnehmerinnen hätten abgesagt – allerdings lässt sich dies nur im Fall der Entwicklerin Sandi Metz nachvollziehen, die eigenen Angaben zufolge wegen einer Operation absagen musste.
Sizovs weist Absicht von sich
Sizovs zufolge hat er Anna Boyko nicht entfernt, da er keine Zeit für die Codeänderungen gehabt habe. Nachdem Orosz den Vorgang aufgedeckt hatte, wurde Boyko aber binnen kürzester Zeit von der Webseite gestrichen. Mit seinem langen Twitter-Beitrag scheint Sizovs sich keinen Gefallen getan zu haben, da er zwar Fehler zugibt, aber jegliche Absicht abstreitet. Stattdessen wirft er Orosz vor, mit der Sache an die Öffentlichkeit gegangen zu sein, und betont, dass die Teilnehmer von Devternity immer das bekommen hätten, wofür sie bezahlt haben.
Orosz(öffnet im neuen Fenster) zeigt allerdings, dass Sizovs mindestens seit 2021 nicht existente Rednerinnen auf der Teilnehmerliste gehabt hat. Außerdem scheint das Problem tiefer zu gehen: Es gibt Hinweise(öffnet im neuen Fenster) , dass es sich bei dem Instagram-Konto coding_unicorn um einen Account von Sizovs selbst handelt.
Die vermeintliche Programmiererin Julia Kirsina postet darin zahlreiche Beiträge, die 1-zu-1 denen von Sizovs entsprechen. Auf Fotos mit Entwicklerkonsolen(öffnet im neuen Fenster) ist zudem der Benutzername Sizovs' zu erkennen. In einem kurzen Video loggt sich Kirsina in Gmail ein, kurz ist auch ein Google-Konto von Sizovs zu sehen. Der Vorwurf des sogenannten Catfishings steht im Raum, also der Absicht, mit einer hübschen Frau männliche Follower zu gewinnen.
Konferenz steht offenbar vor dem Aus
Nachdem die Vorwürfe sich innerhalb weniger Tage immer weiter entwickelten, haben mehr und mehr Redner ihre Teilnahme an der Devternity 2023 abgesagt. Die Webseite der Konferenz(öffnet im neuen Fenster) ist momentan nicht mehr online, von Sizovs gibt es seit einigen Tagen keine Rückmeldung mehr. Auch auf einer anderen von ihm organisierten Veranstaltung soll es Probleme mit nicht existenten Rednerinnen gegeben haben.
Die Devternity-Konferenz lädt Teilnehmer von sich aus ein, als Redner anmelden kann man sich nicht. Daher haben zahlreiche weibliche Entwicklerinnen Sizovs vorgeworfen, nicht ernsthaft nach anderen möglichen Teilnehmerinnen gesucht zu haben.
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