Entschädigung bei Zugverspätung: Bahnkunden können Anträge bald digital stellen

Bei verspäteten Zügen haben Bahnkunden zwar Anspruch auf Entschädigung, müssen sich dafür bisher aber durch einen Formularwust wühlen. Das soll sich ändern: Die Deutsche Bahn will die Anträge online bereitstellen. Die Politik fordert noch mehr.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Wenn der ICE mal wieder zu spät kommt ...
Wenn der ICE mal wieder zu spät kommt ... (Bild: John Macdougall/AFP/Getty Images)

Die Deutsche Bahn will Anträge für Entschädigungen bei Zugverspätungen online anbieten. Das soll das Ausfüllen komplizierter Formulare beenden. "Es ist verständlich, dass das derzeitig praktizierte Entschädigungsverfahren von unseren Kunden als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird und diese sich einfache Lösungen wünschen", hat ein Sprecher der Deutschen Bahn der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Die Bahn wolle den Entschädigungsprozess vereinfachen und arbeite an notwendigen technischen Voraussetzungen für eine digitale Prozessvariante.

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Unklar ist, ab wann ein digitaler Entschädigungsantrag möglich sein wird. "Die Digitalisierung des Fahrgastrechteprozesses ist allerdings sowohl fachlich wie technisch komplex und erfordert daher noch etwas Zeit", sagte der Sprecher. Der bundeseigene Konzern stehe bei dem Thema im Kontakt mit dem Verbraucherschutz- sowie dem Verkehrsministerium. Wie die Beantragung der Entschädigung genau funktionieren soll, ist ebenfalls noch offen.

Die Bahn habe sich generell mit einer konzernweiten Digitalisierungsstrategie zum Ziel gesetzt, ihre Serviceprozesse und Angebote für die Kunden zu verbessern. "Auch für die Bearbeitung von Fahrgastrechtsfällen verfolgen wir dieses Ziel", sagte der Sprecher.

Regeln für Entschädigungen

Bei der Entschädigung gilt: Kommt der Reisende mindestens eine Stunde zu spät, erhält er auf Antrag ein Viertel des Fahrpreises zurück. Ab zwei Stunden ist es die Hälfte des Fahrpreises. Bisher ist es für Bahnkunden aber recht umständlich, einen Antrag auf Entschädigung zu stellen. Sie müssen ein Formular ausfüllen, es in einem Reisezentrum abgeben oder per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte in Frankfurt am Main schicken.

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Verbraucherschützer fordern seit Jahren eine Möglichkeit für Kunden, ihre Rechte auch online geltend zu machen. "Dass Geschädigte das Fahrgastrechteformular ausdrucken und per Briefpost zusenden müssen, ist nicht mehr zeitgemäß, sondern geradezu antiquiert", sagte Verkehrsexpertin Marion Jungbluth vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) dem Handelsblatt.

Bundesverkehrsminister verlangt automatische Entschädigung

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sprach sich für automatische Entschädigungen von Fahrgästen bei Verspätungen im Bahn- und Luftverkehr aus. "Wir werden die Fahrgastrechte stärken müssen - bei der Bahn, aber auch im Luftverkehr. Das wäre ein Anreiz für mehr Pünktlichkeit", sagte der CSU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Ich wäre für eine automatische Entschädigung bei Verspätungen. Darüber sind wir gerade mit dem Justizministerium im Gespräch."

Scheuer sagte weiter: "Wir wollen, dass die Reisenden zufrieden sind. Und wenn mal etwas schiefgeht, weil ein Zug ausfällt oder es Verspätungen gibt, muss unbürokratisch entschädigt werden."

Jeder vierte Fernzug war 2018 verspätet

Der Minister hatte bei Treffen mit der Bahnspitze im Januar 2019 auf zügige Verbesserungen für Bahnkunden gedrängt. 2018 war im Jahresdurchschnitt jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät. Der Konzern hatte Verbesserungen zugesagt, auch beim Service.

VZBV-Chef Klaus Müller forderte eine gesetzliche Pflicht zu automatischen Entschädigungen von Reisenden bei Verspätungen im Bahn- und Luftverkehr. "Eine gesetzliche Regelung zu einem verbraucherfreundlichen digitalen Verfahren muss zügig kommen, am besten deutlich vor dem nächsten Weihnachtsurlaub", sagte Müller dem Handelsblatt. Im digitalen Zeitalter sei dies "überfällig und wäre für Verbraucher ein echter Fortschritt."

Immer mehr Reisende der Bahn nehmen inzwischen ihre Rechte wahr: 2,7 Millionen Reisende füllten im vergangenen Jahr das Fahrgastrechteformular aus, 50 Prozent mehr als 2017. Im vergangenen Jahr zahlte das bundeseigene Unternehmen früheren Angaben zufolge im Nah- und Fernverkehr für Entschädigungen insgesamt 53,6 Millionen Euro. Auch die durchschnittliche Entschädigungssumme stieg: Knapp 20 Euro waren es 2018, im Vorjahr waren es gut 19 Euro.

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spyro2000 18. Mär 2019

Auch bekannt als Digitalisierung.

spyro2000 18. Mär 2019

Richtig, das ist der einzig sinnvolle Weg. Offliner können ja immer noch ihren Brief...

Sharra 17. Mär 2019

So absolut unfähig er sich bei VW und Co gezeigt hat, so bescheuert sind auch seine...

Kommentator2019 17. Mär 2019

... seien unterschiedliche Prozesse, dahere wolle man zunächst Prozesse vereinheitlichen...



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