Entlötet: Nvidia-Grafikkarte ohne GPU und Speicher verkauft
Anfang 2024 hat eine neue Betrugsmasche zunächst in Hongkong Aufsehen erregt: Ein Käufer einer gebrauchten Grafikkarte erhielt ein Modell, bei dem der Grafikprozessor (GPU) sowie der Speicher entfernt worden waren. Diese Praxis scheint auch in Deutschland angekommen zu sein. Der Youtuber Roman Hartung alias der8auer bekam eine funktionslose Nvidia Geforce RTX 5090 (Test) von einem Zuschauer zugesandt.
Nach dem Entfernen des Kühlers zeigte sich, dass sowohl GPU als auch der GDDR7-Speicher entlötet worden waren. Gekauft hatte der Zuschauer die Karte über Kleinanzeigen. Da er angesichts des nach aktuellem Maßstab sehr niedrigen Preises von 1.800 Euro skeptisch war, holte der Stuttgarter sie persönlich in Bremen ab. Ein Test vor Ort war seiner Aussage nach aber nicht möglich.
Hartung weist jedoch auf einige Warnzeichen hin, die auch ohne Test hätten auffallen können: Das Siegel auf einer der Schrauben des Kühlkörpers war zerstört, was zumindest nahelegt, dass dieser demontiert wurde. Außerdem stimmten die Seriennummern auf Karte und Karton nicht überein. Beides kann legitime Gründe haben, sollte bei wertvoller Hardware aber zumindest kritisch hinterfragt werden.
Komponenten nach China geschmuggelt?
Unklar ist, wie die Karte ursprünglich in Umlauf kam. Aus der Vergangenheit ist dokumentiert, dass in der Volksrepublik China GPU und Speicher von Nvidia-Karten entlötet wurden, um sie auf Platinen mit kleinerem Formfaktor zu verbauen. Die sollen dann in KI-Rechenzentren genutzt werden.
Auch eine ohne Bauteile verkaufte RTX 5090 ist bereits dokumentiert. Allerdings vertreibt Nvidia in der Volksrepublik lediglich eine eingeschränkte Version der RTX 5090 mit niedrigerer KI-Rechenleistung und weniger Speicher. Denkbar ist, dass die fehlenden Komponenten außerhalb der Volksrepublik entfernt wurden, da sie leichter schmuggelbar sind als komplette Karten. Um den Gewinn zu steigern, werden offensichtlich zumindest gelegentlich auch die Reste noch verkauft.
Hartung hofft noch, dass sich der Weg der GPU über die Seriennummer nachvollziehen lassen könnte. So ließe sich eventuell die Person ausfindig machen, die ursprünglich hinter dem Betrug steckt. Der geprellte Käufer hat den Fall zur Anzeige gebracht.
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