• IT-Karriere:
  • Services:

Entflechtung gefordert: FTC und US-Bundesstaaten klagen gegen Facebook

Facebook wird wegen unfairer Wettbewerbspraktiken verklagt. Die FTC fordert einen Verkauf von Tochterfirmen wie Instagram und Whatsapp.

Artikel veröffentlicht am ,
Die Übernahmen von Facebook werden von Gerichten überprüft.
Die Übernahmen von Facebook werden von Gerichten überprüft. (Bild: Nicolas Guyonnet/Reuters)

In einer umfangreichen Klage werfen 48 US-Bundesstaaten dem sozialen Netzwerk Facebook schwere Verstöße gegen den fairen Wettbewerb vor. Das Unternehmen setze in illegaler Weise seine Monopolmacht ein, um Wettbewerber auszuschalten und damit Nutzer und Werbekunden zu schädigen, heißt es in der 123-seitigen Klageschrift (PDF) vom 9. Dezember 2020. Die Handelsbehörde FTC fordert das Unternehmen in einer weiteren Klage (PDF) dazu auf, sein wettbewerbswidriges Verhalten und seine unfairen Methoden zu beenden.

Stellenmarkt
  1. Melitta Business Service Center GmbH & Co. KG, Minden
  2. Interhyp Gruppe, Berlin, München

In beiden Klagen wird Facebook vorgeworfen, durch seine Marktmacht potenzielle Konkurrenten entweder aufzukaufen oder auszuschalten. "Facebook hat seine Monopolstellung aufrecht erhalten, indem es Unternehmen aufgekauft hat, die Wettbewerbsbedrohungen darstellen, und restriktive Vorgaben eingeführt hat, die tatsächliche oder potenzielle Konkurrenten, die Facebook nicht oder nicht erwerben kann, ungerechtfertigt behindern", schreibt die FTC. Die Bundesstaaten bezeichnen dies als "Buy-or-Bury"-Strategie: kaufen oder beerdigen.

Facebook fürchtet um seine Monopolstellung

Die US-Bundesstaaten führen in ihrer Klage minutiös auf, wie Facebook von Anfang an versucht hat, bestimmte Unternehmen aufzukaufen, um potenzielle Wettbewerber auszuschalten oder Wettbewerber wie Twitter daran zu hindern, die Dienste dieser Firmen zu nutzen. Darüber hinaus wird Facebook vorgeworfen, am Anfang zunächst durch Schnittstellen ermöglicht zu haben, seinen Nutzern mehr Dienste zu bieten. Später habe Facebook den Zugriff auf die APIs eingeschränkt, um die Nutzerdaten möglichst selbst für Werbung verwerten zu können und die Angebote der Konkurrenz unattraktiver zu machen.

Ausführlich widmet sich die Klage den Übernahmen von Instagram, Onavo und Whatsapp in den vergangen zehn Jahren. Zahlreiche Passagen zum Kauf von Instagram und Whatsapp sind dabei geschwärzt. Die Auswertungen des Datenanalyse-Tools Onavo sollen dabei auch dazu beigetragen haben, dass Facebook auf Whatsapp aufmerksam wurde. Denn mit Hilfe von Onavo hätten sich Nutzertrends besser erkennen lassen. Der Klage zufolge war Facebook-Chef Mark Zuckerberg nur deshalb bereit, für Whatsapp so viel zahlen, damit der Messengerdienst nicht in die Hände eines Konkurrenten wie Google gelangte.

App-Zugriffe gestoppt

Zahlreiche Schwärzungen finden sich auch in dem Abschnitt, in dem die Klage die Behinderungen von Wettbewerbern durch Einschränkungen bei der API beschreibt. Von sieben Anwendungen sind nur die Apps Vine, Path und Circle zu identifizieren. So schaltete Facebook einen API-Zugang für Twitter ab, nachdem der Kurznachrichtendienst im Januar 2013 seine App Vine gestartet hatte. Zuckerberg billigte per E-Mail ausdrücklich dieses Vorgehen.

Abschließend hält die Klage fest, dass der Kauf von Instagram und Whatsapp gegen das Kartellrecht, den sogenannten Clayton Act von 1914, verstoßen habe. Facebook soll künftig untersagt werden, sich wettbewerbswidrig zu verhalten. Übernahmen, die mehr als zehn Millionen US-Dollar kosten, sollen den Bundesstaaten zuvor angezeigt werden.

Entflechtung gefordert

Sowohl die Bundesstaaten als auch die FTC werfen Facebook vor, gegen den sogenannten Sherman Act von 1890 verstoßen zu haben, der Marktmacht von Kartellen einschränken soll. Die FTC fordert darüber hinaus die "Veräußerung von Vermögenswerten, Veräußerung oder Wiederaufbau von Unternehmen (einschließlich, aber nicht beschränkt auf Instagram und/oder Whatsapp)". Auch die FTC will vorab über jeden neuen Kauf oder Zusammenschluss mit anderen Firmen informiert werden.

In einem Statement verwies Facebook darauf, dass die Übernahmen genehmigt worden seien. Eine nachträgliche Rückgängigmachung stelle einen gefährlichen Präzedenzfall dar. Die Klage sende das Signal aus, "dass kein Kauf jemals endgültig ist".

Die nun erhobenen Vorwürfe gegen Facebook ähneln stark den Ergebnissen eines umfangreichen Berichts, den der US-Kongress Anfang Oktober vorgelegt hatte. Dem Bericht zufolge hat Facebook sein Monopol durch eine Reihe wettbewerbswidriger Geschäftspraktiken aufrechterhalten. "Das Unternehmen nutzte seinen Datenvorteil für die Gewinnung überlegener Marktinformationen, um damit aufkommende Wettbewerbsgefahren zu erkennen und diese Unternehmen dann zu erwerben, zu kopieren oder zu zerstören", hieß es darin. Von den fast 100 Firmenkäufen durch Facebook sei lediglich die Übernahme von Instagram im Jahr 2012 durch die US-Handelsbehörde untersucht worden.

Vor mehr als einem Jahr hatten sich Staatsanwälte fast aller US-Bundesstaaten auch für Kartellermittlungen gegen Google zusammengeschlossen. Eine erste Klage wurde im Oktober 2020 eingereicht.

Nachtrag vom 17. Dezember 2020, 9:11 Uhr

Anders als in einer frühereren Version des Artikels behauptet, ist gegen Google bereits eine Klage eingereicht worden.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. Anno 1800 für 26,99€, Railway Empire für 14,99€, Code Vein für 16,99€)
  2. 119,90€ (Bestpreis mit Amazon)
  3. (AMD Ryzen 9 5950X + Radeon RX 6900 XT)
  4. (u. a. TU7199 58 Zoll für 559€, Q80T QLED 49 Zoll für 859€, TU7199 75 Zoll für 899€, Q60T...

Hotohori 10. Dez 2020

Bei VR Entwicklern, die für die Oculus Plattform entwickelt haben, soll es auch zu...


Folgen Sie uns
       


Immortals Fenyx Rising - Fazit

Im Video zeigt Golem.de das Actionspiel Immortals Fenyx Rising.

Immortals Fenyx Rising - Fazit Video aufrufen
IT-Unternehmen: Die richtige Software für ein Projekt finden
IT-Unternehmen
Die richtige Software für ein Projekt finden

Am Beginn vieler Projekte steht die Auswahl der passenden Softwarelösung. Das kann man intuitiv machen oder mit endlosen Pro-und-Contra-Listen, optimal ist beides nicht. Ein Praxisbeispiel mit einem Ticketsystem.
Von Markus Kammermeier

  1. Anzeige Was ITler tun können, wenn sich jobmäßig nichts (mehr) tut
  2. IT-Jobs Lohnt sich ein Master in Informatik überhaupt?
  3. Quereinsteiger Mit dem Master in die IT

Wissen für ITler: 11 tolle Tech-Podcasts
Wissen für ITler
11 tolle Tech-Podcasts

Die Menge an Tech-Podcasts ist schier unüberschaubar. Wir haben ein paar Empfehlungen, die die Zeit wert sind.
Von Dennis Kogel


    AfD und Elektroautos: Herr, lass Hirn vom Himmel regnen!
    AfD und Elektroautos
    "Herr, lass Hirn vom Himmel regnen!"

    Der AfD-Abgeordnete Marc Bernhard hat im Bundestag gegen die Elektromobilität gewettert. In seiner Rede war kein einziger Satz richtig.
    Eine Analyse von Friedhelm Greis

    1. Nach Börsengang Lucid plant Konkurrenz für Teslas Model 3
    2. Econelo M1 Netto verkauft Elektro-Kabinenroller für 5.800 Euro
    3. Laden von E-Autos Spitzentreffen zu möglichen Engpässen im Stromnetz

      •  /