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Grund 3: Babelfish? Fehlanzeige

Zu viele Änderungswünsche in zu kurzer Zeit und überambitionierte Konzepte sind also zwei Gründe, warum SAP-Projekte häufig scheitern. Der dritte Grund sind die großen Sprachbarrieren in komplexen Projekten. Dabei sind hier nicht Fremdsprachen gemeint, sondern Missverständnisse zwischen den einzelnen Fachbereichen.

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Jeder Projektmanager kennt den Comic mit der Schaukel am Baum, der diese Schwierigkeiten beim Absprechen eines Projektes auf lustige Art deutlich macht. So ähnlich läuft es tatsächlich ab, wenn Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen gemeinsam diskutieren. Der Vertrieb meint das eine, die Entwicklung hört das andere - und umgesetzt wird etwas ganz anderes. Ein Beispiel: Der Vertrieb spricht von einer Automatisierung der Abläufe, die Entwicklung baut eine Wenn-Dann-Anfrage und der Kunde freut sich auf Abläufe ohne eigene Eingaben.

Der Grund für solche Missverständnisse liegt auf der Hand: Die einzelnen Experten sind zu sehr in ihrem eigenen Kosmos gefangen. Das hat gerade bei übergreifenden Prozessen gravierende Auswirkungen. Es verschlingt viel Zeit und Geld.

Übersetzer gesucht

Um dieses Problem zu lösen oder gar nicht erst entstehen zu lassen, gilt es, zunächst zwei Dinge zu akzeptieren:

  • Wir haben es bei ERP-Projekten mit übergreifenden Prozessen zu tun. Diese betreffen verschiedene Fachbereiche. Nur durch die Integration werden wir besser. Am Ende zählt nur das Prozessergebnis, das beim Kunden ankommt.
  • Unterschiedliche Fachbereiche sprechen verschiedene Sprachen. Gerade Experten tragen ein tiefes Domänen-Fachwissen in sich. Das gilt es, im Prozess zu nutzen.

Bevor alle Experten an einem Tisch zusammenkommen, sollte zunächst die Art der Herausforderungen geklärt werden: komplex oder kompliziert. Um den Unterschied zu verstehen, hilft ein Beispiel. Der Physiker Harald Lesch hat ein gutes gefunden: Das Straßensystem von Florenz mit seinen vielen Einbahnstraßen ist kompliziert. Hat man einmal die städtische Struktur, die Straßen und ihre Fahrtrichtungen verstanden, gelangt man ohne Probleme von A nach B. Das Straßennetz ist ein Netzwerk - ein kompliziertes zwar, aber eine lösbare Aufgabe. Hängt jedoch die Richtung der Einbahnstraßen jeweils von der Verkehrsdichte ab, wird es komplex. Dann beeinflussen viele unabhängige Faktoren die Lösung.

Die Umsetzung eines Prozesses in einem IT-System ist kompliziert, eine technische Herausforderung. Der Rollout eines Prozesses in einem Unternehmen ist komplex. Hier kommen die vielen menschlichen Akteure hinzu, auf die das Projektteam kaum Einfluss hat. ERP-Projekte müssen mit beiden Dimensionen umgehen können.

Für die Lösung von komplizierten Problemen sind nur wenige Experten nötig, die die Schwierigkeiten intern in ihren Fachabteilungen ausdiskutieren können. Für die Lösung von komplexen Problemen braucht man hingegen interdisziplinäre Teams - und die richtigen Methoden.

Zwei Ansätze hierfür:

  • Um in komplexen Projekten die Übersicht zu bewahren, wird ein Lösungsarchitekt (Solution Architect) benannt. Wie der Architekt auf der Baustelle behält er den Überblick über die verschiedenen Gewerke und vermittelt bei Bedarf. 
  • Um in interdisziplinären Teams zu neuen Lösungen zu kommen, werden erprobte Methoden wie Design Thinking genutzt. Durch die Unterstützung von erfahrenen Moderatoren kommen diese Teams zu wirklich kreativen neuen Lösungen.

In Kombination mit schnellen Feedback-Schleifen und agilen Methoden bekommt der Kunde am Ende den Schaukelreifen am Baum, den er von Anfang an wollte, und keine Holzschaukel, Achterbahn oder den Sessel.

Wird jetzt alles gut?

Die Einführung von großen IT-Systemen - insbesondere von ERP-Systemen - ist und bleibt für Unternehmen eine Herausforderung. Hier treffen die drei Dimensionen Technik, Prozesse und Anwender aufeinander. Diese gilt es in Einklang zu bringen.

Dabei ist wichtig, dass das Projektteam zumindest während bestimmter Phasen mit neuen Anforderungen in Ruhe gelassen wird, dass die Software-Entwickler nicht zu viel wollen und dass die Kommunikation zwischen Fachabteilungen und ITlern funktioniert. Neue Ansätze wie die Scrum-Methode, das MVP und das Design Thinking helfen dabei.

Das "Alles-wird-gut-Projekt" bleibt eine Illusion. Denn gerade bei unternehmenskritischen Anwendungen sollten vor allem zwei Dinge im Vordergrund stehen: Der Betrieb muss weiter laufen und die Anwender müssen mit der neuen Software umgehen können.

Über den Autor: Markus Kammermeier ist Solution Architect Digital HR und Business Lead Digital Transformation. Bei T.CON verantwortet er als Mitglied der Geschäftsführung den Bereich Digitalisierung von IT- und HR-Lösungen. Seine HR-Erfahrung sammelte er als Personalleiter, Berater und Lösungsarchitekt. Sein Schwerpunkt liegt heute auf der Transformation von IT und HR zu innovativen Business-Lösungen. Gemeinsam mit seinem Team unterstützt Kammermeier Kunden bei der Digitalisierung der Prozesse in SAP und SuccessFactors. Zudem ist Markus Kammermeier Lehrbeauftragter an der Technischen Hochschule Deggendorf, Berater für Organisationsentwicklung, Agile Coach und Beiratsmitglied des Gründerzentrums Digitalisierung Niederbayern.

 Grund 2: zu viel auf einmal
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derdiedas 14. Feb 2019

Stimmt alles, aber trotzdem finde ich SAP gut. Denn es ist eines der wenigen IT Konzerne...

exxo 07. Feb 2019

Ein Kunde von uns hat seine eigene Workflow Engine und ESS/MSS im SAP implementiert weil...

exxo 07. Feb 2019

Er verwechselt Scrum mit Kanban.

exxo 07. Feb 2019

Schwierigkeiten sind bei solchen Projekten ganzen normal. Scheitern tun solche Projekte...

1337Falloutboy 07. Feb 2019

Firmen Geschäftsführer und/oder die SAP Programmierer schauen sich den Alltag der...


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