Energyminer: Erstes Energyfish-Schwarmkraftwerk für den Rhein
Das rheinland-pfälzische Umweltministerium hat die Genehmigung für ein Schwarmkraftwerk(öffnet im neuen Fenster) in einem Nebenarm des Rheins bei Sankt Goar erteilt. Es besteht aus einzelnen Energyfishen – schwimmenden Strömungsturbinen des Münchner Unternehmens Energyminer(öffnet im neuen Fenster) , die im Flussbett verankert werden, ohne dass der Gewässergrund dafür verändert werden muss. Drei Geräte laufen bereits, als nächster Schritt sollen 21 weitere folgen. Das Ziel sind insgesamt 124 Einheiten.
Jeder Energyfish misst rund 2,8 mal 2,4 Meter, wiegt etwa 80 Kilogramm und leistet bei optimaler Strömung bis zu 6 Kilowatt. Bei einer Fließgeschwindigkeit von 1,5 bis 2 Metern pro Sekunde produziert ein einzelnes Gerät im Jahresdurchschnitt rund 15 Megawattstunden. Hundert Energyfishe kommen so auf 1,5 Gigawattstunden pro Jahr, was laut Hersteller für rund 470 Haushalte reicht.
Wie funktioniert das? – Turbinen unter Wasser, Strom an Land
Die Rotoren der Energyfishe werden ausschließlich durch die natürliche Strömung angetrieben. Der erzeugte Strom wird über Landstationen ins Netz eingespeist. Die Geräte sind an der Wasseroberfläche kaum sichtbar und arbeiten geräuschlos. Bei Hochwasser oder Eisgang sinken sie automatisch auf den Flussboden ab – und produzieren dabei weiter.
Ein eigens entwickeltes Schutzsystem soll verhindern, dass Fische durch die Rotoren verletzt werden. Die TU München hatte untersucht, ob die Geräte die im Mittelrhein vorkommenden Wanderfischarten wie Barbe und Nase gefährden – und kam zu dem Ergebnis, dass weder Verletzungen noch Verhaltensveränderungen auftraten. Anders als klassische Wasserkraftanlagen erzeugen die Energyfishe keinen Aufstau. Alle Komponenten lassen sich bei Bedarf wieder aus dem Wasser entfernen.
Grundlastfähige Wasserkraft ohne Staudamm
Ein zentrales Argument für die Technologie ist ihre Wetterunabhängigkeit. Während Solar- und Windkraft von Sonneneinstrahlung und Windaufkommen abhängen, fließt ein Fluss kontinuierlich. Laut Hersteller liegt die Stromerzeugung des Schwarmkraftwerks kostenseitig auf dem Niveau von Wind- und Solarenergie. Ein Schwarm aus 100 Einheiten soll rund 545 Tonnen CO 2 pro Jahr einsparen.
Energyminer-Co-CEO Richard Eckl bezeichnete Sankt Goar als "Proof of Scale" – als Beleg dafür, dass die Technologie nicht nur im Labor, sondern auch im regulierten Betrieb funktioniert. Ob das Modell auf andere Flüsse und Standorte übertragbar ist, dürfte sich in den kommenden Betriebsjahren zeigen. Belastbare Langzeitdaten fehlen bislang.



