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Energiewende: Was tun gegen Solarmodule unter 200 Euro?

Selbst hocheffiziente Solarmodule kosten weniger als 200 Euro pro Kilowatt. Doch statt Strafzölle zu erheben, sollte die EU sie einfach kaufen.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Solarzellen werden immer billiger oder sogar zu billig? (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
Solarzellen werden immer billiger oder sogar zu billig? Bild: Martin Wolf / Golem.de

Der Durchschnittspreis für Solarmodule in Europa ist auf neue Tiefstwerte gesunken. Hocheffiziente Module mit über 22 Prozent Effizienz kosten inzwischen weniger als 200 Euro pro Kilowatt. Nach Angaben von PVxchange(öffnet im neuen Fenster) liegt der Preis für weniger effiziente Module im Massenmarkt bei 130 Euro pro Kilowatt und B-Ware wird im Durchschnitt sogar für nur noch 80 Euro pro Kilowatt verkauft.

Vor einem Jahr lagen diese Preise noch bei 350, 280 und 170 Euro. Sie fielen damit um die Hälfte innerhalb eines Jahres. Der Grund ist ein relatives Überangebot an chinesischen Solarmodulen in Europa, nachdem in den USA Strafzölle auf chinesische Solarmodule erhoben wurden. Der schnelle Preisverfall täuscht jedoch.

Der Preis für Solarmodule stieg 2022 wegen der hohen Nachfrage während der Energiekrise in Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine stark an. Hocheffiziente Module (damals noch ab 21 Prozent Effizienz definiert) kosteten im August 2022 sogar 440 Euro/kW und für durchschnittliche Massenware wurden 340 Euro/kW gezahlt, selbst B-Ware kostete mit 220 Euro/kW mehr als hocheffiziente Module heute.

Lieferprobleme haben Kostensenkung verdeckt

Die Preisentwicklung wurde in den letzten vier Jahren hauptsächlich durch Lieferengpässe und Nachfragespitzen geprägt, die zu einem erhöhten Preisniveau führten. So lagen die Preise für Solarmodule im Mai 2020 genauso hoch wie im Mai 2023, im Oktober 2020 sogar noch etwas niedriger. Diese scheinbar stabilen Preise entsprachen aber überhaupt nicht der Entwicklung ständig sinkender Produktionskosten.

Im Vergleich zum Herbst 2020 sanken die Preise für Solarmodule bis heute um 40 Prozent bzw. etwa 13 Prozent pro Jahr. Das entspricht der normalen langjährigen Preisentwicklung in der Photovoltaik und deutet nicht auf Preisdumping chinesischer Hersteller hin. Stattdessen erinnert die Situation an die Zeit von 2004 bis 2011, die durch hohe Subventionen in Spanien und Deutschland zustande kam, wie sie von Jenny Chase in ihrem Buch Solar Power Finance without the Jargon beschrieben wurde.

Schlimmstenfalls hätte die EU viele billige Solarzellen

Von 2004 bis 2011 lagen die Preise für Solarmodule weit oberhalb des langjährigen Trends sinkender Kosten. Das Ende der Subventionen in Spanien und Deutschland führte dann zu einem plötzlichen Preisverfall bis auf das normale Kostenniveau. Denn in der Zwischenzeit stiegen Preise für wichtige Rohstoffe wie Silizium in Europa und den USA weit über die Produktionskosten hinaus an. Zu diesen Preisen wurden langfristige Lieferverträge abgeschlossen, durch die sie wettbewerbsunfähig wurden.

Denn chinesische Hersteller waren an diese Verträge nicht gebunden und hatten eine von Halbleitern unabhängige Produktion von Silizium aufgebaut. Diese hatte größere Toleranzen in der Reinheit des Siliziums und ermöglichte so die Herstellung wesentlich günstigerer Solarzellen. In der Folge wurden die viel niedrigeren Preise aus China in Europa als Dumpingpreise wahrgenommen, obwohl sie lediglich der normalen Preisentwicklung seit 1975 folgten.

Aber selbst wenn die niedrigen Preise eine Kampfansage gegen die europäische Solarindustrie wären und die chinesischen Hersteller ihre Solarmodule tatsächlich mit Absicht unter ihren Produktionskosten verkaufen, könnte die EU darauf viel besser reagieren, als Strafzölle zu erheben: Sie kann die billigen Solarmodule einfach zu diesen Preisen kaufen und den chinesischen Herstellern damit schaden.

Diesmal ist es keine Subventionsblase

Der schädliche Effekt auf europäische Hersteller kann dann leicht neutralisiert werden, indem die zentral von der EU gekauften Solarmodule zu höheren Preisen weiterverkauft werden. Die Differenz kann dann Projekte zur Wirtschaftsförderung finanzieren und das diplomatische Auftreten der EU im Ausland stärken, und zwar alles auf Kosten chinesischer Hersteller.

Sollte es sich hingegen nicht um Dumping handeln, kann kein Schaden entstehen in Anbetracht der im Vergleich zu anderen Energiequellen objektiv günstigen Preise. Im schlimmsten Fall hätte die EU massenweise Solarmodule für 130 Euro/kW(peak) gekauft, hoffentlich mit adäquater Qualitätskontrolle, die in 20 Jahren je nach Standort deutlich mehr als 20.000 kWh/kW(peak) erzeugen können – was 0,65 ct/kWh entspricht. Der Rest ist eine Frage der Installationskosten.

Anders als bei der Subventionsblase vom letzten Solarboom zwischen 2004 und 2011 kann das kein schlechtes Geschäft sein, selbst wenn die Preise später noch weiter sinken sollten.


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