Flexibilisierung im Stromnetz nimmt zu
Dass im Stromnetz Veränderungen stattfinden, lässt sich beim Vergleich mit einem ähnlich sonnigen Feiertag beobachten, dem 1. Mai 2025(öffnet im neuen Fenster). Damals lag die Einspeiseleistung aus Photovoltaik sogar noch 10 Prozent niedriger.
Dennoch wurden 12 GW mehr Leistung erzeugt, als Last im Netz zur Verfügung stand. 2026 hingegen lag diese Differenz nur noch bei 8 GW, weil vor allem die Last trotz Feiertag höher war. Ein verbesserter Netzausbau für Import und Export von Strom sowie eine bessere Steuerbarkeit von Verbrauchern lassen sich hieran beobachten.
Dass sich der Ausbau von Leitungskapazität und die Regelbarkeit stromintensiver Anlagen, etwa durch eigene Stromspeicher an Industrieanlagen, lohnen, liegt vor allem am negativen Strompreis. Wer am 1. Mai gegen 14 Uhr einen Speicher auflud und ihn vier Stunden später wieder ins Netz einspeiste, hätte bis zu 65 Cent je Kilowattstunde verdienen können. Selbst private Speicher könnten dann trotz Netzentgelt und Abgaben einen kleinen Gewinn erwirtschaften.
Glättung ist zu erwarten
Dass die Flexibilisierung des Verbrauchs zunimmt, folgt damit marktwirtschaftlicher Logik. Äußerst erwartbar ist zudem die Zunahme der Ladeleistung von Elektroautos, deren Anzahl sich zuletzt pro Jahr um 50 Prozent erhöht hat und mittlerweile bei über 2 Millionen liegt.
In vier bis fünf Jahren dürfte die Marke von 10 Millionen erreicht sein. Würden nur 10 Prozent dieser Fahrzeuge im gleichen Zeitraum flexibel an einer kleinen Wallbox mit 11 Kilowatt laden, ergäbe das 11 Gigawatt steuerbare Last.
Erste Feldversuche mit entsprechender Steuerung von Ladesäulen und der Auswertung der tatsächlichen Auswirkungen auf das Stromnetz werden bereits durchgeführt. Allein die Batterien einer wachsenden Elektroautoflotte könnten zumindest für ein paar Stunden den Strom aus Photovoltaik aufnehmen.
Abseits davon können die starken Schwankungen Anreize schaffen, Verbrauch und Einspeisung immer flexibler zu gestalten, unter anderem auch bei Biomasse. Am Ende führt dies wieder dazu, dass Ausschläge bei den Strompreisen zukünftig deutlich kleiner und die Margen beim Betrieb eines Akkuspeichers geringer werden.
Windkraft und Photovoltaik als echte Marktteilnehmer
Gleichzeitig würde dies auch bedeuten, dass erneuerbare Energieanlagen nicht mehr auf feste Vergütungsmodelle angewiesen wären, wie es bei zahlreichen Ausschreibungen üblich ist. Stattdessen könnten sie zu den jeweils gültigen Preisen einspeisen und ihre Wirtschaftlichkeit tatsächlich unter Beweis stellen. Das würde vermutlich sogar die Kritiker des vielen erneuerbaren Stroms besänftigen.
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