Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Energiewende verplant: Ausbau von Wind- und Solarenergie muss neu gedacht werden

Mit wenigen planerischen Eingriffen könnte das deutsche Energiesystem resilienter, fairer und unabhängiger werden. Erste Ansätze sind erkennbar.
/ Mario Petzold
35 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Doppelnutzung: PV-Anlage und Schafweide nahe Berlin (Bild: Getty Images/Maja Hitij)
Doppelnutzung: PV-Anlage und Schafweide nahe Berlin Bild: Getty Images/Maja Hitij
Inhalt
  1. Energiewende verplant: Ausbau von Wind- und Solarenergie muss neu gedacht werden
  2. Windkraft besitzt Vielzahl an Vorzügen
  3. Wichtige Chance der Netzentlastung verpasst

Die Energiewende steht vor enormen Herausforderungen, die nur zum Teil selbst gemacht sind. Dabei kann der Umbau der Energieversorgung von zentralen Großkraftwerken hin zu deutlich kleineren, dezentral verteilten und teils extrem volatilen Anlagen gar nicht reibungslos verlaufen – zumal zahlreiche Entwicklungen seit der verbindlichen Verpflichtung der meisten Länder der Welt im Kyoto-Protokoll von 1997(öffnet im neuen Fenster) noch gar nicht absehbar waren.

Kein Wunder also, dass diese Transformation nicht nur auf Probleme stößt, sondern auch Skepsis hervorruft. Klar ist, dass ein System basierend auf erneuerbaren Energien funktionieren kann. Das liegt vor allem an einer Flexibilisierung, die aktuell nur schwer vorstellbar ist, und an einer Entwicklung der Speichertechnik, die noch vor zehn Jahren in dieser Form nicht zu erwarten war. Ganz zu schweigen davon, dass das Verständnis für Dunkelflauten, in denen Wind und Sonnenlicht fehlen, deutlich zugenommen hat.

Allerdings befindet sich das Energiesystem derzeit an einem Punkt, an dem Fehlentwicklungen offenkundig werden. Ehemals notwendige Förderungen haben zu Unwuchten geführt, wichtige Anpassungen wie die flächendeckende Verteilung intelligenter Messsysteme für Haushalte und Gewerbe verlaufen zu schleppend.

Dennoch gibt es einfache wie wirkungsvolle Maßnahmen, die praktisch sofort umsetzbar sind, kaum zusätzliche Kosten verursachen, im Gegenteil sogar lokale Wirtschaftszweige unterstützen. Ein Artikel in European Planning Studies(öffnet im neuen Fenster) beschreibt das Vorgehen, das das Stromnetz entlasten, die heimische Energieproduktion steigern und den Strompreis senken könnte.

Photovoltaik besonders ungleich verteilt

Einer der Hauptkritikpunkte des Beitrags ist die Ungleichverteilung von Photovoltaikanlagen. Diese befinden sich vor allem in Bayern, während große Freiflächenanlagen insbesondere im Nordosten gebaut werden.

Schuld ist die bundesweit einheitliche Förderung – stumpf nach der erzeugten Energiemenge. Sie führte konsequenterweise dazu, dass die Anlagen dort gebaut wurden, wo entweder der Ertrag besonders hoch oder verfügbare Flächen vergleichsweise preiswert zur Verfügung standen.

In Bayern führt sie zu regelmäßigen Abschaltungen wegen Überlastung des Stromnetzes. Im Nordosten Deutschlands muss der produzierte Strom über lange Wege erst zu den Verbrauchern transportiert werden. Eine Lösung wäre ein Fördermodell, das dem der Windkraftanlagen ähnelt.

Demnach würden einzelne Regionen eine Mindestleistung aus PV-Anlagen vorschreiben, die gefördert wird. Gleichzeitig unterscheidet sich die Höhe der Zuschüsse regional, je nachdem, wie hoch der Ertrag im Vergleich zu anderen Regionen tendenziell ausfallen wird. Bei weniger produziertem Strom würde mehr gefördert, sofern vor Ort insgesamt noch weniger Anlagen in Betrieb sind als gewünscht.

Nach einem solchen Modell würde es sich lohnen, im Westen und Nordwesten mehr Solaranlagen zu errichten, wo diese aktuell noch zu dünn verteilt sind. Das Ergebnis wären vor allem kürzere Wege für den Strom dorthin, wo er verbraucht wird. Die Chance, dies umzusetzen, wurde in der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes allerdings verpasst – neben weiteren liegen gelassenen Chancen.


Relevante Themen