Wichtige Chance der Netzentlastung verpasst
Ein weiterer Punkt, der planerisch sinnvoll wäre, ist die sogenannte Überbauung der Netzanschlusspunkte. An einem solchen Punkt dürfen beispielsweise 1.000 Kilowatt Leistung ins Stromnetz eingespeist werden. Steht dort ein Windrad mit ebendieser Leistung, ist der Anschlusspunkt ausgelastet.
Erreicht wird dieser Wert jedoch in etwa 1.000 Stunden im Jahr, meist weniger, manchmal wird auch gar nicht eingespeist. Dementsprechend könnte in den restlichen Stunden zum Beispiel eine Photovoltaikanlage über den identischen Netzanschlusspunkt einspeisen.
Weil sich Windkraft und Solarenergie im Jahresverlauf sehr gut ergänzen – die Sonne scheint im Sommer, Wind weht vom Herbst bis ins Frühjahr stärker, häufig abends und nachts – ließe sich die verfügbare Leistung wesentlich besser ausnutzen, ohne die Maximalleistung zu überschreiten.
Mehr Strom, aber kein Netzausbau
Noch einen Schritt weiter gedacht ist die Ergänzung um einen Batteriespeicher und die gleichzeitige Erhöhung der Windkraft- und Solarleistung. Bei Überproduktion speichert der Akku und gibt dann ins Netz ab, wenn die erneuerbaren Energieanlagen nicht liefern. Ohne einen zusätzlichen Ausbau der Netzkapazitäten wäre mehr Strom in mehr Stunden verfügbar.
Zwar wird das teilweise schon umgesetzt, ist aber stets mit aufwendigen Anträgen und Sondergenehmigungen verbunden. Ein Recht auf Überbauung, was sich viele Energieentwickler gewünscht hatten, ist noch nicht in Sicht. Dabei würde das die Energiewende direkt günstiger und pragmatischer machen.
Zwei Chancen verpasst, eine könnte genutzt werden
Bei der gerade erfolgten Neuauflage des EEG wurden zwei wichtige Möglichkeiten ungenutzt gelassen, um Netze zu entlasten und erneuerbare Energie gleichmäßiger einzuspeisen. Sie hätte fast nichts oder sogar gar nichts gekostet, aber am Ende die Strompreise senken können.
Statt die Förderung von Solaranlage zielgerichteter zu gestalten, erfolgt der Kahlschlag, wenn auch mit leichter Verzögerung. Wobei die Fördersumme im europäischen Vergleich in der Tat noch immer sehr hoch war und die Laufzeit von 20 Jahren im Grunde nicht mehr zu rechtfertigen ist. Man hätte es durchdachter machen können, genau wie bei der effektiven Ausnutzung von Netzanschlusspunkten.
Eine Chance auf einen besseren Ausbau der erneuerbaren Energien bietet sich zumindest noch mit der demnächst umfassenden Direktvermarktung des Solarstroms. Statt Anlagen, egal ob groß in der Freiflächen oder auf dem eigenen Dach, wie früher möglichst optimal nach Süden auszurichten, lohnt es sich, Module flexibel anzuordnen. In Summe wird weniger Strom aus der gleichen Solarleistung produziert. Am Markt ist der Strom aus den Morgen- und Abendstunden jedoch deutlich wertvoller, so dass die Solaranlage flexibel ausgerichtet mehr Ertrag erwirtschaften kann.
Ein zarter Schritt hin zur pragmatischen Energiewende ist also getan. Andere Möglichkeiten, auf einfache wie wirkungsvolle Weise den Ausbau zu fördern, das Netz zu entlasten und die Energie dadurch insgesamt günstiger zu machen, bleiben noch ungenutzt. Das muss allerdings nicht heißen, dass das auch so bleibt.
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